szmmctag

  • Overdose Is Possible.

    Ich war ja wirklich nie davon zu überzeugen bis zu diesem denkwürdigen Abend: Entgegen meiner bisherigen Annahme ist zu viel Monopoly tatsächlich ein Ding der Möglichkeit.

    Basti hatte eigentlich gar nicht wirklich Lust und hätte dann auf halber Strecke schon fast den Geist aufgegeben, verlor irgendwann und wurde bereits zu dem Zeitpunkt von mir aufs Höchste darum beneidet; Ryk fuhr anfangs seine typische "Okay, Aspi hat vier Bahnhöfe und Basti hat mehr Straßen als ich, das Spiel kann ich knacken"-Schiene, nur um mich am Ende kolossal abzuzocken, und mein Hirn verabschiedete sich irgendwann dazwischen in einen Zustand zwischen Verzweiflung und Delirium.

    Ich werde dann jetzt mal schlafen.

  • Ich nehme mit zum Camping... Zeltstangen schonmal nicht.

    Ich sitze in der Gemeinschaftsküche eines Amsterdamer Campingplatzes. An Bastis Smartphone. Ich fasse es nicht; ich verfasse einen Blogeintrag an einem Handy. Ich komme mir vor wie eine Oma, die gerade entdeckt, dass das moderne Zeitalter ja irgendwie doch auch Vorzüge hat.

    Mosquitos suchen mich heim und ich sitze hier allein aus dem Grund, dass das Handy noch 50% laden muss, weil ich nachher seine Taschenlampe brauche.

    Basti ist mit seiner langjährigen Amsterdamer Freundin jetzt in der Stadt etwas trinken und ich bin äußerst dankbar, dem furchtbaren Schicksal, die beiden zu begleiten, auf die letzte Sekunde entronnen zu sein. Da nunmal leider das Niederländische nicht zu den Sprachen zählt, die ich beherrsche, wurde es mir trotz aller Mühen von beiden Seiten schon während des Essens zu bunt und ich beschloss kurzerhand, weder ihnen noch mir das länger als unbedingt notwendig anzutun. Jetzt freue ich mich auf einen Abend mit Hotel New Hampshire und meinem kuschelig warmen Schlafsack.

    Unsere Anreise, Ankunft und Zeit nach der Ankunft gestaltete sich, wie mit zwei Spezialisten von unserer Sorte nicht anders zu erwarten, mal wieder sehr speziell. Angefangen damit, dass wir aufgrund meiner Schusseligkeit zu Hause fast den Zug verpasst haben, gefolgt von den drei Stunden Warten auf den verspäteten Anschlusszug, Bastis verlorenem Geldbeutel keine zwei Stunden nach unserer Ankunft in Amsterdam und nicht zuletzt der traumatischen Erkenntnis, dass er die Zeltstangen daheim vergessen hatte. Ein paar Stunden später hatten wir unser Zelt behelfsmäßig mit Bambus auf- und uns selbst häuslich eingerichtet, hatten uns mit Campingplatz und Umgebung vertrautgemacht und Bastis Freundin auf der Suche nach Bambusstäben zufällig auf ihrer Arbeit besucht. Stellt sich raus, sie arbeitet in der lokalen Gärtnerei.

    Ich werde mich jetzt allerdings verabschieden hier; das ganze Berichterstatten verbraucht viel zu viel Akku

  • Bin ich denn des Wahnsinns?

    Ja, also. Zwei Stündchen später, ich bin wieder bei mir und, um Himmels Willen, mein Gewissen ist es auch. Offenbar hab' ich nichts zu tun, wieso sonst verbringe ich meine Freizeit damit, Einträge wie den da unten über genau die Person zu verfassen, die übers Wochenende nach Freiburg eingeladen wird und mich auf den letzten Drücker gestern Früh noch fragt, ob ich nicht mitkommen will, um dann auf meinen Einwand, ich würde erst zwei Stunden nach Fernbus-Abfahrt wiederkommen, zu entgegnen, "ich kann auch erst um 19 Uhr fahren". We're talking denjenigen, der irgendwie zurück in die Stadt gezogen ist und buchstäblich ALLES an Zeit, die er mit mir verbringen kann, mit mir verbringt, ALLES, ohne dass ein Wort darüber verloren werden muss, woraus unter Anderem folgt, dass er bislang genau eine Nacht in seiner eigenen Wohnung geschlafen hat, als ich den Monsterstress mit dem Couchsurfer und der Präsi hatte. Ich komme nichtmal dazu, aufgrund meines Klammermenschseins in die unangenehme Situation zu geraten, das Eine tun zu wollen und aber das Andere zu tun (oder eben das Eine nicht zu tun), um nicht klammerig zu wirken, denn er ist immer da, wenn er kann. Mein Kojenbett ist achtzig Zentimeter breit und er hat mir (auf Ewigkeit und aus freien Stücken) die Innenseite überlassen. (Okay, das führt dazu, dass er nunmehr mit der Begründung, sonst rauszufallen, circa 80 Prozent des Platzes einnimmt und mich gelegentlich dazu auffordert, noch weiter reinzurutschen, wenn ich mit meinen zehn Zentimetern Körperbreite auf der Seite liegend schon vollends an den Rand gequetscht bin, aber whatever.) Er versteht zwar nicht ganz, was Schlaf in meiner Existenz für eine Rolle spielt (und dass ich es auf den Tod nicht ausstehen kann, das System nochmal hochfahren zu müssen, wenn ich erstmal auf Standby bin), aber er ist der wunderbarste und geduldigste Wecker aller Zeiten. (Er würde mich auch länger schlafenlassen, würde ich einen Ton sagen. Ich bin aber sehr glücklich, um neun geweckt zu werden; dadurch habe ich bedeutend mehr von meinem Leben und das frühe(re) Aufwachen ist nunmal etwas, das ich leider von allein nicht mehr hinbekomme.) Er hat sich Sonnenspray gekauft, damit wir draußen am Tisch bogglen können. Ich habe kaum je einen Vorwurf von ihm gehört (und wenn, dann ausschließlich berechtigter Natur), geschweige denn eine Aufforderung, mich in irgendeiner Weise zu ändern (seitdem die Mono-Poly-Fronten zumindest fürs Erste geklärt sind). Nicht nur toleriert er mein Containertarierleben, sondern bewundert es (laut eigener Aussage), stellt es keine Sekunde in Frage und übernimmt bereitwillig und ohne jede Gegenwehr für die Dauer seiner langen, häufigen, um nicht zu sagen "ständigen" Aufenthalte in meinem Haushalt meine Ernährungsweise. Verstehe die Ausmaße! Jede Angst, verurteilt zu werden, basiert lediglich auf Beobachtungen seiner Reaktionen auf Dritte oder höchstens meinen Bericht über Dritte; ich selbst habe dieses Folterinstrument bislang beileibe nicht in voller Härte zu spüren bekommen.

    Der Punkt ist (bevor ich zu weit aushole): Ich kann nicht einmal damit anfangen (meaning, I can't even begin), in Worte zu fassen, was dieser Mensch immerzu für wundervolle Dinge tut; warum muss ich mir gerade seine schwierigen Ecken raussuchen und nehme mir nie Zeit, auf den ganzen riesigen Rest einzugehen? Ayıp, Aspi, wirklich mal, ayıp.

  • Krempele eine Flüssigkeit aus ihrem runden Gefäß.

    "Aspi...?"
    -"Hm?"
    "Und wann krempel' ich dich um?"

    Dieser Dialog fand gestern statt, nachdem ich Ryk aus einer Laune heraus den Vorschlag unterbreitet hatte, doch mal einen Monat lang mein geliebtes Escitalopram zu konsumieren. Weniger, weil ich ihn für depressiv halte, und umso mehr, weil er meines Erachtens ein bisschen innere Ruhe wirklich gut gebrauchen könnte. Vielleicht wäre es für ihn eine genau so gewaltige Erfahrung wie für mich, als ich damals damit anfing. Dachte ich mir so, als er sich wieder mal zu Tode über die ihn umschwirrenden Fliegen ereiferte.

    Umso mehr habe ich daran zu knacken, was - siehe da oben - er auf meinen Einfall erwiderte. Genauer gesagt denke ich seit ein paar Stunden darüber nach, nachdem ich den Tag über damit beschäftigt war, meiner Mutter auf dem Flohmarkt beim Verkauf ihrer Babykleidung zu helfen und alle drei Minuten die Tische aus dem Regen unters Zelt und dann wieder hinauszustellen. So richtig fing ich an, darüber nachzudenken, als ich wieder zu Hause war und im Garten hinten am Kompost die zweite riesige Samenkapseln-der-wunderschönen-Pflanzen-von-Samen-befreien-Aktion einlegte. Das ist meditativ und gibt einem viel Raum zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob es gerechtfertigt war, Ryk auf die Frage ein schockiertes "Noch mehr?!" entgegenzuwerfen, welches in erster Linie dazu gedacht war, ihm nur ja nicht den Eindruck zu vermitteln, er hätte sich für diese abstruse Konstellation, die wir abgeben, mehr verbogen als ich mich.

    Was mir auch unbegreiflich wäre, da ich mir niemals auch nur die Fähigkeit einräumen würde, jemanden zu beeinflussen. Geschweige denn einen Charaktermenschen, wie es Ryk ist. Außer, es ist in seinem Interesse. Und nennt man das noch Umkrempeln? Ist es ein gutes Umkrempeln, was ich da angeblich vollzogen habe, oder ein Umkrempeln wider Willen? Wie um alles in der Welt soll ich das angestellt haben?

    Bei genauerem Überlegen - und ich muss mich immer weiter zwingen, mich gedanklich auf eine Art zu entspannen, die es mir erlaubt, die Tatsachen nicht zu verzerren (ich neige so sehr dazu, fürchte ich, dass es mir schwerfällt, diese Angewohnheit abzulegen) - kam ich zu dem Schluss, dass er Recht hat. Irgendwie. Und dann aber auch nicht.

    Stellen wir das Ganze gegenüber. Angefangen mit dem, was er wohl anführen würde, würde ich eine Aufzählung der Aspekte verlangen, in denen ich ihn umgekrempelt habe.

    Monogamie. Temporär oder nicht, er ist jetzt gerade ein Mono-Mensch und das liegt an mir. Er ist außerdem ein sehr, sehr überzeugter Veganer (und ja, das gehört selbstverständlich zu den Dingen, die ich an ihm bewundere) und hätte vermutlich in seinem Leben keinen Fisch mehr gegessen, hätte ich ihn nicht mehr oder minder ohne mein Zutun pragmatik-induziert zum Containertarier gemacht. Ich glaube, das sind die beiden Hauptpunkte, auf die er sich bezieht. Ferner zieht er es in Betracht, sich in mein Selbstversorgerprojekt einzugliedern. Jetzt musst du dir darüber im Klaren sein, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der die Sonne meidet, wo er nur kann, zum Leben mindestens einen Contrast-ähnlichen Ort inklusive dem dort anzutreffenden sozialen Umfeld, eine Internetverbindung und ganz bestimmt keine körperliche Betätigung benötigt und Falks Lied "Psychoweh" praktisch eins zu eins verkörpert. Das ist schon unheimlich, eigentlich.

    Und der letzte Punkt, den ich aufzählen sollte, ist seine Aussage, er wäre durch mich offener geworden und würde ganz anders auf Menschen zugehen. Was mich zugegebenermaßen verwirrt, weil ich sein Zugehen auf Menschen als nicht sonderlich verändert empfinde. Aber okay, das muss er selbst wissen. Ich sehe da jedenfalls noch mehr Potenzial, falls er irgendwann seine gleichwohl unachtsamkeits- als auch selbstschutzbedingte grenzenlose Egozentriertheit ablegt.

    Hm. Nun die große Frage, inwiefern ich mich habe umkrempeln lassen.

    Ich tendiere zu "eigentlich gar nicht". Zumindest habe ich keine derartigen eingerissenen Bastionen vorzuweisen. I pretty much prevailed throughout the entire battle (if there ever was one). Mono: Check. Essen: Check. Selbstversorger: Check. Wieso genau komme ich mir dann eigentlich so vor, als könnte ich noch längst nicht ich selbst sein, so, wie ich es eigentlich gerne wäre?

    Ich weiß. Ich mache mich unkompliziert. Das ist das große Problem. Und mir fällt wieder mal die Aufgabe des Rundseins zu, die ich ja offenbar meisterhaft beherrsche. Übersehen wird dabei, dass ich nicht rund bin und es nicht im Geringsten auf Dauer zu sein plane. Übersehen wird, dass ich mich ohne es je zu erwähnen zurückstelle an allen möglichen Ecken und Enden, die für mich vielleicht keine Bastion darstellen, aber zusammengelegt einen wesentlichen Teil meiner selbst ausmachen, und mich auf diese Art durchaus erheblich verändere. Wenn auch nicht permanent und durch und durch, so doch auf ihn bezogen lückenlos. Ich bin dann halt mit Anderen ich selbst. Mit allen Anderen im Grunde. Es macht auch Sinn: Ich bin immer zu dem Grad ich selbst, in dem ich die Gewissheit habe, nicht (oder zu dem es mir egal ist) dafür verurteilt zu werden. Wenn man sich jetzt jemanden wie Ryk anschaut, der überwältigende Teile seiner wachen Zeit mit Urteilen über Andere verbringt, einen selbst aber aus irgendeinem Grund idealisiert, fällt es leicht, meine halb unbewusste Entscheidung nachzuvollziehen, mich lieber ihm anzupassen als ein Verurteiltwerden seinerseits hervorzurufen. Und ich habe es ja in mir. Es ist ja nicht, als würde ich mich neu erfinden, um seinen Ansprüchen zu genügen. Ich habe eher den Eindruck, Seiten von mir zu unterdrücken. Und zwar in erster Linie schlechte. Das kenne ich schon zur Genüge von meiner verliebten Version. Sie ist so anpassungsfähig wie ein Chamäleon und wechselt ihre Farben, ohne dass der Ast, auf dem sie sitzt, je die Chance hat, die Vielfalt ihrer Möglichkeiten zu begreifen.

    Warum dann behauptet er, ich hätte ihn umgekrempelt? Er gehört zu den Menschen, die einfach jedem gegenüber gleich sind.

    Kurze Pause vom Philosophieren. Ich bin gerade erstmal überglücklich, weil eben Trudi zu mir hereinkam und wir uns zwanzig Minuten lang unterhalten haben, was wohl bedeutet, dass die Tatsache, dass sie davor tagelang kaum ein Wort mit mir gewechselt hat, auf ihren Lernstress zurückzuführen war und nicht auf irgendetwas, das ich getan oder nicht getan hatte. Oh Hilfe, was hatte ich mir Gedanken gemacht.

    Und weiter. ...Ohne merkbare Rücksicht. Er ist derjenige, der als Antwort auf die Frage, was er niemals tun würde, unter den Optionen "Meinen Partner hintergehen, Heiraten, Mich für Andere verstellen, Aufs Land ziehen" Zweitletzteres wählt. Während ihm wenig mehr zuwider ist als die Vorstellung, aufs Land zu ziehen oder aber, noch schlimmer, zu heiraten. [Anmerkung: Es kam "Angela Merkel" bei ihm als Seelenverwandte heraus. Basti und ich haben ihn ausgelacht; er hat sich schwarzgeärgert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir beide hatten Martin Luther King und waren damit wesentlich zufriedener.]

    Was lamentiere ich eigentlich. Mein Problem ist doch im Grunde nur, dass ich nicht viel weniger egozentriert bin als er und es mir gegen den Strich geht, meine Melodramatik und Emotionalität so gar nicht ausleben zu können, einfach weil sie in dem Mordsraum, den er mit seinem eigenen Charakter einnimmt, sang- und klanglos untergeht. Mir fehlt dafür einfach nur das Durchsetzungsvermögen. Wenn ich merke, es interessiert sich niemand für meine Lappalien, bringe ich sie eben nicht an den Mann, sprich, es ist andersherum meine eigene Schuld, weil ich ihm die Möglichkeit gebe, sich in meinem Vakuum breitzumachen, ohne dafür einen Platz in seinem einzufordern. Das sind zwei Persönlichkeiten, die beide nach Aufmerksamkeit lechzen; die eine bekommt sie gewährt, die andere fühlt sich unverstanden.

    Ob das alles jetzt weltbewegende Einsichten waren oder nicht, stellt sich irgendwann heraus, wenn ich weniger Rum in meinem Körper habe und mir das Ganze hier nochmal zu Gemüte führe.

  • Ach so. Na dann..

    Also, kurz zur Schließung von blog.de.

    Verständlicherweise (zumindest für Menschen, denen ich bekannt bin, wird es verständlich sein) bin ich wenig erfreut, um nicht zu sagen, ziemlich verstört. Gestern dachte ich darüber nach, was für eine wunderbare Konstante dieses Blögchen seit 2011 in meinem merkwürdigen Leben darstellt. Typisch, dass am Tag danach mir die Bekanntgebung in die Inbox geflattert kommt, dass es das die längste Zeit gewesen ist und ich mir wieder mal etwas Neues suchen kann. Ich komme mir vor wie so eine unfreiwilige Nomadin. Macrocarp bei SVZ, Macrocarp bei StudiVZ, spin.de, blog.de, und was meine nächste temporäre Unterkunft sein wird, stellt sich demnächst heraus. Zum Glück warnen sie einen mit ein bisschen Vorlauf, so habe ich wenigstens Zeit, mich darauf einzustellen.

    Aber... Argh. Warum?

    |-|

  • Schock, lass nach.

    ...and then it hit her like a solid concrete brick.

    Das hier, dieser unspektakuläre Vortrag über die Symptome von Aphasien vor einer Handvoll uninteressierter Studenten, die allesamt nur hier sind, weil sie ihre zwei Fehlzeiten unterm Semester bereits ausgeschöpft haben und ja schließlich nicht ahnen konnten, dass er tatsächlich so gnädig ist, heute in der Post-Klausur-Sitzung keine Anwesenheitsliste mehr herumgehenzulassen.. diese Veranstaltung, eine wie jede andere Ende-des-Semesters-Veranstaltung. In der ich mit Computer sitze, Morphologie-Seminararbeit und Blogeinträge schreibend und kaum ein Wort von dem aufnehmend, was er da vorne redet. Das hier. Das ist die letzte Vorlesung meines hiesigen Unilebens. Ich werde das nächste Semester BA-Thesis schreibend in meinem Zimmer verbringen. Ich habe weit mehr Credits angesammelt in meinen langen, zahlreichen Semestern, als ich brauche. Ich werde in diesem Leben hier keinen Kurs mehr besuchen.

    Ich könnte sterben vor Entsetzen.

    Mir wird schlecht.

    Das kann nicht sein. Darauf war ich nicht vorbereitet. Das habe ich verdrängt, das war mir nicht bewusst, das will ich so nicht wissen, das darf einfach nicht sein. Es war immer so. Seitdem ich lebe, habe ich hier studiert. Oder andersherum, seitdem ich hier studiere, habe ich gelebt. Ich will hier nicht weg. Ich bin hier zu Hause. Ich bin in diesem verdammten Neurolinguistik-Kurs, in diesem verdammichten Hörsaal A704 zu Hause. Das kann nicht vorbei sein. Das hier ist meine ganze Welt. Nicht in die Uni wollen, mich vor Hausarbeiten drücken, prokrastinieren, mich zu Tode langweilen, mich zu Tode stressen, aus dem Fenster sehen und den See betrachten und das gegenüberliegende Ufer. Mich von dem potthässlichen meterhoch angebrachten Windspiel vor dem Fenster hypnotisieren lassen und danach den Abdruck vieler kleiner tanzender Kreise vor meinem inneren Auge auf die gelbe Wand des Hörsaals projizieren.

    Hilfe, ich bin mit dem Studium fertig.

  • Signs and miracles still happen. [Oder so.]

    Morphologie fällt aus.

    Ich komme mir geringfügig betrogen vor.

    Statt also meine grandiose Präsentation zu halten und mich damit zu brüsten, was ich innerhalb eines halben Tages alles geschafft habe mir an Halbwissen über die morphologische Konversion einzuverleiben, sitze ich nun vor der Uni auf einer Bank im Halbschatten, habe meinen ersten Thermoskannendeckel Kaffee verdrückt und erfreue mich am Baustellenlärm aus Richtung der N-Bib. Die letzte Vorlesung meines Semesters ist in anderthalb Stunden; bis dahin wird sich vermutlich an meinem Zustand jetzt nicht viel ändern.

    Ich kann es nicht glauben. Zeit. Vielleicht sollte ich schonmal anfangen, das Term Paper zur Präsentation zu schreiben, solange das Halbwissen noch frisch ist.

    Gesagt, getan. Ich kann es nicht glauben. Ich habe angefangen. Ich sitze hier und schreibe eine Seminararbeit, die sich allein durch ihre Bezeichnung von einer stinknormalen Hausarbeit unterscheidet, und ich schreibe sie einfach. Plank, ich liebe Sie allein dafür, dass Sie heute Morphologie haben ausfallen lassen und mir damit die Möglichkeit gegeben haben, diese einzigartige Erfahrung zu machen. Ich habe mit etwas angefangen. Ohne Zeitdruck, ohne alles. Draußen, vor der Uni, unter einem Baum. Es fühlt sich so nach Leben an.

    Mich hat ein winziges, kugeliges Insekt gestochen, und es tut weh.

    Ich mache weiter.

    Edit: Ich habe weitergemacht, und dann habe ich mit Kepa geschrieben, der sich erstmals aus dem Baskenland gemeldet hat. Meine Kaffeekanne ist fast leer und meine Laune ist im Hyperbereich. Kepa und Kaffee sind immer eine gute Mischung. Was freu' ich mich nen Keks, dass es diesen Mensch gibt. Er ist so gestört wie intelligent und vereint überhaupt zahllose Eigenschaften, die ich bei mir selbst wiederfinde und die an ihm zu beobachten mir hilft, sie an mir selbst zu lieben. Er kennt mich, er mag mich, er macht mir verlässlich gute Laune und ich habe meinen Crush auf ihn vollständig überwunden. Was gibt es Besseres.

    Oh, was bin ich glücklich.

    Ich mache weiter.

  • Ich will doch nur schlafen.

    So, jetzt treibt sich also mein Couchsurfer irgendwo hier bei mir rum, während ich mich zurückgezogen habe, um weiter die Präsentation anzufertigen. Er hat heute auch die letzte BA-Klausur seines Lebens geschrieben (ist allerdings im Unterschied zu mir mit der dazugehörigen Thesis auch schon fertig) und weiß eine unglaubliche Menge über Minderheiten in Spanien, war mal zum Surfen in Hegoalde und liebt Barcelona über alles. Wir haben zusammen gegessen (ich hab' Giersch-Pesto gemacht und es ihm mit Nudeln vorgesetzt, es war wunderbar) und uns so gut es ging mit diesen Themen über Wasser gehalten, aber jetzt bin ich auch wirklich froh, dass ich wieder meine Ruhe habe. Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil er jetzt wer weiß wo hängt und sich eventuell nicht traut, hier reinzukommen, weil er denkt, ich brauche meine Ruhe, dabei hätte er sich ruhig zu mir ins Zimmer gesellen können. Jetzt sitzt er irgendwo und ich hoffe einfach, dass er sich nicht unwohl fühlt. Ich habe ihm natürlich gesagt, dass ich arbeiten muss, aber aaargh, es ist so schwierig. Es widerspricht komplett meiner Gastgebernatur. Je weniger gut ich die Leute kenne, die mich besuchen, desto schwieriger fällt es mir, mich nicht komplett drüberzustülpen. Den Anderen traue ich es ja zu, sich zurechtzufinden oder sich zu melden, wenn sie irgendetwas möchten oder brauchen. Aber um so einen Fremden, der da jetzt seelenruhig bei mir im sich allmählich verdunkelnden Garten sitzt und liest, bin ich viel zu besorgt.

    Jetzt arbeite ich aber wirklich an der Präsentation weiter. Der Akku steckt schon im Computer, sehr gut - nicht dass ich den nachher vergesse und dann ohne Strom da stehe. Am besten lade ich das fertige Ding auch nochmal auf einen USB-Stick, nur für alle Fälle.

    Etymologische Betrachtung. Ich springe die ganze Zeit zwischen dem Eintrag hier und der Präsi hin und her und vergesse währenddessen, was ich eigentlich im Browser zu suchen hatte.

    Jetzt überlegen, ob ich die Synkretismen drinlasse. Dafür, dass sie eigentlich gar nicht wirklich reinmüssen und ich eh nur in Ansätzen verstehe, was sie überhaupt sollen, sollte ich sie vielleicht wieder rausnehmen.

    Ich sollte außerdem die Musik ausmachen. Musik im Hintergrund unterbindet, wie ich gerade mal wieder festgestellt habe, bei mir jegliche etwaige formulatorische Fähigkeit. Was richtet sie dann erst mit meiner Fähigkeit an, Präsentationen zu einem Thema zu erstellen, über das ich nciht das Geringste weiß.

    I'm doomed.

    So kommt wenigstens Ryk auch mal dazu, das Bett in seinem Zimmer auszuprobieren. Bestimmt will er nie wieder hier schlafen, wenn er erstmal den Unterschied erlebt hat, den ein halber Meter Breite für seinen kaputten Rücken so ausmacht.

    Ich muss noch Graziellas vier Folien einfügen. Ein Glück hat sie so wenige gemacht; ich darf sie erstmal alle aus dem .pdf als Screenshots abstrahieren und dann als Bild in meine .odp einfügen, weil das gute PowerPoint von meinem LibreOffice so schlimm verzerrt wurde, dass es ihre ganze Formatierung beim Konvertieren auseinandergesprengt hat.

    Ich habe ein Riesenloch in mnen oberen Zähnen und sollte wirklich dringend mal zum Zahnarzt. Nachdem ich mich vier Jahre davor gedrückt habe, kann ich es jetzt offenbar nicht mehr vermeiden. Schade eigentlich. Ich dachte, mit Oil Pulling und Supirivicky komme ich da drumrum.

    Müde, sehr. Aber ich kann nicht schlafen; zuerst muss ich die Präsi fertigstellen und dann kommt Basti irgendwann noch. Argh.

  • Alles irgendwie organisieren. Genau mein Spezialgebiet.

    Ich fühle mich ein bisschen hilflos gerade, weil ich eigentlich die Präsentation für Morphologie machen sollte (mittlerweile habe ich sogar Materialien), aber bis ein Uhr geschlafen habe und bis jetzt nicht weitergekommen bin. Außerdem ist CSD und Ryk hat sich um neun Uhr aus dem Staub gemacht, um sich zum Ort des Geschehens zu begeben. Ich soll auch hin, um 15.30 genauergesagt, und habe aber bis jetzt noch nichtmal gefrühstückt. Trudis Familie ist da. Sie reden auf Rumänisch miteinander und ich komme mir vor wie ien Fremdkörper in meinem eigenen Haushalt. Und ich komme nicht aus meinem Zimmer heraus, sofern ich ihnen nicht über den Weg laufen möchte. Ich muss mir erst einen ganz genauen Plan machen, was ich in der Küche tun werde, bevor ich mich hier rausbewege.

    Da ich in dieser Minute soeben Susmita abgesagt habe und somit offiziell diesen Sommer nicht nach Turku fahre, können die Alternativpläne in Kraft treten. Ich habe mich bei Couchsurfing um einen Schlafplatz in Amsterdam für Basti und mich bemüht; hoffentlich kann der Mensch uns hosten, er hört sich toll an.
    Außerdem habe ich einem Menschen für Montag auf Dienstag zugesagt, obwohl ich keine Zeit habe (danke, Morphologie), und einen anderen Menschen auf Basti umgeleitet, der heute irgendwann ankommt, wie's aussieht. Ich hatte wirklich keinen Nerv, jemanden für eine Woche zu beherbergen, während Ryk ab dem 20. eventuell wieder arbeitet und gerade so ungefähr die letzte freie Zeit seines Lebens verbringt (und das größtenteils hier, was mir nur recht ist und ich nicht die Absicht habe durch Couchsurfer zu sabotieren).

    Langsam bekomme ich Kopfschmerzen. Ich sollte was essen gehen und mich dann auf den Weg machen. Präsentation mache ich dann eben morgen und Montag. Argh. Schlechtes Gefühl, sehr schlechtes Gefühl.

  • Des Morgens Klausurenglück, des Nachmittags La-Va-Langeweile.

    Soll ich das nun glauben? Die letzte Klausur meines Pre-BA-Lebens ist vorbei, und während mir das Szenario nur allzu bekannt vorkam, das sich da heute wieder einmal direkt vor meinen ungläubigen Augen abspielte, so fühlt es sich doch jedes Mal erneut verwirrend an: Die paar zusammengehefteten Blätter, von denen ich mir so sicher war, sie würden mir heute den absoluten Untergang auf den Hals hetzen, waren wie von Zauberhand nach einer Dreiviertelstunde beantwortet, vollständig ausgefüllt, und kaum eine Stiftbewegung mit Zweifel ausgeführt.

    Den Rest der Zeit saß ich da und wartete. Unter Einfluss von zu viel Kaffee, gemischt mit ein bisschen Adrenalin (ja, ich habe ein paar Klausuren in meinem Leben schon hinter mir, aber diesen Umstand lasse ich mich nicht davon abhalten, immer wieder berauscht zu sein, wenn ich sie so unerwartet und unverdient gut bearbeiten konnte), ein schwieriges Unterfangen, aber ich konnte ja schlecht auf den Fake-Migräneanfall aus der Midtermklausur einen weiteren folgen lassen.

    Irgendwann war es soweit, die untätige Dreiviertelstunde vorbei und ich wieder zu Hause - Ryk war schon weg, sodass ich nur schnell (aus dem Eintopf, den er gestern Abend gekocht hat, während ich noch dabeiwar, mir auf den allerletzten Drücker den Rest Neurolinguistik auf Lernzettel zusammenzutragen) mein Mittagessen abfüllte, einen Blumenkohl für Sarah in eine Tüte packte und mich auf in die Arbeit machte. Ich kam pünktlich und habe in einer irre kurzen Zeit irre viele Touren übersetzt, sodass ich mir jetzt eine Auszeit von dieser unfassbar öden Tätigkeit nehme und diesen Eintrag verfasse. Zwei Stunden noch, dann geht es ab nach Hause. Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll - morgen komme ich wieder her, übermorgen und Freitag genauso. Nachdem ich letzte Woche zuerst wegen Krankheit, dann wegen der heutigen Klausur komplett ausgefallen bin, muss ich das ja aber irgendwie kompensieren. Um des Traumes willen. Und weil ich in zwei Wochen Susmita in Finnland besuchen werde.

    Wie gut, dass ich wenigstens viermal bei Elli war letzte Woche. Ich bin zufrieden mit ihrer GFS; am liebsten würde ich sie am Donnerstag selbst halten.

    Nun mache ich mich wohl oder übel aber wieder an die Arbeit. Ich betreibe heute fröhliches Island-Hopping zwischen Fuerteventura und Lanzarote und komme mir mittlerweile so vor, als würde ich jeden Stein der Kanaren in- und auswendig kennen. Es sind um die 100 Touren von diesem Anbieter insgesamt, Hälfte Balearen, Hälfte Kanaren. Ich sitze jetzt an den letzten sechs, und während ich sie bei Weitem nicht alle allein übersetzt habe, fühlt es sich trotzdem so an, als hätte ich seit Jahren nichts Anderes mehr gesehen.

    Immerhin ist es bei diesen Touren ausnahmsweise meine bevorzugte Übersetzungsrichtung, in der ich arbeiten kann, von Deutsch nach Englisch. Natürlich wäre es mir auch lieber, in die andere Richtung zu arbeiten, wäre denn gewährleistet, dass die Originaltexte ein Minimum an stilistischer Schön- oder zumindest Korrektheit aufweisen; da aber bei den englischen Originaltexten mehr noch als in den deutschen keiner der beiden Faktoren gegeben ist, freue ich mich jedes Mal, wenn ich zumindest ausgehend von einem nur halbwegs grottigen deutschen Original eine englische Übersetzung verfassen kann, die die Bezeichnung "Text" wenigstens in Ansätzen verdient.

    So long; sieht so aus, als könne ich noch mehr Zeit beim besten Willen nicht mehr totschlagen. Dann gibt's halt heute eine kaffeeinduzierte Überproduktion von meiner Seite; das wird außer mir selbst zwar niemand wertschätzen, aber im Grunde sollte mir meine eigene Wertschätzung ja auch genügen.

  • Zustandsquerschnitt.

    So. Jetzt lerne ich weiter. Wie erwartet wurden Elli und ich heute mit ihrer GFS fertig.

    Ich mache mir ein Konto bei der GLS auf und nehme mein Geld von der Commerzbank runter, deren zweiter Rang unter atomwaffenproduzentenunterstützenden deutschen Banken mir und meinem Gewissen doch etwas zu schaffen macht, aber erst nachdem ich geschlafen habe.

    Die Küche ist sauber. Danke, Putzplan, immer wieder. Für den würde ich mein Leben aufs Spiel setzen, glaube ich. Ich bin im Schnelldurchlauf, aber nichtsdestotrotz effektiv durch den Dreck gewirbelt vorhin, habe es alles in einer Dreiviertelstunde geschafft und dazu jetzt ein blütenreines Gewissen.

    Es ist gerade so wunderbar, wo Ryk wieder hier ist. Ich kann immer noch so Vieles besser machen und Neues dazulernen. Meine Arbeit an mir selbst läuft auf Hochtouren. Mein Verstehen von Dingen. Ich lerne so gern.

    Außer, natürlich, selbstredend, wenn es um Neurolinguistik geht. Während ich die elektrophysiologischen Methoden EEG und MEG gestern schon recht gründlich abgehandelt habe, warten leider noch zahllose weitere Grausamkeiten auf mich, die ich bis Dienstag versuchen muss zu verinnerlichen. Es wird nicht funktionieren. Tragisch eigentlich, dass die letzte Klausur meiner BA-Studienzeit meine erste Nachschreibeklausur sein wird.

    Ich habe um die 25 Paprika-Keimlinge und 5 (Edit: Nein, 15!) Töpfe Basilikum, und an den Tomatenpflanzen von Mama entwickeln sich bereits zwei Früchte. Und sie duften so köstlich, diese Tomatenpflanzen. Fuck, ich habe vergessen, sie zu gießen. Soll ich jetzt nochmal aus dem Zimmer gehen und riskieren, dass Ryk mir aus der Küche eine sarkastische Bemerkung hinterherwirft, weil ich immer noch nicht am Lernen bin? Oder einfach drauf hoffen, dass sie tief genug wurzeln, um selbst bei der sengenden Hitze einen Tag ohne frisches Wasser schadenfrei zu überstehen? Zweiteres; ich entscheide mich für Zweiteres.

    Und jetzt genug geredet; ich gehe lernen.

  • Heftig.

    Habe mit Neuro angefangen. Habe meinem Körper zu viel Koffeein zugeführt. Bin Basti unendlich dankbar für seine Bereitschaft, mir beim Lernen zuzuhören. Werde Klausur so oder so failen, aber fühle mich jetzt schon besser, rein gewissenstechnisch.

    Nachher wieder Elli um zwei Uhr. Werde um vier ihre gesamte GFS in vier Tagen geschrieben haben, inklusive Handout. Ich kann dir alles über Hermann Hesse und sein "Unterm Rad" erzählen, das du nur wissen möchtest. Vermutlich sogar um einiges mehr.

    Der Fluss hat die unglaublichste Farbe diese Woche. Diese in etwa. Unbeschreiblich. Ein ganzer Riesenfluss in dieser unfassbaren Farbe, satt und exotisch. Wenn man über die Fahrradbrücke fährt, riecht es nach Urlaub. Ich fühle mich jedes Mal aufs Neue überwältigt während der paar Sekunden.

    Mein Basilikum ist vollständig pikiert; ich habe den Rest gestern Abend erledigt. Dann bin ich lernen gegangen. Nicht bevor ich eine Stunde lang sinnloserweise ein Webinar über neurolinguistisches Programmieren angehört hatte, sollte dazugesagt werden. Aber ich habe angefangen.

    Es war wunderbar, vorgestern mit Ryk und Basti Lasagne zu machen und diese anschließend mit seinem neuen Mitbewohner zu essen. Er ist Russe und hat uns beigebracht, wie man Vodka trinkt. (Einatmen, exen, ausatmen, an saurer Gurke riechen. Spread the word; es funktioniert.)

    Kaffeeloch. Hektisch und kaputt zugleich. Aber keine Panik, immerhin.

  • Waking Up Elli (oder: Wieder nicht gelernt.)

    Gerade bin ich in so einer Vertrauens-Phase. Es ist so angenehm; es tut so gut, sich einen Moment lang keiner Ängste oder Zweifel bewusst zu sein.

    Hunger.

    Ich werde diese Klausur nicht in dreitausend Jahren bestehen; ich habe es immer noch nicht geschafft zu lernen, und ins Tutorium bin ich auch nicht gegangen, weil ich den riesigen Fehler gemacht habe, mich eine Stunde vorher zum Schlafen hinzulegen. Forget it; ich war erst gegen 18 Uhr zumindest halbwegs wieder zurück unter den Lebenden.

    Ich muss ein containertarisches Kochbuch schreiben, ich seh's doch klar und deutlich.

    Tue ich das doch einfach.

    Nein, warte, ich kann jetzt nicht angangen, ein containertarisches Kochbuch zu schreiben, wenn ich Dienstag Klausur habe und noch kein Wort dafür gelernt habe, verdammt.

    Ich war heute bei Elli und werde morgen und übermorgen wieder da sein. Letztendlich liebe ich es wirklich sehr, Elli Nachhilfe zu geben. Vor allem deshalb, weil sie der eine, einzige Mensch in meinem gesamten Umfeld ist, der alles, was ich sage, so hungrig aufsaugt, als wäre sie zeit ihres Lebens noch nicht mit der Art Wissen, die ich ihr vermittele, in Kontakt gekommen. Es ist vermutlich auch genau so, und während mich das einerseits zutiefst schockiert, sehe ich andererseits natürlich das enorme Ausmaß meiner Möglichkeiten und Verantwortung. Ich kann diesem Menschen zu einer völlig neuen Sicht auf die Dinge verhelfen. Wenn ich es ganz geschickt anstelle (und ich hoffe, ich bin dabei), schafft sie es irgendwann, ihren Horizont von allein zu erweitern. Ich muss nur den Stein ins Rollen bringen. Und dabei hilft mir noch Trudi, was unheimlich praktisch ist, weil sich unsere Einstellungen zu gewissen Dingen eben doch ziemlich decken und es Elli ganz sicher guttut, diese vollkommen neuen Informationen von zwei verschiedenen Quellen zu bekommen. Man entwickelt dadurch doch automatisch noch mehr Vertrauen.

    Also werde ich ihr jetzt, nachdem sie mich vorhin ausdrück- und eindringlich darum gebeten hat, erstmal ein-zwei Dokus zur Massentierhaltung zukommenlassen und mich nebenbei bei Ryk über das genaue Wie-wo-wann seiner Rede auf dem CSD erkundigen. Sie klang ernsthaft interessiert. Sie ist ein guter Mensch; sie muss einfach nur aufwachen. Ich glaube, ich schaffe das.

    Ich sollte es ausnutzen, dass Ryk sich momentan vermutlich noch auf der Solid-Sitzung befindet, und einfach lernen.

    Ich tue es ja doch nicht. Es wird immer schlimmer.

  • Too many plan(t)s, too little time.

    So. In zwei Stunden bin ich auf dem Weg in die Uni. Heute gehe ich zum Neuro-Tutorium; ich schaff' das, ich mache es wirklich. Jawoll.

    Ryk ist in seiner Wohnung und redet mit seinem Kollegen aus der Flüchtlingshilfe, nachdem er letzten Freitag keinen Nerv auf TeKo hatte. Wir hatten Donnerstag Abend gegrillt und es wurde etwas später (wunderbarer Abend, auch wenn von meinen Eingeladenen außer Rini niemand auftauchte - das hat vollkommen gereicht; mit ihr und Basti zusammen hatte ich eine wundervolle Zeit und es hätte noch besser gar nicht werden können).

    Ich freue mich auf Freitag, da macht Ryk Lasagne bei sich zu Hause und ich lerne tatsächlich mal die Wohnung kennen. Dann gehe ich einfach nachmittags schon hin und gewöhne mich ein bisschen ein. Eigentlich sollte ich jede Minute mit Neuro verbringen. Aber vorhin wurde ich auch noch von einer Foodsharingbekannten zu ihrem Geburtstag am Wochenende eingeladen und ich muss hin; Manu ist so eine unglaublich Liebe. Plus, sie war auf meiner und Trudis Einweihungsfeier und hat mein Olivenbrot in den allerhöchsten Tönen gelobt. Noch Wochen später! Ich fühle mich ihr verpflichtet.

    Das Wetter ist umwerfend. Im wahrsten Sinne. Wenn das meinen Tomaten und den kleinen Melonenpflanzen mal nicht gefällt. Basilikum pikiert habe ich auch gestern Abend. Es ist noch so viel mehr zum Pikieren da, aber mir gehen die Töpfe aus. Ich freue mich so arg auf das ganze Basikilum. Und die Melonen. Wie gespannt ich einfach bin, ob irgendeine der Pflänzchen es schafft, dieses Jahr noch eine Frucht zu produzieren. Und dann sind hier die ganzen Paprikakeimlinge, der Ingwer, die Süßkartoffel und der Senf. Und die random Sprosse, bei der ich nicht weiß, was rauskommt.

    Nach der Uni muss ich zu Elli. Nach Elli muss ich zur Wegwarte. Und nach der Wegwarte gehe ich Billard spielen, weil Ryk es nunmal so sehr liebt und ich das Gefühl habe, ihm auch mal wieder in irgendwas entgegenkommen zu müssen. Also wird Geld ausgegeben und Bier getrunken und Billard gespielt. Vielleicht kommen ja Trudi und Basti mit, das wär' doch schön. Ich frag sie gleich mal.

    Edit: Wie's aussieht, hab' ich zumindest bis 22 Uhr Zeit, mein Gewissen zufriedenzustellen und ein bisschen was zu lernen; Ryk rief grad an und verkündete seine heutige Teilnahme an so einer Flüchtlingsdingsveranstaltung, bei der er was verteilen wird (dass er Flyerverteilungsspezialist ist, ist ja schon ohne Schwierigkeiten von der Tatsache abzuleiten, dass wir uns kennenlernten, indem er mir einen davon in die Hand drückte. Gegen TTIP, man erinnere sich), sodass ich jetzt froh bin, dass Basti morgen Spätschicht hat, sonst hätte er bestimmt keine Lust mehr gehabt mitzukommen um die Uhrzeit.

  • Wie eine Wand vor dem Abgrund.

    "Wenn ich eins gelernt habe", sagte Ryk vorhin, "dann, dass ich ohne mein Aspi nirgendwo hingehe."

    Und: "Weißt du, dass du eine unglaubliche Ausstrahlung hast?"

    Und: "Ich kann nur aus meiner Sichtweise sprechen, aber die Typen, die dich sitzen lassen haben.. die haben zum Glück einen riesigen Fehler gemacht."

    Ich bin immer wieder am Verzweifeln, weil ich mich nicht fallen lassen kann. Unentwegt eigentlich. Bis auf so ein ganz paar traumhafte Momente, in denen ich das Gefühl habe, es doch zu können. Aber Scheiße, man, sie sind so spärlich.

    Das vorhin war jedenfalls keiner von ihnen. Ich schaute ihn an, vermutlich mit dem für solche Situationen typischen Gesichtsausdruck irgendwo zwischen totaler Rührung und schlichter Artikulationsunfähigkeit und dem Wunsch, mich selbst zu zerhackstückeln allein dafür, dass ich nicht umhinkonnte zu denken, "das denkst du jetzt", wie immer.

    Vorgestern Nacht hat sich eine Neuheit ereignet. Ich habe Şahin ignoriert, der die ganze Zeit mit mir reden wollte. Der Traum war irre lang und ich bin recht ungläubig aufgewacht: ich kenne das nur andersherum. Oder wir ignorieren uns gegenseitig. Aber so weit ich mich zurückerinnere, habe ich ihn nie ignoriert, wenn er reden wollte. Es waren auch Laura und JO dabei, mit denen wir in irgendeinem fremden Raum waren, wo wir alle übernachtet hatten. JO hat ihren halben Kram vergessen einzupacken, und ich war am Ende als Letzte noch beim Packen, weil ich mich um ihr ganzes Zeug auch noch gekümmert habe. Aber entscheidend ist immer noch, dass ich Şahin ignoriert habe. Natürlich wollte ich nicht, nicht in Ansätzen. Andererseits war ich fest entschlossen, ihn erst durchkommen zu lassen, wenn von seiner Seite eine Einstellung ersichtlich gewesen wäre, die dies für mich lohnend und sinnvoll hätte erscheinen lassen. Darauf konnte ich aber lange warten; er hatte sich kein Stück verändert. Was das Ignorieren einerseits erst so enorm schwierig machte, andererseits aber davon zeugte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Und ich habe es bis zum Ende durchgehalten. Einmal Schulterklopfen.

  • Traumleben und ein schlechtes Gewissen

    Ich bin immer noch krank, aber langsam geht es wieder. Zumindest gut genug, dass ich heute in die Uni konnte und eine Stunde lang sinnlos mit dem Fahrrad durch die brütende Hitze gefahren bin (andere Geschichte). Ich sollte Neuro lernen, stattdessen recherchiere ich Basilikum. Ich liebe Basilikum. Hätte ich nicht schon so viel (meine Samen keimen prächtigst!), müsste ich mir dringend Saatgut der Sorte African Blue bestellen, welche man der Legende nach sogar überwintern können soll. Außerden - es wächst in Strauchform! Ich liebe Kräuter in Strauchform; sie sind so robust und abundant.

    So heiß ist es, dass sogar ich mich drinnen aufhalte. Eigentlich ja, um Neuro zu lernen (ich erwähnte), aber dann musste ich ja wie gesagt das Basilikum recherchieren und habe nebenbei Ryk bei Facebook geschrieben, ob man ihm irgendwie beim Einräumen seiner neuen Wohnung helfen kann (die ich immer noch nicht zu Gesicht bekommen habe, und dabei hat er den Mietvertrag letzten Donnerstag schon unterschrieben - zugegebenermaßen tue ich aber auch nicht sehr viel dafür, dass sich das ändert, denn die Strecke zwischen meiner Wohnung und seiner ist mir bei den Temperaturen zu lang und zu bergig, um sie mir ohne triftigen Grund anzutun). Er meinte, er wäre soweit fertig, würde noch kurz ein Sixpack holen und in einer halben Stunde bei mir aufschlagen. So viel zu Neuro. Das ist schon die zweite Klausurenphase, in der mir seine Anwesenheit einen Strich durch die ohnehin schon nicht sehr motiviert angelegte Rechnung macht. Leider zog sie sich dieses Mal auch durch das gesamte bisherige Semester, sodass meine Chancen verschwindend gering stehen, noch einmal so unverdient glimpflich davonzukommen wie letztes Mal. Wirklich, ich fühle mich nicht mehr, als würde ich überhaupt studieren. Ich treibe mich einen Tag in der Woche ein paar Stunden lang an der Uni rum, ja, sicher, aber die restliche Zeit meines Lebens verbringe ich damit, zu arbeiten oder (häufiger) meinen Haushalt und meinen Garten zu einem Grad zu betütteln, den keiner von beiden eigentlich nötig hätte, und mit den wunderbaren Menschen, die bei mir ständig ein- und ausgehen. Außerdem rette ich Essen, verarbeite und verzehre es und informiere mich nebenbei beständig nach natürlichen Alternativen für bisher verwendete Haushalts- und Pflegeprodukte. So ein Dasein könnte ich mein Leben lang führen. Wenn ich könnte. Oh, wenn ich nur könnte.

    Ich muss jetzt Neuro lernen, sonst bestehe ich die verdammte Klausur nicht.

  • No, I'm not there.

    Eigentlich schon, und eigentlich sollte ich auch gefälligst, aber nein, ich antworte nichts und niemandem (außer vielleicht Laura, Ryk (der allerdings bis heute Mittag hier war und sich in Anbetracht seiner morgigen Rückkehr - permanent, wohlgemerkt, Mietvertrag wurde am Donnerstag unterzeichnet - wohl eh heute nicht mehr meldet) oder Caro, aber das war's dann auch schon), ich lese keine Nachrichten, ich ignoriere Anschriebe, ich bin dazu grad nicht in der Lage.

    Also warte ich, bis Basti nach Hause kommt, oder vielmehr hierherkommt (was natürlich immer noch problemlos als Synonyme durchgehen könnte, aber er hat schon Recht, er ist wirklich weitaus weniger hier in letzter Zeit als am Anfang. Was ich nicht so sehr als Erlösung betrachte, wie es vermutlich der Rest der Welt an meiner Stelle täte, aber es ist auf der anderen Seite gar nicht so schlecht, weil sich dadurch ab und an ein paar Minuten für mich allein in mein zuvor so vollkommen vergesellschaftetes Leben einschleichen, so wie jetzt zum Beispiel). Wenn alles gut geht, hat er wieder Essen von der Arbeit gerettet, was wiederum meine Rettung wäre, da 1) das Essen, das er rettet, ausnahmslos immer köstlich ist, und 2) ich verschnupft des Todes bin (seit Freitag bereits) und mir gar nicht danach ist, noch was zu kochen. Eben war ich bei Elli und habe ihr zweieinhalb Stunden Nachhilfe gegeben (unsere übliche Zeit; manchmal ist es weniger, aber meistens beläuft es sich auf die zweieinhalb und damit immerhin, wenn auch gnadenlos unterbezahlt, 25 Euro). Die Gute hat es nicht so mit der Empathie und ist offenbar zum Glück auch nicht paranoid, sofort angesteckt zu werden, also war es ihr egal, dass ich die Hälfte der Zeit mein Gesicht in einem Tempo vergraben hatte. Gegen Ende wurde es besser; meine Augen haben aufgehört zu tränen und ich konnte wieder halbwegs normal mit ihr interagieren.

    Zu Hause angekommen, habe ich erstmal unserem neuen Putzplan gemäß das Bad und den Flur gemacht (theoretisch hätte ich die vergangene Woche lang Zeit gehabt, das zu erledigen, also beschloss ich, es einfach schnell hinter mich zu bringen und Trudi nicht um Erlaubnis zu bitten, es morgen erst zu machen). Jetzt ist die gesamte Wohnung sauberer als mein Zimmer. Natürlich; Ryk war fünf Tage lang hier, und ich weiß nicht, wie er es anstellt, aber er verwandelt diesen Raum jedes Mal in eine Chaoshöhle. Krümel jeglicher Art - Tabak, Dreck, Flusen. Klamotten überall. Alter. War ich auch mal so, und wenn ja, wie haben es meine Eltern achtzehn Jahre lang mit mir in einem Haushalt überlebt? Auf alle Fälle sollte ich langsam lernen, meine Riesenstaubsaugaktion nicht gerade auf den Tag zu legen, an dem er herkommt. Oh, warte, er hat jetzt eine Wohnung hier, in der seine Sachen demnächst landen. Er zieht zurück in die Stadt. Morgen. Wenn alles gut geht. Es sind bei ihm einige Dinge dabei, sich zum Guten zu wenden.

    Jetzt killt mich mein Kopf.

    Jetzt recherchiere ich Bokashi-Eimer.

    Leben.

  • Paniklos at work, wheeey.

    Uni und Arbeit heute unfassbar gut überstanden. Dadurch, dass ich schnell arbeite, kann ich mir zwischendurch immer ein bisschen Facebook erlauben. Das hat sehr geholfen. Kepa ist mit seiner gesamten juristischen Ausbildung jetzt fertig und macht sich innerhalb der nächsten Tage auf in Richtung Euskadi. Bis zum ersten Juli hat er Zeit und will bis dahin eine halbe Weltreise unternehmen. Direkt fahren wäre ja öde. Und das Autoli (welches schon bessere Tage gesehen hat) wird nach der großen Reise dann wohl verschrottet.

    Ronny hat mir geschrieben. Wohl der dümmste Mensch, mit dem ich freiwillig bei Facebook befreundet bin. Ich mochte ihn nie sonderlich, aber rechne ihm trotzdem an, dass er einer der Wenigen war, die im CRLP damals überhaupt mit mir geredet haben. Ich hatte wirklich nicht viel Auswahl.

    Jetzt holt mich die Müdigkeit ein, rapide at that. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut ich heute Früh aus dem Bett kam. Ich bin mitten in der Nacht unter dem strömendsten Regen ever von Basti nach Hause gefahren; ich hatte mit ihm zusammen gegessen und Monopoly gespielt, während Ryk anderweitig beschäftigt war. Der kam dafür dann um halb vier morgens an und klopfte an mein Fenster, weil er nicht in der Lage gewesen war zu bemerken, dass ich ihm vorne an der Haustür den Schlüssel rausgelegt hatte. Also aufstehen und aufwachen. Er fiel ins Bett und war weg; ich lag ewig und drei Tage herum und konnte nicht mehr einschlafen. Optimal gelaufen. Dafür half mir seine noch immer anhaltende Komatosität vier Stunden später beim Aufstehen. Um meine Disziplin ist es nicht sonderlich gut bestellt (oh welch eine Feststellung, denkst du dir jetzt), und es fällt mir wesentlich leichter, aus dem Bett zu kommen, wenn anstelle eines Lebendkuscheltieres eine reglose Katerleiche da liegt.

    In der Uni war ich heute insofern ungemein und ungewohnt erfolgreich, als ich gefühlt zum allerersten Mal in meiner nunmehr bald achtsemestrigen Laufbahn etwas wirklich Nützliches zu einer Vorlesung beigetragen habe (Vorlesung, wohlgemerkt, kein Seminar, nein, eine Vorlesung), was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, dass es Neurolinguistik war und ich nicht den leisesten Schimmer habe, was der Mensch von uns eigentlich will, aber aus irgendeinem Grund beschloss mein Leben, dass heute der Tag gekommen war, an dem ich mich in einer Vorlesung zu Wort melde und sage: "Ich habe mir überlegt, dass man Nullderivate untersuchen könnte. Dann fällt dieser Unterschied in der Wortlänge und so weiter schonmal weg."

    Alter, wie er reagiert hat. "Nullderivate, ja, das ist clever. Damit kann man ordentlich was machen, das seh' ich." Und dann in die Runde: "Was Nullderivate sind, wissen alle? Ja? Ja? Nein? Ja... Ja. Hat noch jemand was? Okay, ich würde auch sagen, wir bleiben bei den Nullderivaten."

    Oh. Mein. Gowai. Das erste Mal in meinem Leben habe ich mit Fachterminologie kommuniziert und den Verdacht erweckt, irgendjemand unter den Kommilitonen könnte eventuell nicht wissen, was damit gemeint ist. Ja, sicher, Neuro ist ein Seminar aus einem niedrigen Modul, das für gewöhnlich von Zweit- bis Viertsemestlern besucht wird, aber hey, ich bitte um galantes Ignorieren dieser Tatsache. Irgendwo muss man doch anfangen. Vor allem bleibt zu bedenken, dass ich die ersten sieben Semester eher gestorben wäre, als in einer Vorlesung in einem Hörsaal aus freiem Willen meinen Senf dazuzugeben. Das habe ich heute gefeiert und fand Neuro für den Rest der VL gleich viel erträglicher.

    Arbeit, wie gesagt, lief sehr gut. Paniklos heute. Keine Ahnung, wieso nun genau, aber mir ging's besser als sonst. Zwischendrin habe ich noch versucht, für Laura bei dem Therapeuten anzurufen - ich habe mir extra von Ryk nochmal ihren Terminplan durchgeben lassen, den ich mir zu Hause auf einem Zettel notiert hatte, nur um festzustellen, dass der Mensch bis zum 3. Juli nicht zu erreichen ist. Dafür habe ich den neuen Auftrag bekommen, morgen mit seiner Vertretung zu reden. Ich bin's ihr schuldig, immerhin habe ich jetzt einen Termin zum EKG und Routinelabor. Bei welchem Arzt, muss ich zwar noch herausfinden, da ich versäumt hatte, Laura zu erklären, dass sie den Termin bei meiner Hausärztin machen sollte, aber das wird schon. Sprechstundenhilfe wird es mir schon sagen. Oh je.

    Nach der Arbeit habe ich mit Basti hier zu Hause gehangen, beim Pilzehäuten Ugly Americans geguckt und danach bei einer Folge Fringe ein paar Brötchen und Chips gegessen. Herrliches Leben. Ryk ist wahrscheinlich gerade erst mit der Arbeit fertig und trifft sich jetzt erstmal noch mit einem Kumpel, den es von Suizidgedanken abzuhalten gilt. So leid es mir tut, ich schlaf' jetzt. Ich falle langsam, aber sicher zusammen. Man darf auch nicht die Anstrengung unterschätzen, die das Containern von unseren Grillzutaten für Donnerstag dargestellt hat; etliche Kilo Gemüse durch die Gegend zu karren und wieder zurück (wenn der Spot nunmal auf dem Weg zur Arbeit liegt..) schlaucht irgendwie.

    Ade.

  • Genugsein. Eine Utopie.

    Nachdem ich heute festgestellt habe, dass ich zu benebelt für die Welt war.. nimm dir als Erklärung dazu lieber das hier. Eine gegen Ende wirklich beeindruckende Dokumentation einer zu wenig dokumentierten Welt, der zwischen Wachsein und Schlafen nämlich, ich habe noch genau eine ähnliche Aufnahme aus Vitoria, aber diese hier ist eigentlich, was das angeht, unparalleled.

    Ich konnte mich im Übrigen auch erst wieder daran erinnern, die Aufnahme überhaupt angefertigt zu haben, als ich das AG heute Früh bei mir im Bett liegen sah. Es hingen noch vier Stunden Schlaf dran, welche ich dir hier erspare.

    Mir ging's noch nicht wieder richtig gut, als ich aufwachte heute Morgen. Um ein Haar hätte ich meine Laune als Ausrede benutzt, mich einfach ganz wieder hinzuhauen heute an meinem komplett freien Tag. Zum Glück habe ich mir selbst entgegengewirkt und war lieber im Garten produktiv, bevor mich dann doch die Lethargie wieder packte und ich mich zurück ins Bett begab. Zu viel Vortex gezockt heute, eindeutig zu viel. Ich fühle mich unerfüllt.

    Ryk kommt Montag Früh schon. Meine Begeisterung darüber wird in erster Linie von dem Wissen getrübt, dass er Montag und Dienstag vier WG-Besichtigungen vor sich hat und sich das frühere Aufschlagen vor allem darin begründet, sowie von seiner grenzenlosen Egozentriertheit, mit der er es tatsächlich schafft, nicht zu begreifen, dass man betrunkenes Aspi bitte nicht mit Poly-Bemerkungen behelligt. Beziehungsweise von dem entsetzlichen Gefühl, das das schon wieder ausgelöst hat. (Es ist immer noch da, wenn auch nicht mehr so schrecklich doll.) Wie um alles in der Welt soll ich denn meine Mauerabbauarbeit leisten, wenn er alle paar Sekunden von vorne mit Bemerkungen in diese Richtung aufwartet. Ich dachte, ich könnte die Arbeit weitestgehend unbemerkt und ohne viel Theater vonstattengehen lassen, aber wie's aussieht, sollte ich ihm doch nochmal explizit mitteilen.. ach, was soll's. Mitteilen hin oder her, das wird doch nichts. Wieso geb' ich's nicht gleich komplett auf. Ich könnte auch einfach weiter auf der erfolglosen Suche nach jemandem vor mich hinvegetieren, dem ich schlicht und ergreifend und ganz ohne Aufopferung fragwürdiger Prinzipien genug bin.

  • Uägh.

    Und es hört nicht auf.

    Man muss dazu sagen, dass ich betrunken bin und bis vorhin noch sehr gut gelaunt durch die Gegend taperte- Dann kam ich nach Hause und rief Ryk an. 

    Er sagte jede Menge andere Sachen, gute Sachen, in dem Gespräch, aber ich verbrachte trotzdem die größte Zeit mit Heulen, einfach weil man damit nicht anfangen sollte, wenn ich in diesem Zustand bin.

    Heute habe ich frei und werde alles Mögliche an Dingen tun, die auf meiner Liste vermerkt sind. Basti und Trudi sind noch feiern. Ich habe es geschafft, mich zu widersetzen und zu Hause zu bleiben, auch wenn ich ihnen gesagt hatte, sie müssten mich nur genügend abfüllen, um mich zum Mitkommen zu überreden. Es hat aber nicht gereicht (wohl aber dafür, dass ich in Bastis Wohnung eine halbe Stunde lang zu dessen Remixes mit Ryks Kuscheldecke getanzt habe, die er dagelassen hat, als er wegzog).

    Ich gehe schlafen.

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Hier übrigens mein anderer Blog, "Save the lettuce" - für Verwendung und gegen Verschwendung: http://aspestie.blog.de/

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