Genug Schlaf bekomme ich eh nicht mehr, warum also nicht noch ein bisschen länger wachbleiben.
Himmel, was für ein merkwürdiger Tag gestern. Da hing ich den halben Vormittag lang einfach im Bett, habe zwar sinnvolle Dinge getan (Syntax, Vokabeln), aber das Unbewusste konnte sich zu einer Entscheidung in der Frage, ob es einen Panikmorgen einlegen sollte oder nicht, lange nicht durchringen und hat mich zu größeren Handlungen unfähig gemacht. Am Ende habe ich doch gewonnen, bin aufgestanden, habe mir Essen gemacht und mit Lena geskypet, um die Einzelheiten für den Nachmittag abzuklären.
Ich habe mir außerdem das Intro eines wunderschönen Liedes namens Lau Teilatu beigebracht.
Später war ich einkaufen für das Essen bei Lena, bin von da aus zu ihr gefahren und wir haben mit Joi Lasagne gemacht. Es ist außerordentlich erfrischend und erleichtert mich zutiefst, dass die beiden, obwohl sie inzwischen ja mehr oder weniger offiziell inoffiziell zusammen sind, sich weiterhin in Gegenwart Dritter wie normale Menschen verhalten - ich bin in der Richtung Schlimmeres gewohnt (man rufe sich einige meiner näheren Bekanntschaften aus der Vergangenheit in Erinnerung) und hatte dieser ersten Gelegenheit seitdem, mit den beiden alleine Zeit zu verbringen, schon mit einigem Unbehagen entgegengesehen. Einfach weil mich offenbar diese langjährige Erfahrung, "to be best friends with a couple", nachhaltig traumatisiert hat, auch wenn die Situation in dem Fall natürlich auch nochmal eine andere war. (Über den hypothetischen Verlust von Joi mach' ich mir keinen Kopf mehr; ich bin sehr überzeugt davon mittlerweile, dass es gar nicht besser hätte laufen können. Menschen von seiner Sorte sind als Kumpel weitaus besser auszuhalten als sonstwie. Wie ich zu Susmita neulich noch meinte, "being with Joi is a constant fight." Sie hat mir zugestimmt übrigens. Und das wäre mir auf Dauer doch zu anstrengend.)
Aber ehrlich. Was das alles angeht, bin ich so unsagbar froh, dass ich es nicht mehr aushalten muss. Hilfe, was für eine Qual, jede einzige Sekunde eine einzige riesige Qual, und das Ganze dann durch den Verdrängungsfilter unkenntlich gemacht; unkenntlich, aber dadurch nicht einfacher zu ertragen. Meine Erklärung für mich selbst damals war glaube ich, dass ich bedrückt war, alleine zu sein, während die beiden sich gegenseitig hatten. Oder so. Es müsste am Anfang des Blogs sogar irgendwo geschrieben stehen. Oh je. Diese ganz andere Welt, die sich da auftut.
An diese alten Zeiten habe ich auch gedacht gestern. Wahrscheinlich zu exzessiv, um die inzwischen so weiträumig ausgebaute Toleranzgrenze nicht doch irgendwie zu sprengen. Aber was soll man machen, heute wird's vielleicht wieder anders. Es wurde ja am Nachmittag gestern schon wieder anders, als ich mir den Spontankauf einer Flasche Energy beim Kaufland erlaubte (und dafür an der Kasse nach meinem Ausweis gefragt wurde, let's not go there, please) und diese im Laufe der nächsten Stunden fast leermachte. Joi meinte, es würde absolut nicht zu seinem Bild von mir passen, dass ich dieses Zeug konsumiere. Nunja. Falsches Bild. Die Lasagne war herrlich, die wir gemacht haben, und dank des Energys war ich wunderbar wach und ebenso gelaunt und habe in einer Tour beim Ubongo-Spielen gewonnen. Letztes Mal, als ich das mit Lena gespielt hatte, war ich soweit ich mich erinnere nur mittelmäßig.
Und dann war ja noch Fechten, was auch wieder gut war. May hat sich in den falschen Bus gesetzt und kam eine Stunde zu spät. Lena und Joi lagen oben auf einem Stapel Matten und haben uns beim Training zugeguckt. Ich habe einen meiner (mir persönlich) wertvollsten Ohrhänger in der Umkleide liegenlassen und noch dazu meine Flipflops dort vergessen. Lena war auf meinen panischen Anruf hin (aus dem Bus nach Hause heraus) so lieb, zur Sporthalle zurückzugehen, und hat ("du hast mehr Glück als Verstand") tatsächlich alle meine vergessenen Besitztümer gefunden. Oh was war ich ihr dankbar. Schon praktisch, dass sie direkt neben der Sporthalle wohnt, sonst hätte ich meinen wunderschönen costarricanischen Zufalls-Quetzal-Ohrhänger in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr wiedergesehen.
Gleich bin ich mit Sarah für einen Hof-Flohmarkt in der Stadt verabredet; ich treffe mich mit ihr um 11 und wünschte nur, ich hätte nicht den Rest meines Energys bei Lena stehen lassen, um vielleicht sogar in wachem Zustand dort anzukommen.
Ich schreibe zu viel, glaube ich.