szmmctag

  • To Leave The Door Open (Aliens Welcome)

    Ich habe versucht, es Sarah so zu erklären, dass ein Alien in meinem Kopf sitzt und einen irren Aufstand macht, sobald etwas nicht so läuft, wie es will. Und dann kann ich zusehen, wie ich damit umgehe. Entweder ich lasse es schreien und höre auf meinen Verstand, oder aber es schreit so laut, dass der Verstand beim besten Willen nicht mithalten kann und einfach untergeht. Dann drehe ich durch, so ein bisschen zumindest, und werde selbst zu dem Alien.

    Es ging eigentlich um Musik. Beziehungsweise um ihren neuen Song, Revolution - ein umwerfendes Lied, das nur so ganz nebenbei, das mich schon bei zahlreichen Gelegenheiten in ehrfürchtiges Staunen versetzt hat. Es sind nur darin ein paar Sachen, die meinem neurotischen Kopf Probleme bereiten. Und nachdem ich eindeutig zu viel Zeit dafür aufgebracht habe, sie überzeugen zu wollen, die eine Pause zwischen zwei Zeilen um einen Vierteltakt kürzer zu machen, weil der da einfach mal nicht hingehört und zu viel ist und alles durcheinanderbringt und überhaupt keinen Sinn ergibt und mich einfach vollkommen zum Durchdrehen bringt, konnte ich unmöglich noch damit anfangen, dass meiner Meinung nach "the walls are closing me in" nicht das Tollste aller Englische ist, beziehungsweise eigentlich ganz grausam falsch - wohingegen "the walls are closing in" wunderschön wäre und sich in der Silbenzahl nichtmal etwas ändern müsste, weil ich es eh grandios fände, das "i" von dem "in" lang zu singen und das "me" damit einfach zu ersetzen - "iih-in". That's the dream.

    Was sie aber sagte, war, aber das lange "open" vor dem irritierenden reingemogelten Vierteltakt sei doch so schön und würde man den Schlag wegnehmen, müsste man es viel zu sehr kürzen. Und sie würde es überhaupt nicht stören.

    Gowai im Howai, erbarme dich. Es ist ein Schlag zu viel in diesem Lied und bringt alles durcheinander, und es stört sie nicht? Und dabei ist sie doch zweifelsohne ein sehr musikalisch wertvoller Mensch.

    Aber genau das ist vermutlich das Problem. Sie ist eben nur musikalisch, nicht obsessiv-kompulsiv alienbesessen musikalisch.
    Möp...

  • Ein Ende, Holden Caulfield und die Windrichtung

    Wirklich? Wirklich?

    Ein bisschen verblüfft bin ich über das Ende ja schon. Ich habe ein komisches Gefühl, so, als würden meine Bauchmuskeln durchreißen. Ich hätte mich nicht so anstrengen sollen, nicht noch mehr zu heulen.

    Das ist ..ich weiß nichtmal genau, was es ist; es ist genau so, wie es einfach nicht ist - wie man mir überhaupt nicht vormachen sollte, dass überhaupt nur die hypothetischste aller Möglichkeiten besteht dazu, weil das kontraproduktiv ist und gegen alles geht, was ich mir jeden Moment aufs Neue mühsamst beibringe, einrede, in Erinnerung rufe. So unendlich viele wertvolle life lessons in dieser Serie, wenn man sie nur hören will, und dann dieses Ende. Argh, ich kann nichtmal spoilern, falls irgendjemand noch nicht so weit gekommen ist und mich für alle Ewigkeit dafür hassen würde.
    Ich bin ja ganz bestimmt nicht enttäuscht, ich bin überglücklich. Traurig eigentlich, wie glücklich. Eine Soap, Aimee, eine Soap.

    Ach, wie sehr ich Ted liebe. Von allen fiktiven Charakteren, die mit dem immer wiederkehrenden Gedanken "oh, wäre er nur real!" untrennbar verbunden sind, besetzt er unangefochten den ersten Platz. Abgesehen von Holden Caulfield, selbstverständlich. Andererseits läuft dieser völlig außer Konkurrenz und hat natürlich Priorität.. wobei.. Holden raucht, also vielleicht doch lieber nicht, vor allem schätze ich ihn nicht gerade als den rücksichtsvollen Raucher ein, der wenigstens auf die Windrichtung achtet, wenn man mit ihm und seiner obligatorischen Kippe abhängt.

  • Es leuchtet.

    Als ich nach Hause kam, war es vielleicht zwanzig vor zwei. Ich hab' mich umgezogen, mir noch schnell ein paar Brote mit Olivenpaste gemacht, diese in der Küche verzehrt und mich mit dem Computer ins Bett gepflanzt. Jetzt ist auf einmal fast die Nacht vorbei, Karfreitag 2014, ich wollte nur noch ein bisschen Schokolade essen und brauchte dafür eine Rechtfertigung in Form von ein paar Folgen HIMYM. Nach meiner halbjährigen Abstinenz habe ich mir ja doch etliche angespart.
    Jetzt ist es ja im Prinzip schon vorbei, wenn auch für mich natürlich noch nicht, wie dieser berühmte tote Stern, der in meiner Parabelwelt so oft Verwendung findet. Er ist schon weg, aber wir sehen ihn noch leuchten.

    Jetzt ist es Morgen, und wenn ich das Licht ausmache, kann ich beim Blick aus dem Fenster vor einem Hauch Helligkeit tatsächlich die Silhouetten von Bäumen ausmachen. Es wird Sommer?

    Zeit, Hilfe, die Zeit. Es überwältigt mich mal wieder.

    Ich war eigentlich ganz froh, festzustellen, dass ich immer noch heule, wenn ich How I Met Your Mother sehe. Wenn auch nicht in dem Ausmaß wie damals, als ich anfing. Zum Glück, das war ja nicht mehr schön. Andererseits ist es kein Kunststück, wenn man den ganzen Tag lang auch ohne besonderes Motiv immer mal wieder am Heulen ist. Oh good old times. Nein, let me rephrase, oh crap old times.

    Jetzt ist es halb sechs und einen Tick heller als stockdunkel und mir ist eben klargeworden, auch nicht zum ersten Mal, aber doch wieder mit einer gewaltigen Intensität, was für eine Macht Erkennungsmelodien haben. Und vielleicht zum ersten Mal, wie sehr konkret die von HIMYM mir am Herzen liegt. Wahnsinn, wie viel Trost und Freude und überhaupt Gefühle jeglicher Art einem eine Soap bringen kann. Eine Soap, wirklich. Wahnsinn auch, dass ich es schaffe, das Wort Gefühle im Zusammenhang mit Soaps zu verwenden, aber kaum jemals an anderer Stelle im restlichen Leben, wo es vielleicht angebrachter wäre. Fast als würde mich das Wort allein schon zu verletzlich machen. "Ich hab Gefühle." Said no version of me, ever.

    Ich habe schon wieder antisoziale Anwandlungen. Ich habe keine Lust, mich heute abend nochmal mit Enara und Leuten zu treffen. Ich habe keine Lust, mich am Samstag mit Enara, Rini, Pedro und allen anderen Konstanzer Euskera-Menschen zu treffen, und das ist eigentlich Schwachsinn; natürlich habe ich Lust, es bedeutet nur Arbeit, soziale Arbeit, und das im härtesten Sinne. Nichts, womit man später auf Bewerbungsbögen angeben kann. Arbeit von der Sorte, von der nie jemand mitbekommt, dass man sie jede Sekunde erledigt. Natürlich habe ich Lust, ich werde nur von innen heraus mit Befürchtungen konfrontiert, ich könnte nicht in der Lage sein, mich gescheit in das lang eingespielte Gefüge dieser ganzen Menschen eingliedern, überflüssig sein, verkehrt sein, Erwartungen nicht gerecht werden, alles, was immer so kommt, der ganze entsetzliche Irrsinn. Nicht dass ich das alles konkret denken würde, aber wenn man das Gefühl und seine Ursprünge versuchen würde zu verbalisieren, wäre das in etwa das stümperhaft ausformulierte Ergebnis. Man nennt es auch eine verzerrte Wahrnehmung, Egozentrismus gepaart mit Komplexen und social anxiety und einer fehlenden halben Dosis Cipralex am Tag, na herrlich aber auch, jetzt red dir noch ein, das nötige Selbstvertrauen und eine gesunde Sicht auf die Dinge und die Welt hätten in der anderen Hälfte deiner zerbissenen Tabletten gelegen, genau so sieht's aus.

    Dafür, dass ich gerade unsoziale und generell unmotiviertere Tendenzen aufweise, ist meine Arbeit aber durchweg zufriedenstellend.

    Und genau jetzt setzt die Müdigkeit ein. Ich mach mich auf ins Land der wirren Träume. Ich würd' gern noch lesen, aber ich bin zu müde. Um einiges, auf ein Mal. Weird. Aber gut, in Anbetracht der Uhrzeit.

    Inzwischen sehe ich den Himmel schon bei angeschaltetem Licht blau und deutlich durchs Fenster leuchten.

  • Von Dummheit getrübt - Macken des Unbewussten.

    "Ich hab' den ganzen Nachmittag baskische Volksmusik gehört", sagte ich gestern Abend zu Sarah.
    Und einer der Gründe, aus denen ich sie so liebe, ist, dass sie wohl der einzige Mensch weit und breit in meiner Bekanntschaft ist, der darauf ganz begeistert antwortet, "ich auch!"

    Ich werde nur immer wieder von dem Gefühl heimgesucht, dass es schöner wäre, wenn sie es einfach aus natürlichem Interesse heraus tun würde und weniger, weil es ihr ein temporäres Geflashtsein durch einen Euskadi-Fanatiker so künstlich auferlegt. Wie bescheuert kann man eigentlich sein; eigentlich sollte ich über diese Nuance hinwegsehen können, aber wahrscheinlich ist mein kleines, selten dämliches Unbewusstes tatsächlich eifersüchtig auf den armen Kepa. Es scheint fast sauer zu sein, dass meine Interessen allein nicht auf sie abfärben würden, dadurch aber, dass es zufällig auch seine sind.. Möp.
    -Was?! Okay, das aufgeschrieben zu sehen ist nochmal eine ganze Ecke creepiger. Ich mag das Territorium nicht, in dem ich mich hier bewege. Ich weiß ganz genau, dass jeder Mensch so seine Abgründe hat, dass niemand frei von Verfehlungen ist und dass die Hauptsache ist, sich immer im Klaren über Richtig und Falsch zu sein, sich nicht davon kontrollieren zu lassen, aber andererseits.. ich meine, wtf. Komm mal klar. Und außer mir scheint niemand darüber zu reden, was einen dann irgendwo doch zu der (vermutlich) unzutreffenden Annahme verleitet, man wäre irgendwie gestörter als Andere. Ich merke ja, was für eine Überwindung es kostet, es überhaupt nur sich selbst einzugestehen.

    Meine abartige eifersüchtige Ader ist ja nun aber nichts Neues. Wahrscheinlich wurde ich einfach fürs Leben traumatisiert, als Nicole und Marieke sich damals in der Mittelstufe mal einen Nachmittag ohne mich getroffen haben, um ins Kino zu gehen - sie haben mir gesagt, sie würden 8 Mile ansehen, und sind in Wirklichkeit ins Fliegende Klassenzimmer gegangen. Oh Tragödie meines Lebens. Meine einzigen Freundinnen damals, wie konnten sie mich nur so brutal hintergehen.

    Wie stinksauer ich war. Da hätte man schon merken müssen, was für ein kranker Mensch ich mal werde, meine Güte aber auch. Wie ich vier Jahre Rumgekrebse mit Caro und Şahin überlebt hab, man sollte es kaum für möglich halten. Und statt es langsam mal gut sein zu lassen, fühle ich mich jedes Mal komisch, wenn Sarah wieder irgendein euskarisches Wort von mir wissen will. Irgendwie, als wäre ich nur Mittel zum Zweck.
    Meiner Begeisterung darüber, die Faszination des Euskera und die wenigen Teile davon, die sich mir bisher erschließen, mit ihr teilen zu können, tut das keinen Abbruch. Dafür ist es ein zu wunderbares Gefühl, zu sehen, jemand interessiert sich für etwas, das du liebst. Es ist halt nur irgendwie getrübt. Von Dummheit. Was ein nach all der Arbeit immer noch herrschender gravierender Mangel an Selbstwertgefühl alles mit einem anstellt.

    Ein anderer Punkt, an dem ich dringendst arbeiten sollte, ist meine Neigung dazu, Leuten, sobald ich dann doch mal das Gefühl habe, mir ihrer Zuneigung relativ sicher sein zu können, am liebsten ihr halbes Leben vorschreiben zu wollen. Ich habe es gemerkt, als ich weg von Zuhause war, selbst als Besuch bei Anderen hätte ich am liebsten alles Mögliche bestimmt, allem voran das Konsumverhalten meiner diversen Gastgeber. Hier zu Hause geht der Zwang nahtlos auf meine Mitbewohner über. Es kann nicht angehen, dass ich sauer werde, wenn jemand Brot kauft, nur weil ich vor Wochen mal zu dumm war, die fünf Laibe, die ich übrighatte, zum Fair-Teiler zu bringen, und immer noch welche davon bei uns im Gefrierfach residieren. Meine Mitbewohner haben das Recht, sich selbst Brot zu kaufen, so viel sie lustig sind. Es ist einfach so. Ich kann nichts dagegen tun. Ich will nichtmal etwas dagegen tun; mir wäre es auch lieber, nicht jedes Mal innerlich am Rad zu drehen, wenn jemand mit einer Tüte gekauftem Salat nach Hause kommt, obwohl ich sie fast schon anflehe, den zu essen, den ich noch im Kühlschrank habe. Ich kann sie nicht zwingen. Ich kann ihre Gedanken nicht umstrukturieren. Ich kann sie nicht zu verwertungsbesessenen, nachhaltigkeitsfanatischen, funktionalistischen Klonen von mir machen, die nicht in der Lage sind, ein Stück Papier wegzuschmeißen, solange noch ein Funken weißer Platz darauf übrig ist, auf dem man ja noch einen Stift nach längerem Rumliegen wieder zum Schreiben bringen könnte. Ich will es nicht, ich kann es nicht, ich darf es nicht; ich würde mir nur wünschen, das Bedürfnis dazu auch einfach nicht mehr zu haben.

    Welche Fehler ich wohl mache, die Andere zur Weißglut treiben? Sarah hätte mich bestimmt gern ein wenig pünktlicher (auch wenn wir vorhin noch festgestellt haben, dass ich so gut wie nie einen Bus verpasse, was in der Tat fast an ein Wunder grenzt) und organisierter. Lena würde sich ganz sicher freuen, wenn ich nicht so ein Sportmuffel wäre. Sebi wäre mir vermutlich dankbar, wenn mir seine musikalische Unfähigkeit weniger zu schaffen machen würde. Trudi hätte wahrscheinlich lieber ihr eigenes Brot im Kühlschrank. Den lieben Foodsavern wäre ich eine größere Hilfe, wäre ich nicht so krankhaft schüchtern und hätte mehr organisatorisches Talent, um auch mal bei anderen Bereichen als nur dem Abholen von Lebensmitteln einen signifikanten Beitrag leisten zu können, in der Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel, oder beim Ansprechen neuer potenzieller Kooperateure. Laura bin ich zu idealistisch (und habe noch dazu keinerlei Allgemeinbildung noch irgendeinen Hang zu politischem Interesse und größtenteils nicht den blassesten Schimmer vom aktuellen Weltgeschehen, dafür einen fragwürdigen Geschmack in Unterhaltungsmedien), obsessiv bin ich auch noch und als wäre das nicht genug, nehme ich auch noch ihre Trust issues zu persönlich. Robert findet mich kompliziert (wobei er noch derjenige von all meinen Freunden ist, von dem ich mit der größten Sicherheit behaupten kann, dass er mich kaum, falls überhaupt, je negativ bewertet). Susmita sagt, ich sähe aus wie Bob Marley. Janine gehe ich ständig damit auf die Nerven, dass sie endlich anfangen soll, ihr Buch zu schreiben. Es hört gar nicht mehr auf. Und ich habe keine Ahnung mehr, was dem ganzen Absatz eigentlich vorausging, was aber wahrscheinlich auch besser ist.

    So spät schon wieder? Ach herrje.

    Trudis Fahrrad, das ich bekommen habe, scheint zu funktionieren. Ich habe mir vorhin von Sarah eine Luftpumpe ausgeliehen (und da wir beide keine Idee hatten, was Luftpumpe auf Spanisch heißt, haben wir bei ihr zu Hause nachgeguckt und siehe da, es heißt "bomba de aire", wen auch immer das jetzt noch so interessiert) und vorhin die platten Reifen wieder in Form gebracht; mal sehen, ob die heute Morgen noch so ist, wie ich sie zurückgelassen habe, oder ob mir ein weiterer Besuch beim Fahrradladen bevorsteht.

    Es gäbe da auch noch die wundervolle Anekdote, wie ich dafür gesorgt habe, dass meiner Pflegeratte gestern nachmittag ein paar Zentimeter ihres Schwanzes amputiert wurden, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. (Wenn du darauf bestehst; mir persönlich wäre Verdrängen fast lieber.)

  • Lang ist's her.

    Das hier hat Caro seinerzeit nach dem RN-Treffen 5 erstellt. Ich habe es seit ewigen Zeiten das erste Mal wieder ausgegraben und freue mich über die uneingeschränkt gute Laune, die es mir seit noch Längerem wieder vermittelt. Ein Hoch auf die Zeit. Sie lebe hoch!

  • Tor zur Seele

    Wie wichtig mir die Augen sind, habe ich gestern erst wieder gemerkt.

    Ich habe Respekt vor Augen. Ich schaffe es oft nichtmal, Leuten in ihre hineinzuschauen, weil mir die Verbindung, die das schafft, zu intensiv ist. Meine diversen Intimitäts-Issues dürften ja inzwischen bekannt sein.

    Man erkennt so viel in Augen.

    Menschen mit großen Augen, habe ich gehört, vertraut man automatisch mehr. Ich verstehe das. Ich finde nichts schöner als große Augen. Sie lassen eine Person ehrlich wirken, gutherzig, unschuldig, häufig sogar schutzbedürftig. Natürlich. Man reißt die Augen auf, wenn man Angst hat, wenn man unsicher ist, wenn man erstaunt ist, wenn man verwirrt ist. Und wenn man überzeugend sein möchte. Menschen mit großen Augen haben es leichter als andere - außer sie versauendiesen natürlichen Vorteil durch ihren Charakter - das ist eine Tatsache, und davon bin ich überzeugt, und ach, was hätte ich gerne welche, und sei es nur um dieses Vorteils willen, ganz zu schweigen von der ästhetischen Herrlichkeit eines großen, symmetrischen Paares Augen.

    Augengrün ist meine Lieblingsfarbe. Die ganze Palette. Am allerliebsten aber das reine Grün, das, das so exquisit wie rar zu finden ist, ohne den leisesten Anflug von Braun drin. Aber jedes grüne Auge ist Lieblingsfarbenmaterial, meine eigenen eingeschlossen.

    Und ich liebe es, zu sehen. Die immerwährende Reizüberflutung aus Formen und Farben und Bewegung. Die Augen aufzumachen beim Aufwachen und zu sehen, es ist alles noch da, alles in seiner ganzen Pracht. Das Licht anzumachen, wenn es draußen dunkel wird, und das künstliche Licht alles einen Tick anders beleuchten zu lassen. Die Augen abwechselnd zu schließen und wieder einmal festzustellen, dass alle Farben auf dem rechten wärmer erscheinen und auf dem linken kühler und weniger gesättigt. Einen Menschen anzugucken und sofort zu wissen, wie es ihm gerade geht. Wie leer das Leben ohne die Augen wäre.

    Mit meiner Ratte Nougat muss ich heute zum Tierarzt; ihr rechtes Auge ist vollkommen verklebt und halb geschlossen. Sie ist so scheu, dass ich es unmöglich schaffen kann, ihr hier zu Hause alleine Augensalbe oder -tropfen zu verabreichen, obwohl ich beides im Haus habe. Dämliches Ding, es sollte mir einfach vertrauen. Aber irgendwas muss mit ihrem Auge passieren, sonst sieht sie die Welt bald nur noch zweidimensional.

    Es ist Look Up at the Sky Day heute. Ich gedenke, genau das zu tun und mich in erster Linie darüber zu freuen, dass mir der Anblick so oft und so lange ich möchte zuteil wird.

  • Eine Katze auf meinem Schreibtisch.

    Meine Güte, ich bekomm' aber auch ganz schön Besuch in letzter Zeit.. Das hier ist mein heutiger Gast, in der einen Sekunde, die seine Aufmerksamkeit nicht zu hundert Prozent meinen Pflegeratten gewidmet war. Wie gut, dass sie erst ankam, nachdem ich Chilly, die mir ausgebüchst war, wieder zurück in den Käfig befördert hatte.

    Kätzchen

    Gleich gehe ich mit Trudi zu ihrer alten Wohnung, helfe ihr, noch ein paar ihrer Sachen hierherzuverschleppen, und bekomme, wenn alles gut geht, von ihr ein Fahrrad. Nachdem mein letztes Wochenende gefundenes offenbar ebenfalls nicht unter 150€ reparabel gewesen wäre, ist dieses nun meine letzte Hoffnung. Ich wäre ihr auf ewig dankbar.

    Und wo wir schon dabeisind - die frohe Botschaft wollte ich vor Tagen schon verkünden, es kam nur immer was dazwischen: Sie hat Ja gesagt!

    Ich kam mir wirklich fast vor, als wollte ich Trudi einen Antrag machen, als ich Freitag die Mail von der Wohnheimsverwaltung bekam, die mich auf das baldige Auslaufen meines Vertrages aufmerksam machte, und daraufhin bei ihr anklopfte, um nochmal ganz offiziell bestätigt zu bekommen, dass wir uns zusammen etwas Neues suchen. Ich habe praktisch meine eigene Mitbewohnerin gefragt, ob wir zusammenziehen wollen. Nicht unabsurd, aber immerhin, sie war davon eh schon ausgegangen und hat mich damit sehr froh gemacht. Sobald sich etwas auftut, sind wir hier weg vom Fenster. (Sprich, der Wohnraumknappheit dieser Stadt nach zu urteilen kann ich froh sein, wenn ich in dem halben Jahr, das mir hier verbleibt, etwas finde. Eigentlich müsste ich auf der Stelle anfangen zu suchen.)

    Gestern habe ich, der mangelnden Schlafversorgung zum Trotz, sehr produktiv an Zweitstimmen für Sarahs Songs gearbeitet, die wir Freitag Nacht aufgenommen hatten. Eins der Experimente habe ich ihr schon geschickt; sie schien ziemlich enthusiastisch. Genau so sollten wir es machen, meinte sie. Außerdem habe ich ein paar Ohrhänger gefertigt, unter Anderem welche aus Guinness-Bierdeckeln. Sie sind so wunderschön geworden, dass ich mich schon wieder kaum dazu durchringen kann, sie überhaupt nur zum Verkauf zur Verfügung zu stellen. Aber oh well, was soll man machen. Wenn wir demnächst unseren Dawanda-Shop befüllen, muss ja leider Gowais auch irgendetwas zur Auswahl stehen.

  • Nächtliche Begegnungen: Bawolm, der Yachtbauer

    In vier Stunden mache ich mich wieder auf zu der Stelle, an der ich vorhin Elisas Fahrradschlüssel verloren habe. Ich könnte dadurch nicht nur den Schlüssel wiederfinden, sondern auch einen Wetterlös von 100€ einnehmen. Vorausgesetzt der Mensch, der mich eben um die anderthalb Stunden lang auf Saskia-Art zugeschwallt hat, nachdem wir das in Frage kommende, vom Bushaltestellenhäuschen zwielichtig beleuchtete Areal Zentimeter für Zentimeter nach dem Scheißteil abgesucht hatten, hält sein preußisches Ehrenwort und gibt sie mir, falls ich ihn tatsächlich noch finden sollte. Er war eher weniger zuversichtlich. Und er war über meine eiskalten Hände erstaunt, als ich seinen Redefluss (was sag' ich, seinen Wasserfall) schließlich unterbrechen musste, weil ich mir halb den Tod geholt habe da in der Kälte. Dann stand er da und wärmte meine Hände und sagte, er würde ja das Zittern bekommen allein dadurch, sie zu halten. Er war ungewöhnlich.

    Er war aber auch nicht ganz nüchtern. Aber doch genug so, um sich nachher hoffentlich an das Versprechen noch zu erinnern. Auch daran, dass wir darauf eingeschlagen haben, zusammen nach Costa Rica zu fahren.
    Ich liebe es, unter absurden Umständen merkwürdige Menschen kennenzulernen. Ich kann bei ihnen viel leichter ich selbst sein. Ich habe keine Angst vor ihrem Urteil.

    Und ich mache mit Sarah unser eigenes Bandprojekt auf. Dann wäre der Sebi-Konflikt auch endlich beseitigt; unsere jetztige Band wollen wir beibehalten, aber mehr um zu covern und andere Dinge zu tun, die uns nicht so extrem am Herzen liegen.

    Es war ein sehr, sehr, sehr schöner, erfolgreicher Tag gestern, auf ganzer Linie. Zumindest nach meinen Maßstäben.

    Heute wird anstrengend. Außer ich verschlafe alles. Aber zumindest den Schlüssel muss ich finden. Und das Fahrrad Nummer Zwei von Sarahs Haus holen und in die Werkstatt bringen.

    Hilfe. Mir ist immer noch kalt. Das tat mir nicht gut eben, zumindest meinen Armen und Beinen nicht.

  • Oh erhab'ne Morgenstund.

    Hah. Wie immer, wenn ich es ausnahmsweise mal vor zwölf Uhr aus dem Haus schaffe, fühle ich mich phänomenal. Es ist ironisch eigentlich. Einerseits habe ich mir im Laufe der letzten Jahre eine ausgesprochene Unfähigkeit angeeignet, früh aufzustehen (fast als hätte ich sie von Şahin übernommen, dessen (bei mir) berühmter Ausspruch, wenn er schlafe, sei er "nicht... nicht Şahin" - man konnte praktisch anstellen, was man wollte, er wurde und wurde nicht wach. Bis zu dem Moment, als ich darauf kam, ihm Disturbed in voller Lautstärke ausschüttende Kopfhörer aufzusetzen - das wirkte. Blendend. Und noch dazu wachte er auf diese Art mit wunderbarer Laune auf.) - aber immer, wen ich es doch schaffe, denke ich mir, dass es eine einzige Verschwendung ist, nicht jeden Tag vor acht Uhr aufzuwachen. Besonders wenn die Sonne scheint, wie heute.

    Ich war also vorhin beim Arzt und habe ganz locker-flockig verkündet, dass ich meine Medis gern absetzen würde. Er war damit einverstanden - jetzt nehme ich für acht Wochen noch die halbe Dosis, dann kann ich probeweise ganz aufhören und einmal feststellen, ob ich eigentlich selbständig lebensfähig bin.

    Ein wenig skeptisch war er, unerwarteterweise, muss ich sagen. Dafür, dass ich das Zeug schon so übertrieben lange nehme, hätte ich eigentlich vollste Zustimmung erwartet; eigentlich dachte ich, er würde überzeugter sein als ich von dem Vorhaben. Stattdessen hat er mich nochmal gefragt, wie ich mich noch gleich vor Oktober 2011 gefühlt habe, woraufhin ich natürlich dann zugeben musste, dass es davor auch nicht unbedingt so herrlich lief, die ganzen 19 Jahre - und habe ihm wie schon so oft gesagt, dass ich erst mit den Medis eigentlich das Gefühl hatte, ich selbst zu sein. Ich selbst zu sein und zu leben. Ich bin ja noch im Aufbau. Das dauert auch noch eine ganze Weile, ich weiß ja, aber einfach versuchshalber würde ich es eben nun mal auf mich allein gestellt probieren.

    Die Ratten schlafen. Bei Alnatura gab's heute wieder nichts abzuholen; das dritte Mal schon, dass ich dort angerufen habe. Die Tafel scheint nicht wählerisch zu sein diese Woche.

    Ich bin auch nicht wählerisch. Rajas Hirse-Möhren-Mus schmeckt eigentlich nicht so dolle, aber ich packe es nichtsdestotrotz auf mein Brot. Es kann ja nicht sein, dass sie sich die Mühe umsonst gemacht hat. Und überhaupt, die gute Hirse. Ich mache auf dem Brot eine Grundlage aus Mus, lege dann Salat drauf und darauf noch ein-zwei Streifen eingelegte Paprika oder Pilze. Gestern erst habe ich wieder ein Riesenglas Pilze und Zucchini eingelegt. Was gibt es Köstlicheres... Und den Ratten gebe ich die Reste; Hälfte Ratten, Hälfte Kompost, und in die Erde aus dem Kompost pflanze ich meine Morning Glory-Keinlinge. Mittlerweile kann man ja schon fast Pflänzchen dazu sagen. Vierzehn Stück habe ich; das wird aussehen bei mir im Sommer, oh je, ich sag's dir. Wie gut, dass ich gerade noch zwei kleine Plastiktöpfchen gefunden habe (zusammen mit einer alten Klappmatratze, die konnte ich wirklich sehr gut gebrauchen).. jede zusätzliche Kapazität ist mir willkommen.

  • Nice Guys Finish Last

    Taking what you need, bite the hand that feeds... In Anbetracht meines durch nunmehr bereits zwei von drei Ratten attackierten Fingers ein wirklich nicht unpassender Ohrwurm. Aber ich mag sie trotzdem. Ich könnte nur durchdrehen, dass sie mir noch nicht mehr vertrauen. Auch wenn ich ja weiß, dass ich nur geduldig sein muss; das wird schon. Irgendwann verstehen sie, dass ich kein Monster bin.

    Wie erwähnt - dass man seine Vertrauenswürdigkeit zuerst unter Beweis stellen muss, ist mir klar. Das heißt nicht, dass es mir gefallen muss. In der Welt meiner idealistischen, unrealistischen, aber so erstrebenswerten Vorstellung sollte Vertrauen die Grundeinstellung sein. (Was erklären könnte, warum mir am laufenden Bande unabgeschlossene Fahrräder gestohlen werden. Wenn die Welt nicht reif für dein Ideal ist und du aber trotzdem darauf beharrst, es so gut es geht einfach trotzdem schonmal für dich zu leben, bleiben solche Rückschläge nicht aus.)

  • Randomness - eine Überdosis.

    Ein paar der Geschichten von Anaïs Nin sind mir zu sehr abgedreht. (Ich lese immer noch ab und an in ihrer Sammlung, "Under a Glass Bell". Da sieht man mal wieder, wie lange heutzutage so ein Winzig-Buch bei mir ausreicht.)

    Man kann es sich auch einfach machen. Sicher, ihr Stil ist wunderschön und ich liebe ihre Metaphern - ich bin ja auch so ein Metaphernmensch und fühle mich in ihren Worten immer zu Hause, aber inhaltlich.. ist es mir teilweise zu random.

    Schon wieder random. Im letzten Eintrag kam das Wort auch schon vor - ich muss dabei jedes Mal an meine Mutter denken und wie sie mich auslacht, immer wenn ich "random" sage - weil sie wohl findet, ich sei meiner eigenen Sprache nicht mächtig genug, um ein passendes deutsches Synonym zu verwenden. Dabei ist es einfach so, schlicht und ergreifend - es gibt keins. Was soll man machen, der deutschen Sprache fehlt einfach mal ein Wort für "random". (Und komm mir nicht mit "willkürlich, zufällig gewählt" und so weiter. Lieber Mensch, das ist doch ein ganz anderes Register. We're talking colloquial speech here, everyday language.)

    Im Fall von Anaïs Nin bin ich jedenfalls der Meinung, dass sie es mit ihrer Randomness (oder noch besser, "Abgespacedheit") ein wenig übertreibt. Es ist zu einfach. So kann jeder schreiben. Und dann, Leute, macht euch ans Interpretieren, was kann sie nur gemeint haben? Oh so philosophisch, oh so eloquent-melancholisch in anderen Sphären schwebend. Und dabei weiß ich haargenau, du hast auch nicht verstanden, was sie eigentlich will. Also wirklich.
    Es ist zu einfach. Wer kann sich nicht der schönsten Stilmittel bedienen, wenn man einfach nur schreibt um des Schreibens Willen. Das könnte ich ja genauso machen. Hochdramatisch und intellektuell schreiben und mir ganz toll vorkommen, oh, ich bin ja so reflektiert. Das beeindruckt. Aber wozu, wenn man eigentlich in erster Linie eine Nachricht vermitteln will.

    Aber vielleicht will sie ja gar keine Nachricht vermitteln. Das ist natürlich auch möglich. Vielleicht hatte sie einfach gerade Lust, ein bisschen abstraktes Zeug zu schreiben, in dem sich die Leute verlieren können. Das natürlich kann auch sein. Dann wollen wir mal nicht so sein. Mir gefallen trotzdem ihre noch halbwegs down-to-Earth Geschichten besser, wo ich inhaltlich auch wirklich etwas draus ziehen kann.

    So viel dazu. Wo auch immer das jetzt herkam; ich hab' heute nichtmal etwas von ihr gelesen.

  • Speicherkarten aufräumen...

    Ach herrje.

    Sie war schon verdammt geduldig mit mir.

    Wie krass.

    Dieses Gespräch - und wir hatten Tausende von der Sorte. Unglaublich.

    Aber Wahnsinn, auch, wie ich rede. Nichtmal ich selbst kann das genaue Ausmaß an innerem Zusammenklappen da herauslesen, so wenig kommt davon durch, durch das, was ich nach außen trage. Wie krass ich mich einfach verstellen kann. Das ist mir unheimlich.

    Und wie ich mir meines Rechts auf diese Gespräche so sicher war - wenn ich mir das jetzt anhöre.. und ich rede und rede und rede.. Wir reden und alles dreht sich im Kreis.

    Und wie sicher ich mich anhöre. So eine Gewissheit. Das kenne ich überhaupt nicht, eigentlich, so eine Gewissheit. Das bin doch gar nicht ich.
    "Ja, richtig." "Natürlich." "Nein." Sie wirken so überzeugt, diese Antworten. Und wir sind ehrlich, grundehrlich, wie man es kaum erlebt zwischen Menschen, und auch deshalb geb' ich euch völlig random Bots und Menschen die Möglichkeit, das mit anzuhören, sowas bekommt man doch normalerweise nicht zu hören; das kann man, wie alles an dieser Art Online-Seelenausschüttung, als unfassbar schlimm ausgeprägten emotionalen Exhibitionismus auslegen, und es geht mir immer noch nicht um Selbstdarstellung; mir wäre es am liebsten, wenn mich überhaupt nichts und niemand sähe; aber da es nunmal der Fall ist, so oder so.. Ich hätte so gerne die absolute Transparenz aller Menschen. Mein ewiger utopischer Traum. Das ist mein Anfang. So bei 2.13.10, da bin ich gerade, reden wir darüber auch kurz. Über die Einzigartigkeit einer vollkommen transparenten Situation.

    Und wir haben keine Ahnung. Unglaublich, wie viel man labern kann ohne einen einzigen Ahnungsschimmer.

    Dieses Zurückschauen und Feststellen dieser vollkommenen Ahnungslosigkeit, meiner eigenen vor allem.

    Auf alle Fälle schließt dieses Gespräch vermutlich alles an Informationslücken, das noch irgendwie ausstehen könnte.

    Ich bin die ganze Zeit von der damaligen Version von mir verwirrt. Bildet sich tatsächlich ein, irgendetwas zu wissen.. Nimmt sich so unglaublich wichtig.. Bin ich immer noch so?

    Oh je. Ich würde das Gespräch am liebsten komplett transkribieren.
    Wie gut, dass der Akku vom AG irgendwann leer war; wer weiß, wie lange das Ganze noch gedauert hat!

    Ich glaub' es gar nicht.

  • Die Fliege

    Ich warte immer noch, dass die Fliege jetzt endlich in die Lampe fliegt. Sie macht es aber nicht. Sie ist zu intelligent für die Welt; sie sucht meine Hände heim und immer wieder meine Hände, als hätte ich nicht vor ein paar Stunden noch damit Geschirr gespült. Nicht die Ratten, die seit heute mein Zimmer bewohnen, nein, meine Hände. Was genau sagt das nun aus über meine Hände. Nichts Gutes? Oder sagt es etwas Merkwürdiges aus über die Fliege?

    Ich erinnere mich an Granada, aus keinem erfindlichen Grund. Saskia, George, die Stadt, die Herberge. Das Gefühl von Granada.

    Becci ist ruhig. Wir telefonieren theoretisch, aber ich bin meinen weinroten Verwirrungen verfallen und sie ihrer allgemeinen Schweigsamkeit. Wahrscheinlich ist sie auch abgelenkt. Die Fliege schwirrt nach wie vor im Raum herum. Und jetzt ist sie auch noch weg. Becci meine ich, oder vielmehr, das Gespräch, inzwischen erneut in Angriff genommen. Ich bin verwirrt, sehr.

    Ich muss Sarah noch die Texte schicken. Mache ich das doch gleich.

  • Traumhaft

    Was für ein Werk, La Science des Rêves. Ich liebe, wie sich in dem Film die Sprachen vermischen, zusätzlich noch zu dem ständigen Hin und Her zwischen Traum und Realität. Das Ende überfordert mich mal wieder; es ist so unklar. Was ich von offenen Enden halte, weiß man ja bereits. Aber der Film war gut. Verblüffend, positiv realistisch teilweise - auch wenn ich das Urteil eigentlich genauer ausführen müsste, um nicht bei einem Großteil der anderen seiner Viewers Unverständnis auszulösen.

    Stellt sich heraus, meine Pflegeratten kommen heute um 12, und ich werde die Woche doch nicht ganz unfoodsharend verbringen; da wir ja seit Allerkürzestem mit Alnatura kooperieren und es dort aber meistens nicht so viel zu retten gibt, kann ich auch ohne Fahrrad hin. Also gleich um kurz vor elf Uhr dort anrufen und fragen, ob sie heute etwas haben. Und dann eben eventuell hin. Oder eben nicht, was umso besser wäre.

    Bisher habe ich noch nicht herausfinden können, ob wir heute Bandprobe haben oder nicht, und mich schonmal vorsorglich mit Robert verabredet, um uns mal wieder zusammen bei Skype ein bisschen zu betrinken. Was auch immer mit mir verkehrt ist, dass ich mich auf derartige Unternehmungen so unsagbar freue - auf jeden Fall tue ich es.

    Was ich gar nicht erwähnt hatte vorhin, war, dass die lernende Kinesiologin gestern ein ausgesprochen interessanter und sympathischer Mensch war und wir uns gleich für nächste Woche wieder verabredet haben. Ihre Wohnung ist wunderschön eingerichtet, mit ganz vielen verschiedenen, harmonisierenden, warmen Farben und Pflanzen und Details. Sie mag es gern farbig, sagte sie. So wie ich. (Ihre Wohnung passt total gut zu der von Conny, bei der wir letztes Jahr während des Foodsharing-Treffens in Ludwigsburg übernachtet hatten. Auch so ein toller, besonderer Mensch, und eine ganz Liebe.) Und sie hat irgendwie etwas Euskadisches an sich, und sei es nur ihr Haarschnitt. (Was an sich ja nicht unbedingt das euskadische Merkmal ist, auf das man stolz sein müsste, aber 1) ihr steht es und 2) hierzulande erfüllt mich so ein Anblick mit fast schon nostalgischer Freude. Jetzt, wo ich nicht mehr in Vitoria sein muss, ist meine Zuneigung zum Euskal Herria nochmal um eine ganze Ecke gewachsen.)

    Jetzt bin ich gerade fasziniert von der Erinnerung an gestern Nachmittag, als ich beim Abspülen ein paar random Zeilen vor mich hingesungen habe, in etwa

    "todo lo que ves,
    todo lo que sientes,
    es todo solo un sueño,
    es nada más un sueño..

    y me lo puedes contar,
    pero igual lo puedes dejar,
    que yo también soy sueño,
    yo también soy sueño."

    - noch längst nicht ahnend, dass mir meine abzuarbeitende Filmliste am Abend genau diese Produktion ausspucken würde.

    Und wenig später nur, allerhöchstens ein paar Minuten später, saß ich doch noch hier und fand in dem mitgebrachten Kästchen mit Papierschnipseln noch diese Postkarte, die ich mir in Rostock gekauft hatte:

    "Habe immer mehr Träume, als die Realität zerstören kann."

    Ich hatte angefangen, bereits in Simones Wohnung, das Wort "Träume" in anderen Sprachen daraufzuschreiben. Gestern erblickte ich die Karte und auf einmal fiel mir auch endlich das euskarische Wort wieder ein, "ametsak" - wie konnte ich das nur vergessen; in Rostock hatte ich diesbezüglich ein riesiges Blackout. Und mir wurde bewusst, dass ich es auch noch auf Dänisch kannte. Und auf Französisch. Rêves. Das ist doch alles ein Traum von einem Zufall. Har har.

  • Laulenzen - Faulenzen

    Ich werde jetzt (aller Voraussicht nach) etwas tun, das ich seit ewigen Zeiten nicht mehr getan habe. Und zwar sitze ich am hellichten Tag im Bett, mit dem Computer auf den Schenkeln, und werde einen Film gucken. Und wie ich mich darauf freue! Ich habe mir eine halbe Box Eis aus dem Gefrierfach geklaut, von dem ich keine Ahnung habe, wem sie gehört, aber das wird sich bestimmt herausstellen. Wenn ich demnächst mein Geld wiederhabe, kann ich derjenigen dann eins nachkaufen. Wenn schon keine Chips dasind.. Am liebsten hätte ich Chips.

    Was ist das herrlich. Ich mach' mir eine Gammelwoche, habe ich gerade beschlossen. Mein Fahrrad zu reparieren hätte mich über 100€ gekostet, das habe ich gleich zum Verschrotten dagelassen. Bei Gelegenheit ist das Reichenauer dran, vielleicht habe ich damit ja mehr Glück. Bis dahin aber bin ich anhängertransport- und somit abholunfähig und übertrage meine Termine lieber anderen Foodsharern.

    Wunderbare Bärlauch-Kräuterbutter habe ich heute übrigens gemacht. Und das Salz ist fertig und sieht unglaublich edel aus und ich habe es nochmal gesiebt, sodass ich ein paar Behälter mit feiner und ein paar mit gröberer Körnung gewonnen habe.

    Jetzt aber ran ans Werk, namely "The Science of Sleep".

  • Gehiago entzuten, aukeratzen...

    Ein bisschen schneller und unstrukturiert heute; ich muss "früh" aufstehen und möchte nicht riskieren, wieder ohne es auch nur zu bemerken meinen Wecker um halb zehn Uhr einfach auszuschalten. Was für ein Luxusproblem.

    Mein Wochenende war ausgezeichnet. Freitag Abend der Foodsharing-Kennenlernabend - nicht ganz so toll wie letztes Mal, aber immerhin eine Gelegenheit zu lernen, und ich hatte so oder so ein paar interessante Gespräche. Samstag ein Ausflug zum Flohmarkt auf die Reichenau mit Sarah, wo ich nicht nur ein paar schöne und praktische Kleinigkeiten gefunden habe, sondern, sehr unplanmäßig, an der Straße im Gebüsch auch noch ein Fahrrad. Somit bin ich aktuell stolze und glückliche Besitzerin zweier fahruntüchtiger Fahrräder.

    Das Fahrrad von der Reichenau zu Sarah zu bekommen war nicht unbedingt das müheloseste Unterfangen, da es eine Acht im Vorderreifen hatte und über weite Teile der Strecke nichtmal möglich war, es zu schieben. Aber irgendwann ein paar Kilometer weiter war es geschafft. Ich blieb so lange bei Sarah, bis ich losmusste, um mein eigentliches Fahrrad abzuholen. Ein Kumpel von Serj machte mir den Keller auf; das Rad war noch da, wenn auch korblos, auf beiden Reifen platt und im gleichen erbärmlichen Zustand wie vor einem halben Jahr, nur ein bisschen verstaubter. Immerhin konnte ich mich (anders als zu früheren Zeiten) problemlos an die Kombi des Zahlenschlosses erinnern und es mit nach draußen nehmen. Dieses Exemplar war sogar schiebefähig. Ich brachte es zur Wohnung der Person, zu der ich nachher gehen werde, um mich ihr als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen; sie macht seit Neuestem eine Ausbildung zur Auraheilerin und sucht Übungsob(- oder eher -sub)jekte. Ich habe zwar keine Ahnung, was sie genau mit mir anzustellen gedenkt, aber es klingt interessant, und ich mag Interessante Dinge. Und Auren mag ich auch, zumindest die Vorstellung davon. Vielleicht finde ich nun endlich heraus, ob es wohl wirklich welche gibt. Und vielleicht kann ich ihr meine Theorie erzählen, dass die Auren je nach Situation schrumpfen oder wachsen.

    Dann jedenfalls waren Sarah und ich im Irish Pub, wo es Livemusik gab, und hatten mit pitcherweise Cider und Kilkenny's und Nachos und guter Laune einen herrlichen Abend. Hach, was war das schön. Auch wenn ich um ein Haar meine geliebte Häkelnadel in einer Ritze der Bank verloren hätte. Aber weil ich mich einfach geweigert habe, die Bergungsarbeit aufzugeben, hatte ich sie irgendwann wieder.
    Es war gerade Zeit für den letzten Bus, als wir rauskamen. Weil wir aber noch containern wollten, ließen wir uns Zeit und wanderten durch die halbe Stadt zu Sarahs neu entdecktem Spot, einer reinsten Goldgrube. (Im Fall von gestern Nacht eher Chiligrube. Aber es gab auch schier unendliche Mengen an Tomaten und Auberginen, und ein paar Äpfel und einen Granatapfel haben wir auch noch gerettet.) Ich habe dann bei Sarah geschlafen und wir haben den gestrigen Tag mit Essen, Musikmachen und Sonnetanken verbracht. Ein Traum, ich sag's dir.. Wobei natürlich meine Träume um einiges konfuser und weniger angenehm zu durchleben sind; ich hab' da ja schon wieder einen Müll geträumt, es ist gar nicht zu glauben.

    Vorhin war dann reguläres Sonntags-Foodsharing-Treffen und hinterher war ich noch Bärlauch pflücken an der Fahrradbrücke. Eine Premiere; ich habe noch nie zuvor etwas mit Bärlauch gemacht, nicht ein Mal im Leben. Aber man lernt ja nie aus; ich hab' mich gerade eben noch in die Küche gestellt und ein wunderbares Bärlauch-Oliven-Salz hergestellt, das nun im Ofen vor sich hintrocknet. Und es riecht so umwerfend, das Zeug.

    Und jetzt wird es wirklich mal Zeit zu schlafen.

    Ach Shit, ich glaub', ich hab' gerade Schwachsinn geschrieben. Ich wollte eigentlich Pedro mitteilen, dass ich ständig nur draußen bin, und habe.. was denn, "etxeraz" geschrieben, wenn es eigentlich "etxeaz" heißen müsste? Oder ist es etwa keins von beidem und ich leite mir wieder mal nichtexistente Formen aus Berri Txarrak-Texten ab?
    "Etxeren kanpo" dann vielleicht? Aaaaah, ich habe keine Ahnung.
    Jedenfalls bin ich der einzige Mensch in meiner Bekanntschaft, der dermaßen durchdreht, wenn er glaubt, sich irreversibel vertippt zu haben. Der allereinzigste.

  • Pozten naiz.

    Sie haben mein Portemoinnaie gefunden; es wird mir wohl demnächst aus Köln zugeschickt (wie auch immer es dorthinkam). Ich freue mich.

    Ich war vorhin bei der Tafel, abholen - eben kam schon jemand zu mir und hat sich über die geretteten Kartoffeln und einen Laib Brot gefreut. Einen weiteren Sack Kartoffeln und ein Brot habe ich schon für Susmita an die Seite gelegt, die es morgen abholen kommt. Ich freue mich.

    Wenn alles gutgeht, bekomme ich am Wochenende von Serj mein Fahrrad endlich wieder, kann es reparieren lassen und bin somit nicht mehr fahrradlos - auch darüber freue ich mich.

    Darüber sowie über die liebe, stimmungserhellende Großzügigkeit des Menschen am Kiosk vorhin, bei dem ich mit meinen letzten 48€ ein Studi-Ticket kaufen wollte, nur um zu erfahren, dass es 49,70 kostet - der es mir aber einfach für 48 überlassen hat.

    Heute Abend ist schon wieder Foodsharing-Kennenlerntreffen, in wieder einem anderen Café, wo ich noch nie war - ich werde eine neue Location und neue Menschen kennenlernen und dazu alle Anderen wiedersehen und von Elisa zwei Blumentöpfchen mitgebracht bekommen, die sie verschenkt - wie ich mich darauf freue.

    Meine Morning Glory-Samen keimen schon - ich fasse es gar nicht und freue mich ganz doll. Und in meinem Samenkompost keimt und sprießt schon alles Mögliche, wo ich nichtmal ansatzweise hinterherkomme, was das nun alles sein könnte. Mystery plants - ich ziehe sie einfach auf und warte, bis sie wachsen und mir ihre Identität zu erkennen geben. Der Frühling ist da - es ist warm - alles wächst - ich bin glücklich!

    Eventuell nehme ich dieses Wochenende für ein paar Wochen vier Ratten in Pflege - das wäre doch wunderbar, endlich mal wieder ein bisschen tierische Gesellschaft - auch darüber würde ich mich freuen. (JA! Sie hat mir gerade nochmal geschrieben, wie viel ich fürs Betreuen haben wollen würde. Und wie lange ich sie nehmen könnte. Ich habe ihr zurückgeschrieben, dass ich sie nehme, solange sie will, und keine Ahnung habe, was ich dafür verlangen soll. Sie schreibt mir dann nachher; offenbar muss sie vorher noch etwas abklären.)

    Was noch? Ich habe meine Organisation hier im Zimmer ein bisschen umstrukturiert und auf einmal viel mehr Platz im Schrank. Wie schön das war, vorhin ein bisschen Ordnung in das Chaos zu bringen.

    Schön. Schön, schön, schön.

    Ich habe die Nacht damit verbracht, in meinem eigenen Blog zu lesen. Ob das nun erbärmlich ist oder nicht, sei dahingestellt; für mich ist es gut. Ich kann rückblickend so viel mehr verstehen. Und ich kann mit dem Gefühl, so unendlich viel noch zu bewältigen zu haben, viel besser umgehen, nachdem mir wieder bewusst geworden ist, dass auf jeden Fall auch schon ein beträchtliches Stück der Arbeit geschafft ist. Und auch darüber freue ich mich.

  • Pechphoenix

    Glück muss man haben.. mir wurde irgendwann zwischen vorvorgestern und gestern Abend mein Leihfahrrad vor der Haustür weggeklaut. Somit bin ich jetzt geld-, busticket- und fahrradlos. Hoffentlich nicht für lange; Serj hat mir geschrieben, dass ich meins am Wochenende bei seiner alten Wohnung abholen kann. Na wollen wir's hoffen.

    Was ist das für ein entsetzlicher Font hier auf einmal, es ist alles so.. anders. Ih. Ich mag es nicht, wenn sich Sachen so ändern. Und dann noch grundlos.

    Es gibt zu viele Sachen, die ich tun muss. Meine Bankkarte ist zwar gesperrt, aber ich habe die Bank noch nicht informiert. Meinen Perso und die Versichertenkarte muss ich als verloren melden und jeweils neue beantragen. Einen neuen Studenten-, Foodsharing- und sogar einen verfickten neuen Organspendeausweis brauche ich. Bei der Gelegenheit könnte man dann gleich auch mal seinen 2011 abgelaufenen Reisepass erneuern - schaden kann's ja nie, denke ich mir einfach mal so. Einen Psychiatertermin muss ich machen. Und ich war seit Jahren nicht mehr beim Zahnarzt; ich sollte Mama bitten, mir das Bonusheftchen runterzuschicken, und mir endlich mal hier einen suchen. Langsam kann ich nicht mal mehr vor mir selbst mein Nichthingehen mit einem vorgeschobenen Mangel an Belastbarkeit rechtfertigen.

    Vorhin habe ich mit meiner costarricanischen Familie geredet; es war sehr, sehr lange her und es war Zeit.. und schön war es, so schön, und vor allem kann ich ganz anders mit ihnen reden seit diesem letzten Jahr. Da ist es mir fast schon egal, ob ich mal einen Fehler mache. Und überhaupt, was ich sage. Nicht wie damals, als ich dawar. Bis hin zum Schluss habe ich es einfach nicht gelernt, das angstlose Reden, und mehr noch, das angstlose Sein. Ein umso größeres Wunder ist es daher für mich, dass sie mich immer noch genauso lieben wie ich sie. Sich an alles erinnern und mir mit jedem Wort das Gefühl geben, nach wie vor Teil der Familie zu sein. Selbst wenn ich mich nur im Halbjahrestakt dazu überwinden kann, mit ihnen zu reden. Wieso auch immer. Ich bin merkwürdig und habe ein paar ganz dämliche Probleme, ich weiß schon.

    Aber trotzdem. Sollte ich auch manchmal merkwürdig sein, vergiss einfach nicht, du redest mit einer Einjährigen. Dafür mache ich mich doch eigentlich schon ganz ordentlich.

  • Jetzt (oder früher oder später) oder nie?

    Irgendwie ist es nie der richtige Moment. Sobald man darauf wartet, kann man es einfach vergessen. Langsam verstehe ich, warum manche Leute sich Dinge vornehmen, unbedingt mit etwas anfangen oder aufhören wollen und es aber doch nie tun.

    Mein Halbjahresvorrat an Medis neigt sich dem bitteren Ende zu; mir verbleiben aktuell 7 Tabletten, sprich, in spätestens einer Woche brauche ich einen Termin beim Psychiater. Ich hatte eh grob ins Auge gefasst, sie demnächst abzusetzen, wollte aber - oh Wunder - auf den richtigen Moment warten. Zu ungefähr der Zeit habe ich dann auch gemerkt, dass sowas wie der richtige Moment ein Mythos ist. Hier was, da was - das macht das Leben doch gerade aus, das ewige Ab und Auf und Ab und das absolute Fehlen von Stillstand. Ich fühle mich nicht fähig für so eine Unternehmung. Ich merke doch, wie die ganzen dramatischen, verängstigten, gelähmten, unsicheren, überemotionalen Schichten von mir unter der Oberfläche lauern. Wenn ich das Medi absetze, besteht die Gefahr, dass das gefestigte Äußere langsam an den Seiten herunterrutscht und meine ganze verdammichte Lebensunfähigkeit wieder unverdeckt und unzensiert ans Licht kommt. Möp, was für Aussichten.

    Aber natürlich könnten die Umstände um so Vieles ungünstiger sein. Ich bin zu Hause. Ich habe ein ganzes Jahr lang lernen können, wie man als serotonintechnisch gescheit eingestellter Mensch so lebt. Es wird Frühling; ich werde in der nächsten Zeit viel Sonne abbekommen. Ich habe keine Infatuationen zu bekämpfen; dankenswerterweise sind mir Bekanntschaften mit neuen intelligenten, kaputten, musikalischen oder sonstwie attraktiven Menschen in den letzten Monaten erspart geblieben. Familientechnisch ist es auch relativ ruhig. Es gibt Leute hier und an erstaunlich vielen anderen Orten, denen ich wichtig genug bin, dass sie zur Not wohl auch die ein oder andere Durchhängperiode mit mir durchstehen würden. Und wenn alle Stricke reißen, hol ich mir eben wieder das Zeug und nehm' es ein Leben lang weiter. Würde mich auch nicht sonderlich jucken, aber zuerst will ich natürlich versuchen, als eigenständiger Mensch mein Leben, wie es jetzt ist oder sein könnte, aufrecht zu erhalten.

    Ich identifiziere mich mehr als je zuvor mit meinem Lebensbäumchen. Es hat sich in den drei Wochen, in denen ich wegwar, ziemlich stark in Richtung des Fensters geneigt und schien nun ein wenig verwundert, als ich wieder dawar und es endlich gedreht habe. Aktuell neigt es sich Richtung Zimmer; es braucht wohl noch ein bisschen Zeit für die Umstellung. Vor allem aber ist es im vergangenen Jahr so groß und prächtig geworden. Und es wächst immer weiter, immer weiter. Ironisch genug, dass ich mich kaum traue, es zu bewegen, weil es so instabil hin- und herwankt und beim kleinsten Anstupsen einen eleganten Umfall hinlegen würde, inklusive des Verlustes einiger riesiger, glänzender Blätter. Genau das Gefühl habe ich bezüglich meines Lebens. Es ist unfassbar bunt und wunderschön, seitdem es gerettet wurde, aber letzten Endes braucht es nicht viel, um es zum Einsturz zu bringen. Deshalb ist die Stabilität so wichtig - denn anders als das Bäumchen kann ich nicht erwarten, dass jemand alles an Gefahren von mir fernhält. Ich hoffe einfach mal, dass das Medi nicht die ganze, lebenswichtige Stütze ausmacht. Vielleicht tut es das ja nicht. Deshalb werd' ich es absetzen, auch wenn ich Angst habe.

  • Elefantenstunde

    Ich bin mir sicher, dass es relativ normal ist, die Lieder aus seiner frühesten Kindheit das ganze Leben lang nicht zu vergessen. Ich bin mir weniger sicher, ob es normal ist, regelmäßig davon Ohrwürmer zu haben. Was genau macht Benjamin Blümchen mit so einer entsetzlichen Regelmäßigkeit in meinem Kopf? Ich habe genau eine Benjamin-Blümchen-Kassette besessen (vermutlich besitze ich sie immer noch, bei meinem Wegschmeißverhalten), und das einzige Lied davon, das sich davon in meinem Gedächtnis eingenistet hat, ist das allereste.

    Aber (das ist ja das Schlimme) eigentlich weiß ich genau, was er macht.

    "Ich bin der Lehrer Benjamin, ich stell mich vor die Klasse hin. Ich brüll nicht 'Aufstehn!' und nicht 'Setzen!' - ich schimpfe nicht, wenn Schüler schwätzen."

    Okay, also weiß ich im Grunde eher, was er nicht macht.

    Was für ein grottiger Lehrer.

    Und was für utopische Schüler. Kein Wunder, dass er die nicht disziplinieren muss; sie werden von einem riesigen sprechenden Elefanten unterrichtet und wollen alles einfach freiwillig lernen und machen. Da wär' ich auch gerne Lehrerin. Aber vielleicht sind sie nur so diszipliniert, weil er sie am Ende auf sich reiten lässt. Schlechte Karten für meinen Rücken. Besonders wenn man meine, äh, athletische, kräftige, muskulöse und hochstabile Statur mal so betrachtet, die ganz bestimmt nicht von übergewichtigen Grundschulkindern zum Durchbrechen gebracht werden würde. Ganz bestimmt nicht.

    Warum aber ist es ständig in meinem Kopf?!

    Abgesehen davon ist alles gut bei mir. Okay, ich habe meinen Geldbeutel inklusive Reisedokumenten und allem an Bank- und Versichertenkarten und Identitäts- und Mitgliedschaftsnachweisen, das man sich nur vorstellen kann, und eine Lunchbox inklusive meinem gesamten Reiseproviant in Frankfurt im Zug verloren - meine Tasche ist unterm Sitz umgekippt und ich dachte, ich hätte alles wieder eingesammelt, war dann aber offensichtlich doch nicht so. Daraufhin gestaltete sich der Rest meiner Reise natürlich weniger geregelt und mehr meinem üblichen Reisestil entsprechend, aber - was ebenfalls bei mir Gewohnheit ist - am Ende kam ich trotz allem Chaos wohlbehalten, nur eben geld- und busticketlos (sodass ich schwarz zur Wohnung fahren musste, denn mit dem ganzen Gepäck zu laufen wäre Selbstmord gewesen) und ein wenig verspätet zu Hause an.

    Es ist wundervoll hier. Ich kam an, todesfertig von der Herumreiserei und den ganzen letzten Wochen. Susmita kam auf einen Tee vorbei, Trudi kam nach Hause, Susmita ging nach Hause, Trudi und ich machten uns Calamus-Tee und gingen in mein Zimmer. Es hat wunderbar gewirkt bei ihr; ich habe einfach nichts gemerkt und war unendlich neidisch auf ihre Wahrnehmungsveränderungen. Sie konnte auf einmal unglaublich hören. Wir saßen bei mir auf dem Boden; hinter mir lehnte Night, die Gitarre, an ihrem üblichen Platz und Trudi stellte auf einmal fest, dass jedes Mal, wenn wir redeten, ihre Saiten anfingen zu schwingen und Geräusche machten. Wohlgemerkt über die Musik aus den Laptopboxen hinweg. Ich habe sie so beneidet. Und am Morgen erzählte sie mir noch, sie wäre mitten in der Nacht plötzlich aufgewacht und hätte ihr schwarz-weißes Poster an der Wand in Farbe gesehen. Warum genau bin ich einfach nur zombiemäßig geschlaucht ins Bett gegangen, habe mit JO ihre Praktikumsbewerbung durch den Fleischwolf gedreht und dann bis elf Uhr wie ein Stein geschlafen, wohlgemerkt ohne aufzuwachen und Farben zu sehen, wo keine waren?

    Aber ich habe schon wieder von Containern geträumt. Das ist doch merkwürdig. Willst du mir wirklich sagen, dass mein ganzes Unbewusstes so auf Containern fixiert ist? Letzte Tage der Container-Traum war bislang der heftigste von allen; ich war in Russland und wurde dort erwischt, musste mit Laura und zwei Polizisten auf die Polizeiwache fahren und alle Eintretenden wurden erstmal mit Gewehrfeuer begrüßt und durchlöchert. Es schien dort normal zu sein. Einer der Russen beschwerte sich noch darüber, "immer diese Mücken". Für ihn waren die Schusswunden offenbar gar nichts Besonderes mehr.

    Natürlich habe ich auch noch Besseres zu tun, als von Containern zu träumen. Kaum zu glauben, aber eine Nacht, bevor ich den russischen Polizisten völlig aufgelöst beteuerte, dass ich überhaupt "nichts entwendet" hätte, saß ich mit Şahin vor einer Glaswand und dachte auf einmal, wie merkwürdig das war, ihn zu sehen und zu wissen, "er ist mit niemandem zusammen". Verständlich; ist mir traum-extern auch nie untergekommen, der Zustand. Aber die Einsicht kommt ja früh, liebes Unbewusstes. Es ist doch schon wieder über einen Monat her.
    Überhaupt, was sucht der Mensch in den ganzen Träumen. Seinem Dasein bringe ich zwar mehr Verständnis entgegen als dem schrecklichen Benjamin-Blümchen-Lied, aber im Endeffekt ist es kein Deut weniger sinnlos. Wüsste ich nur, was er sucht; ich würd's ihm einfach schicken, vielleicht lässt er mich dann in Ruhe schlafen.

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Hier übrigens mein anderer Blog, "Save the lettuce" - für Verwendung und gegen Verschwendung: http://aspestie.blog.de/

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