szmmctag

  • Geben

    Waiting
    Waiting
    Waiting...

    Waiting for the words that never come.

    Rini aus unserem Zimmer im Baskenland hat zu Lisa etwas sehr Weises gesagt. Sie ist überhaupt sehr weise. Aber was sie gesagt hat, war: "Ich habe verstanden, dass ich nicht erwarten kann, dass ich irgendetwas, auch nur das kleinste bisschen, von dem, was ich gebe, je zurückbekomme."
    Aber sie gibt trotzdem.

  • Ein Fall wie Robert

    Nachdem eben gerade meine lieben Survivors, sprich, Laura und Robert, sich gegenseitig auf unterstem Niveau die Freundschaft - oder was das auch immer war - gekündigt haben (inklusive Facebook-Löschaktionen und trivialen Beleidigungen) und mein Abend dementsprechend auf nicht gerade angenehmste Weise zu Ende geht..

    ..weiß ich eigentlich auch gar nicht mehr, was ich eigentlich jetzt noch machen soll. Oder will, oder kann, oder was auch immer.

    Ich bin ein bisschen sauer, weil unsere (zumindest von meiner Seite) liebevoll angefertigte Fotocollage, die als Geburtstagsgeschenk für Janine fungieren soll, je nach Stand der Dinge nächste Woche am Ende nicht zum Einsatz kommen kann - wer will schon einen Haufen Bilder von Menschen, die sich gegenseitig nicht ausstehen können und zum Teil nicht einmal mehr miteinander reden. Hab' ich es Janine nicht noch gesagt. Aber nein, mir glaubt ja keiner.

    Nunja. Das wird es wohl fürs Erste gewesen sein mit den beiden. Wer weiß, wer als Nächster dranist. Ein Glück hab' ich momentan ein Leben. Und am Ende bin ich eh diejenige, die überlebt. Ich werd' als letzter Survivor von allen dastehen, alleine. Ich seh's kommen, juchu. -Macht ja nichts. Ich kann ja die Leute nicht zwingen, sich gegenseitig wichtig zu sein.

    Wie froh ich bin, so viel gelernt zu haben. Wie froh ich bin, immer noch weiter zu lernen.

    Spontanassoziation:

    (Es fehlt die Hälfte des Textes, dafür sind die Bilder extrem niedlich.)

  • Luft schnappen.

    Das ist der Flughafen in Bilbao - ein wunderbares Beispiel euskarisch-touristischer Dreisprachigkeit.
    CIMG0296

    Ich habe eine wunderbare Reise hinter mir, vor allem weil ein paar sehr nette Leute dabeiwaren und ich mich unglaublich wohlgefühlt habe mit ihnen. Und natürlich hat auch das Land an sich - trotz vier Tagen Dauersintflut - unbestreitbar ein schönes Ambiente und ich freue mich schon, dort bald eine längere Zeit verbringen zu können.

    Nun habe ich, seitdem ich nach Hause gekommen bin, zuerst mit Simone und danach mit meiner Mutter geredet und nebenher versucht, den Boden meine Zimmers wieder freizulegen (beziehungsweise die Matratze unseres Sofas, die immer noch von Lauras und Roberts Besuch daliegt und ab morgen schon wieder zum Einsatz kommt).

    Heute früh wurde ich übrigens von einem erfreulichen Anruf geweckt; ich habe einen Termin zum Probearbeiten am Freitag und somit eventuell demnächst eine neue Klavierschülerin. Sie ist fünf Jahre alt und irgendwie bezweifele ich, dass es so eine gute Idee ist, Kinder in diesem Alter schon mit Klavierspielen anfangen zu lassen - andererseits klang die Frau wirklich nicht wie jemand, der seine Kinder zu etwas zwingen würde, das diese nicht wirklich wollen, sodass ich mit der Hoffnung dort hingehen werde, dass die Kleine einfach überinteressiert und mit Spaß an der Sache dabei ist. Das wird sich ja leicht herausfinden lassen. Wenn das Interesse nicht so ausgeprägt ist, werde ich mit der Mutter aber nochmal ein Wörtchen reden müssen.

    Nun werde ich weiter aufräumen, waschen, saugen, backen, was man nicht alles macht, wenn einen die eigene Mutter nach anderthalb Jahren mal zu Hause besuchen kommt.

  • Zurück

    Mich gibt's wieder.
    Oder immer noch, wie man's nimmt. Jedenfalls ist dieser Monat nicht gerade der ruhigste, ereignisloseste hier bei mir - Laura und Robert waren da, dann kam das Baskenland, morgen kommt meine Mama, mein Zimmer sieht aus wie das letzte Schlachtfeld, ich muss los zur Uni. Baskisch. Passenderweise. Das Syntax-Tutorium heute morgen wurde einfach knallhart geschwänzt. Hatte nicht den Nerv, um halb acht aufzustehen nach dieser Woche.

    Ich werde Näheres berichten, sofern ich heute dazu komme.

  • Ökonomisch glücklich.

    Morgen kommen mich Laura und Robert besuchen! Wie schnell das jetzt auf einmal ging, ich bin noch gar nicht richtig dazu gekommen, es wirklich wahrzunehmen.

    Ich muss noch ein bisschen aufräumen und dann gehe ich heute abend nochmal los und suche weiter nach guten Spots zum Containern. Nachdem meine Spontanaktion gestern nacht eher erfolglos war (wobei ich immerhin einen Spot gefunden habe, wobei aber die zwei Broccolis, die ich erbeutet habe, wirklich nicht essbar aussahen, und der Joghurt dann bei genauerem Hinsehen doch schon leer und nur mit anderem Müll gefüllt war), wird es doch eigentlich Zeit, mal etwas zustandezubringen.

    Meine Container-Geschichte begann ja eigentlich am Sonntag. Da war ich ganz zufällig in einem kleinen Dorf hier in der Nähe, um mir ein paar Halsketten von einer Verschenkerin abzuholen (um sie nachher auseinandernehmen und daraus Ohrhänger machen zu können) und habe dann, ebenfalls sehr spontan, bei dem Supermärktchen neben der Bushaltestelle schnell mal in die Biotonne geguckt, und tadaa, es war alles voll, das reinste Paradies. Meine allererste Container-Ausbeute bestand aus zwei Stangen Lauch und einem Strauß lila Tulpen, die ich völlig begeistert mit mir im Bus herumtrug und nach Hause brachte. Am Abend bin ich gleich nochmal losgezogen, allerdings hat mich die (mutmaßliche) Besitzerin vom Balkon des danebenstehenden Hauses aus gesehen und zur Schnecke gemacht. Zu dem Zeitpunkt war ich aber trotzdem schon glückliche Besitzerin eines perfekten Bundes Radieschen, eines Fenchels und noch einer halben Stange Lauch. (Was wirklich ideal war; ich hatte eh vorgehabt, mir nach dem Wochenende Lauch zu kaufen, und habe mich heute schon den zweiten Tag von Nudeln und allerköstlichster Lauch-Pilz-Kokosmilch-Sahne-Sauce ernährt. Mit selbstgemachten Frühlingszwiebeln. So gefällt mir meine Ernährung. Und es ist immer noch was da. Und die Radieschen gibt's heute abend mit Mayo aufs Brot. Das wiederum habe ich mir vorhin vom Erlös vierer Pfandflaschen geholt, habe also sogar noch einen Cent draufbekommen und bin wirklich sehr zufrieden.)

    Ich habe nämlich beschlossen, diesen Monat erstmal so wenig Geld wie nur irgend möglich auszugeben und stattdessen endlich mal alles aufzuessen, was ich an Vorräten noch in meinem Schrank gelagert habe. Und es ist so viel - ich kann gar nicht glauben, dass ich normalerweise schon wieder einen Rieseneinkauf getätigt hätte.

    Naja, dafür werden die kommenden Tage gut reinhauen, wenn wir uns unserem Vorhaben gemäß dieses riesige Arsenal an Cocktailzuzaten beschaffen und am Freitag auf die Mainau gehen. Oh was freue ich mich dadrauf.

    Dafür muss ich jetzt aber noch etwas Syntax machen und Semantik noch dazu, und die neuen Vokabeln eintragen. In der nächsten Zeit werde ich eh wieder viel zu wenig dazu kommen, was für die Uni zu machen. Vor lauter schönem Leben nämlich.. hoffe ich.

  • Alltag

    Und wieder zu Hause nach einem langen Uninachmittag - Montag ist der stressigste Tag von allen dieses Semester. Ganze drei Veranstaltungen hintereinander - Lenguas y culturas minorizadas, Türkisch III und dann noch Syntax. Wo ich jetzt schon wieder drei Kapitel mit der Lektüre hinterherbin und einfach mal kein Wort verstehe. Das wird noch lustig vor der Klausur, ich sag's dir.

    Nein, ich beklage mich nicht - ich kann froh sein darüber, wie mein Stundenplan dieses Semester aussieht. Was mich viel mehr ärgert, ist eigentlich, dass zwei Sitzungen des wunderbaren Translation-Kurses den ganzen Feiertagen zum Opfer fallen. Wo ich es schon geschafft habe, mich da noch hineinzubugsieren.

    Aber hier zu Hause gibt es momentan ein bisschen Stress. Susmita wird Samas kleinkindhafte Unachtsamkeit mehr oder weniger langsam zu viel, sodass wir heute beschlossen haben, einen (von mir lange abgewehrten) Müll-, Putz- und Besorgungsplan zu erstellen. Back to 1st semester, sage ich da nur. Natürlich, das sind eigentlich nur typischste WG-Probleme, die huer zu beobachten [seien wir mal optimistisch] waren - dass einer daist, der einfach nie auf die Idee kommen würde, dass sich gewisse Dinge im Haushalt nicht von alleine erledigen. (Und der nach fünf Monaten tatsächlich mal auf die Idee kommt, mich zu fragen, wie wir das hier eigentlich mit dem Klopapier regeln.) Ich finde es trotzdem einfach unglaublich schade, auf Maßnahmen dieser Art wieder zurückgreifen zu müssen, nachdem wir davor lange genug in einer Gemeinschaft gelebt hatten, zu deren Funktionieren sie einfach nicht nötig waren.

    Aber nunja, was soll man machen. Wenn sogar Susmita schon am Durchdrehen ist, wird es wirklich allerhöchste Zeit. Dass ich das alles so lange mit ansehen konnte, hat Sama auch nur meinen Medikamenten zu verdanken, ansonsten wäre ich die Allererste gewesen, der hier der Kragen geplatzt wäre. Jetzt haben wir immerhin wieder eine Chance auf eine halbwegs zivilisierte WG.

  • Konserviert.

    Wheeeeey, ich habe sie wieder. Zumindest ein paar davon, die allerallerwichtigsten, gesegnet sei Recuva.

    Jetzt, wo ich diese wichtigsten Aufnahmen zur Feier ihres Immernochvorhandenseins gerade ein bisschen durchhöre - lang war's her - und mich durch sie in Zeiten zurückbegebe, in denen ich von besagter Offenheit aus dem letzten Eintrag noch einen Tick weiter entfernt war. Ich höre gerade diese ooVoo-Aufnahme vom 15.9.11, morgens früh, wir reden über Why Do You Want Him, gerade sind wir fertiggeworden damit, es zu spielen.

    "Den Text von dem letzten Teil seh' ich grad zum ersten Mal."
    "Was?"
    "Der ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich fand das Lied nie so toll.."
    "D'sch's erste Lied von ihnen, ever.."
    "..Ich weiß."
    "Also bitte."

    Und Worry Rock. Deadbeat Holiday. IIMALTY. My Life For Hire! The Downfall Of Us All! Oha. Wie wir durch die Songs gerauscht sind in dieser Nacht.

    Ich darf auch mal zwischendurch zurückgucken, oder? Ich muss doch nicht immer so tun, als wäre mir alles egal, um nicht so quengelig zu wirken. Oder? Dafür gibt's ja das echte Leben, fake it 'til you make it, Leute, die man nicht nach Jahren immer noch mit diesem Zeug zunölen möchte, selbst auf Kosten der Ehrlichkeit.

    Unglaublich, wie ich in den Aufnahmen, die in meiner random Wiedergabe manchmal kommen, immer sofort weiß, ob Şahin darauf im Raum war oder nicht. Fast unabhängig davon, ob man ihn tatsächlich hört. Ich höre ihn aus meiner eigenen Stimme heraus, aus der Beschaffenheit der Stille, manchmal in der allerersten Sekunde - ich brauche eigentlich nur einmal kurz zu atmen. Der ganze Raum hört sich anders an.

    Und wenn ich mit ihm geredet habe, habe ich mich nicht wirklich angehört wie sonst. Hätte mir das mal jemand gesagt damals. Oh nein, ich höre mich an, als würde ich mit einem Chihuahua reden. Mit einer Mischung aus Billie Joe Armstrong und Kleinkind und Chihuahua. Wahrscheinlich hatte er doch Recht - wenn's wirklich drauf ankommt, kann ich absolut nicht lügen. Ich hab's nicht drauf.

    Roadside. Oh je. Was habe ich versucht, das zu lernen. Wie frustrierend, ihn es in so einem verschwenderischen Tempo vor sich hinrasen zu hören.

    "Was ist das? ... Was ist denn das?"
    "Was denn? .. Ich schwör dir, es ist keine Spinne!"
    "Doch!"
    "Nein! Es ist so not a spider. .. Und auch kein, Dings.. Spinnennetz."

    Untitled 11.

    Ritual
    .

    Hach, ich mache mal aus. Jetzt weiß ich ja, dass ich es wiederhabe. Und ich freue mich gewaltig darüber, es einfach anhören zu können und nur sehr begrenzt verzweifelt dabei zu sein. Eigentlich nur vor allem mal wieder angesichts seiner Dummheit, das einfach wegzuschmeißen. Wir waren schon gut zusammen, einfach zwei Leute zusammen. Was für eine Verschwendung.

  • Müllabfuhr

    Wenn nur die Leute zu sich gegenseitig so ehrlich wären wie in ihren Blogs.

    Ich bin's ja selbst oft nicht, also was soll ich sagen - aber es ist so schade. Und vor allem, dass sich so Viele hier im Internet ein Ventil einrichten, das die ganze angestaute Ehrlichkeit einsaugt und in alle Winde verweht wie so ein riesiges schwarzes Loch. Da sieht man besser als an jedem anderen Ort, wie sehr sich eigentlich die Bilder gleichen. So viel Unklarheit, Verwirrung, Verzweiflung, so viel Schmerz, so viele Gefühle. So ein enormes kollektives Bedürfnis nach Verständnis, Zuneigung, Liebe. Irgendwas läuft da doch ganz schrecklich falsch, dass einfach jeder für sich vor einem Computer hockt und seine ganze Gefühlswelt auf diesem gewaltigen Müllhaufen entleert, weil sonst augenscheinlich niemand bereit ist, sich ihrer anzunehmen.

    Was hält mich davon ab, Menschen in meinem direkten Umfeld dieselbe Offenheit zukommenzulassen, wenn ich mir im Grunde doch nichts mehr wünsche, als dass mir jemand anders das gleiche Privileg angedeihen lässt? Und was bringt es eigentlich, nicht verletzt zu werden, nicht fallengelassen zu werden, nicht für gestört gehalten zu werden, nicht gehasst zu werden, niemanden zu verlieren, wenn man Teile seiner Persönlichkeit dafür verleugnet?

    Und manchmal hilft es ja alles nicht einmal was. -Weiß ich zufällig aus erster Hand. Ich hab' so eine einzigartig blendende Verleugnungsarbeit geleistet, dass ich am Ende selber nicht mehr wusste, was eigentlich echt ist und was ich mir nur ausdenke. Eigentlich hatte ich nur ein bisschen zu viel Zuneigung. Dagegen sollte im Prinzip doch niemand etwas haben. Und dann bin ich verlassen worden, yay. Danach bin ich mit meinen guten Freunden offener geworden. Von denen hat mich bis jetzt noch keiner verlassen, also.. es scheint zu wirken. Mit der, die zurückkam, bin ich so offen, wie es nur irgendwie geht, ohne mir noch mehr Blöße zu geben. Auf jeden Fall schonmal bedeutend mehr als früher, natürlich, wie nicht.

    Zu dieser 180°-Drehung wäre ich aber alleine - ohne den Weltuntergang damals - ums Verrecken nicht gekommen. Selbst wenn ich damals gewollt hätte.

    Jetzt gerade bin ich in einem ziemlichen Schockzustand, weil mir meine 32GB-Speicherkarte offenbar kaputtgegangen ist und jede Menge Daten, die ich darauf gesichert hatte, verstümmelt bzw nicht mehr verwendbar sind. Macht ja nichts, dass es einige meiner wichtigsten Aufnahmen waren. Macht ja gar nichts, dass es alles mögliche Zeug war, das niemand anders hatte und ich niemals im Leben wiederekomme. Macht ja gar nichts. Oh je.

  • Start in den Mai mit einem ziemlich ungewöhnlichen Tag.

    Heute war kein Tag wie jeder andere. Nein, das war es nicht unbedingt. Und das dachte ich ja schon, bevor er überhaupt anfing, wirklich einzigartig zu werden.

    Heute war der Tag, an dem ich mich ausgesperrt habe, zum ersten Mal barfuß um mein Zuhause herumgelaufen bin, auf unserer Terrasse geschlafen habe, während nebenan die Jungs aus dem Asi-Heim ihre Freestyle-Rap-Session hatten und wahrscheinlich bis zur Uni hochgedröhnt haben ("Sarah! Du Schlampe! Sarah! Du Miststück, du Schlampe!")...
    An dem ich zweimal an den gleichen Ort gefahren bin und keinmal das erledigt habe, was ich dort tun wollte, dann mangels Bussen (Feiertag..) zu Fuß die halbe Stadt durchquert habe - zweimal. An dem unser Internet ausfiel. An dem ich abends um neun am See langging und mir dachte, dass dieser Tag dafür gemacht war, mir in Erinnerung zu rufen, dass man auch anders leben kann. Dass man auch anders leben kann.

    Und letztendlich auch der Tag, an dem mich ein absurd gut aussehender, intelligenter, sehr, sehr betrunkener Mensch geküsst hat, während ich dabeiwar, einen Plan für die Umgestaltung seines Zimmers zu erstellen, welches ich gerade zum ersten Mal betreten hatte.

    Um das genauer zu erläutern; ich habe ihn auf dem Rückweg nach Hause an einer Bushaltestelle aufgegabelt, weil er so schlimm getorkelt ist, dass ich zuerst dachte, er hätte irgendwas ganz anderes als nur Alkohol zu sich genommen. Ich habe ihn da hocken sehen und hatte so sehr das Bedürfnis, ihm zu helfen. Ich hätte sogar meinen Bus vorbeifahren lassen, damit endlich die anderen Leute alle weggewesen wären, aber er hat selbst versucht, auf besagten Bus zuzusteuern, sodass ich hingehen und fragen konnte, ob er okay sei. ("Nein. -Pause.- Ich bin ganz offensichtlich nicht okay." Ein guter Start für eine Unterhaltung, solche herrlichen Antworten bekommt man von nüchternen Menschen erst gar nicht.)

    Wir waren dann im falschen Bus, wie sich herausstellte, als ich kurz vor Endhaltestelle nochmal nachgefragt hatte, wo er denn rausmüsse. Es war aber nicht schlimm; er war wirklich sehr umgänglich für seinen Zustand, und außerdem wirklich intelligent und sehr gutaussehend, ich erwähnte. Ich habe gerne mit ihm geredet. Ich mag es so gerne, mit Betrunkenen zu reden; die haben den Vorteil, dass man sicher sein kann, sie werden sich nie so hundertprozentig an irgendwas von dem Ganzen erinnern. Und sie machen sich weniger Gedanken um Konventionen.

    Ich habe ihm jedenfalls gesagt, er solle erstmal wieder zu Verstand kommen. Wenn er sich morgen noch erinnert, kann er ja vorbeikommen, wenn ich in der Uni wieder Kuchen verkaufe. Irgendwie.. öhm.. bezweifele ich es aber ein ganz kleines bisschen.
    Als ich nach Hause wollte, hat mich sein Mitbewohner noch zur Bushaltestelle gebracht und ich habe mich noch mit ihm unterhalten, auch ein ganz toller Mensch.

    Ich hatte einen interessanten Tag. Wie war dein erster Mai so?

  • Das ist Wahnsinn..

    Und deshalb gehe ich gleich mal schauen, was die Mülltonnen der Supermärkte dieser Stadt so hergeben. Wenn ich Glück habe, bekomme ich Sarah überzeugt, auch mitzumachen. Sie ist gerade hier und wir wollen noch ein bisschen proben.

  • So long ago.

    Ich kenne und liebe dieses Lied länger als jeden Redundant Nimrod, aber noch nie habe ich es so sehr verstanden wie jetzt.
    Keine Worte.
    Ich gehe schlafen.

  • Life of Chaos

    Morgen wird ein riesiges Chaos. Bei der Besprechung für die Baskenland-Exkursion im Mai wurde ja festgelegt, einen Kuchenverkauf zu veranstalten, um noch ein bisschen Geld reinzubekommen, und ich hatte mich für die Organisation gemeldet, mit noch zwei Anderen. Nun haben wir gestern bescheidbekommen, dass morgen unser erster Verkaufstermin ist - also Stress ohne Ende und Doodles hier und Rundmails da und das alles mitten in der Nacht. Bis jetzt haben sich genau zwei Leute für Schichten eingetragen, mich eingeschlossen. Immerhin gibt es ein paar, die schon etwas gebacken haben. Zur Not stehe ich halt alleine da.. Na das kann ja was werden.

    Ansonsten, naja. Ich war gestern bei Sarah, wir haben uns (sehr gründlich und ertragreich) auf dem Hofflohmarkt umgeguckt und dann bei ihr etwas gegessen und Tee und Kaffee getrunken und zusammen ein paar Ohrhänger gemacht. (Ich war davon so inspiriert, dass ich am Abend gleich noch drei Paar aus meinen eigenen Materialien hergestellt habe.) Am Morgen wurde den zweiten Tag in Folge beim Erwerb einer Flasche Energy nach meinem Ausweis gefragt. Irgendwas läuft da verkehrt. (Zumindest hatte ich gestern die Entschuldigung von nur anderthalb Stunden Schlaf.)

    Abends war ich dann schlafmangelbedingt mit den Nerven etwas fertig und hatte meinen ersten Nervenkollaps seit November letzten Jahres. Zuerst war ich eigentlich nur genervt von Robert, aber bei mir eskaliert sowas ja gerne mal. (Von früher ausgehend zumindest, nicht vom letzten halben Jahr.) Janine, die Arme, hat sich von mir zuheulen lassen und ihr Bestes getan, mir zu versichern, dass diverse Sachen schon wieder in Ordnung kommen würden. So ein lieber Mensch.
    Und dann war ich umso froher, als Laura nachher dazukam und wenigstens wir alle uns noch ein-zwei Stunden lang harmonisch und erfüllend unterhalten haben. (Zumindest kam es mir so vor.) Und sie hat zugesagt, zu Janines Geburtstag zu kommen, und Becci hat Robert gefragt, ob wir beide vorher mal bei ihr vorbeischauen wollen. Wir haben uns so ewig nicht gesehen! Eigentlich kennen wir uns ja gar nicht wirklich. Aber das wird herrlich, ich hab's im Gefühl.

    Und ich gehe nur noch ein Mal zu SchülerVZ zurück, nämlich um meine Nachrichten da herauszukopieren. Ich gehe nicht mehr zu uns in die alte Gruppe. Da ist alles falsch und leer. Ich muss aufhören, mich an die Vergangenheit so zu klammern.

  • Nicht nachdenken.

    Habe (bis jetzt zumindest schonmal) durchgemacht und SchülerVZ-Sachen gesichert. RN-Einträge, Gruppen, Pinnwände von diversen da- und/ oder ehemaligen RNs (Yup. So creepy bin ich. Steht sogar so im Dateinamen).  SchülerVZ wird ja geschlossen, in drei Tagen, um genau zu sein. Da ich es diese Nacht dann endlich mal geschafft habe, mich zu überwinden, da reinzugehen, konnte ich dann auch mal mit dem sinnlosen Zusammensammeln einzelner Klümpchen RN-Geschichte beginnen, meine lang verdrängten (oder so gut es ging ignorierten) Schätze aus der Zeit vor dem Feuer retten. So sinnlos. Der reichste Mensch der Welt sitzt jahrelang auf seinem Berg aus Scheinen, um im Angesicht der schließlich nahenden Feuersbrunst verzweifelt, gierig, fassungslos mit den Händen voll davonzulaufen mit kläglichen Überresten seines Reichtums - so viel, dass es mehr als genug war für ein ganzes Leben, etwas, das er nie geglaubt hatte zu verlieren.

    Und wie erbärmlich, sich daran noch zu klammern.
    Aber es ist auch meine ganze Vergangenheit, diese Gruppe - alles, wodurch ich wurde, was ich heute bin. Was soll man denn machen als hilflose krankhafte Nostalgikerin. Was soll ich denn machen, wenn die Zeugnisse dieser ganzen Jahre auf einmal verschwinden, wie JO es damals nach dem ersten - unnötigen - Löschdrama schon so treffend sagte - "als hätte es uns nie gegeben".

    Anzufangen, darüber nachzudenken, ist dumm und führt zu nichts, außer einer ganz ekelhaft entsetzlichen Laune, einer ganz unbeschreiblich ekelhaft entsetzlichen Laune.

    Ich kann sie nicht einfach zu Grabe tragen, nicht jetzt, nicht hier, und selbst nach dem 30. April, wenn von meiner ganzen RN-Existenz nichts mehr übrig ist als das, was in unser aller Köpfen an verzerrten, verschwommenen, verfärbten Erinnerungen steckt - bei jedem anders, bei jedem andere, bei jedem von uns einzigartige Erinnerungen an diese Zeit, die unsere Leben so oder so auf eine Art mehr oder weniger maßgeblich beeinflusst hat. Ein bisschen maßgeblicher bei mir. Bei allen, die heute noch übrigsind. Oh nicht nachdenken. Nicht nachdenken, nicht nachdenken, nicht nachdenken. Es ist ein Teil von mir, der weggeht. Noch einer. Noch mehr letzte Fossilien. Nicht nachdenken.

    Ich möchte mir selbst, auch wenn es zu verinnerlichen außerhalb meiner Macht steht (leider), in Erinnerung rufen, dass das Festkleben an Vergangenem das Sinnloseste ist, was man nur tun kann. DO AS I SAY, NOT AS I DO.

  • Verwirrter Schwall von zu viel Zeug

    Genug Schlaf bekomme ich eh nicht mehr, warum also nicht noch ein bisschen länger wachbleiben.

    Himmel, was für ein merkwürdiger Tag gestern. Da hing ich den halben Vormittag lang einfach im Bett, habe zwar sinnvolle Dinge getan (Syntax, Vokabeln), aber das Unbewusste konnte sich zu einer Entscheidung in der Frage, ob es einen Panikmorgen einlegen sollte oder nicht, lange nicht durchringen und hat mich zu größeren Handlungen unfähig gemacht. Am Ende habe ich doch gewonnen, bin aufgestanden, habe mir Essen gemacht und mit Lena geskypet, um die Einzelheiten für den Nachmittag abzuklären.

    Ich habe mir außerdem das Intro eines wunderschönen Liedes namens Lau Teilatu beigebracht.

    Später war ich einkaufen für das Essen bei Lena, bin von da aus zu ihr gefahren und wir haben mit Joi Lasagne gemacht. Es ist außerordentlich erfrischend und erleichtert mich zutiefst, dass die beiden, obwohl sie inzwischen ja mehr oder weniger offiziell inoffiziell zusammen sind, sich weiterhin in Gegenwart Dritter wie normale Menschen verhalten - ich bin in der Richtung Schlimmeres gewohnt (man rufe sich einige meiner näheren Bekanntschaften aus der Vergangenheit in Erinnerung) und hatte dieser ersten Gelegenheit seitdem, mit den beiden alleine Zeit zu verbringen, schon mit einigem Unbehagen entgegengesehen. Einfach weil mich offenbar diese langjährige Erfahrung, "to be best friends with a couple", nachhaltig traumatisiert hat, auch wenn die Situation in dem Fall natürlich auch nochmal eine andere war. (Über den hypothetischen Verlust von Joi mach' ich mir keinen Kopf mehr; ich bin sehr überzeugt davon mittlerweile, dass es gar nicht besser hätte laufen können. Menschen von seiner Sorte sind als Kumpel weitaus besser auszuhalten als sonstwie. Wie ich zu Susmita neulich noch meinte, "being with Joi is a constant fight." Sie hat mir zugestimmt übrigens. Und das wäre mir auf Dauer doch zu anstrengend.)

    Aber ehrlich. Was das alles angeht, bin ich so unsagbar froh, dass ich es nicht mehr aushalten muss. Hilfe, was für eine Qual, jede einzige Sekunde eine einzige riesige Qual, und das Ganze dann durch den Verdrängungsfilter unkenntlich gemacht; unkenntlich, aber dadurch nicht einfacher zu ertragen. Meine Erklärung für mich selbst damals war glaube ich, dass ich bedrückt war, alleine zu sein, während die beiden sich gegenseitig hatten. Oder so. Es müsste am Anfang des Blogs sogar irgendwo geschrieben stehen. Oh je. Diese ganz andere Welt, die sich da auftut.

    An diese alten Zeiten habe ich auch gedacht gestern. Wahrscheinlich zu exzessiv, um die inzwischen so weiträumig ausgebaute Toleranzgrenze nicht doch irgendwie zu sprengen. Aber was soll man machen, heute wird's vielleicht wieder anders. Es wurde ja am Nachmittag gestern schon wieder anders, als ich mir den Spontankauf einer Flasche Energy beim Kaufland erlaubte (und dafür an der Kasse nach meinem Ausweis gefragt wurde, let's not go there, please) und diese im Laufe der nächsten Stunden fast leermachte. Joi meinte, es würde absolut nicht zu seinem Bild von mir passen, dass ich dieses Zeug konsumiere. Nunja. Falsches Bild. Die Lasagne war herrlich, die wir gemacht haben, und dank des Energys war ich wunderbar wach und ebenso gelaunt und habe in einer Tour beim Ubongo-Spielen gewonnen. Letztes Mal, als ich das mit Lena gespielt hatte, war ich soweit ich mich erinnere nur mittelmäßig.

    Und dann war ja noch Fechten, was auch wieder gut war. May hat sich in den falschen Bus gesetzt und kam eine Stunde zu spät. Lena und Joi lagen oben auf einem Stapel Matten und haben uns beim Training zugeguckt. Ich habe einen meiner (mir persönlich) wertvollsten Ohrhänger in der Umkleide liegenlassen und noch dazu meine Flipflops dort vergessen. Lena war auf meinen panischen Anruf hin (aus dem Bus nach Hause heraus) so lieb, zur Sporthalle zurückzugehen, und hat ("du hast mehr Glück als Verstand") tatsächlich alle meine vergessenen Besitztümer gefunden. Oh was war ich ihr dankbar. Schon praktisch, dass sie direkt neben der Sporthalle wohnt, sonst hätte ich meinen wunderschönen costarricanischen Zufalls-Quetzal-Ohrhänger in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr wiedergesehen.

    Gleich bin ich mit Sarah für einen Hof-Flohmarkt in der Stadt verabredet; ich treffe mich mit ihr um 11 und wünschte nur, ich hätte nicht den Rest meines Energys bei Lena stehen lassen, um vielleicht sogar in wachem Zustand dort anzukommen.

    Ich schreibe zu viel, glaube ich.

  • Wieder etwas erreicht!

    Uiuiui, was für ein Privileg! Ich war vor einer Woche in der ersten Sitzung des Advanced Translation Skills-Kurses, welcher wider mein Erwarten bis zum Gingnichtmehr überfüllt war - der Dozent (ein überaus interessanter Mensch übrigens, dessen irritierende Angewohnheit, permanent mit den Augen zu blinzeln, mich nicht davon abgehalten hat, auf der Stelle einen meiner üblichen Mini-Crushes auf gut aussehende fähige Übersetzer auszubilden) hat Anfang der Woche eine Liste aller Teilnehmer an seinem Büro ausgehängt; ich stand nicht drauf und habe ihm eine Mail geschrieben, er solle sich das doch bitte anders überlegen. Nun hatte er mir bis heute vormittag noch nicht zurückgeschrieben, also bin ich vorhin nach Semantik schnell zu ihm hochgegangen, um nochmal nachzufragen. Und siehe da, er hat für mich eine Ausnahme gemacht. Ich bin unter lauter 8.- und aufwärts-Semestlern als einzige BA-Studentin in dem Kurs, alles dank meiner wunderbaren Eigeninitiative. Sowas hätte mir vor ein paar Jahren auch niemand erzählen können - ich habe doch immer und überall nur kampflos aufgegeben. Und dazu hat er mir noch den Namen einer Masterstudentin gegeben, die in Hildesheim Basic Translation gemacht hat. Schön ist das Leben.

    Ansonsten geht's mir auch gut; das Wetter ist wieder schön und ich habe gestern unglaublich viel geschafft, unter Anderem war ich beim Mediamarkt und habe nach externen Festplatten geguckt (nur um festzustellen, dass sie abartig viel kosten, nichts da mit 2TB für 80€ wie im Onlineshop angegeben), und schön viele Vokabeln habe ich eingetragen und sogar für Syntax habe ich angefangen, in diesem sündhaft teuren Buch zu lesen, das wir für das Seminar brauchen. Ehrlich. 40,90€ für ein Buch über minimalistische Syntax des Englischen, das du nichtmal haben willst - die sind auch nicht mehr ganz dicht, wer diese horrenden Preise auch immer festlegt.

    Caro hat die Fotos vom Wochenende zu Dropbox geladen.. Skurril.
    Meine Redundant Survivors besuchen mich Anfang Mai, dafür haben wir gestern schonmal einen ungefähren Zeitplan erstellt.
    Und Anfang Juni geht's hoch zu Janine, das wird bestimmt auch episch - ich wollte sie noch fragen, ob sie nicht Becci (die immerhin von uns allen, Robert eingeschlossen) am nächsten an ihr dranwohnt) auch noch einladen kann, dann würde ich die nach dem einen kurzen Treffen vor immerhin mehr als vier Jahren auch mal wieder zu Gesicht bekommen. Mal schauen.

  • Containern

    Oh, ich würde.. Wäre ich nicht so schrecklich faul. Wenn ich wüsste, wo. Hier in der Gegend soll es besonders schwierig sein, weil wohl fast alle Märkte ihre Container abschließen. Aber oh, wie ich würde. Gerade jetzt habe ich so einen enormen Motivations-Rush. Verschwendung, niemand hasst Verschwendung mehr als ich. Ich ziehe so eine Freude aus der "Rettung" zum Wegwerfen bestimmter Dinge. Ich benutze meine Streichhölzer von beiden Seiten. Ich schreibe meine Notizen auf winzigen Fetzen Papier. Ich behalte alte Briefumschläge und recycle sie bei Gelegenheit. Ich habe heute wieder einen Haufen Sachen beim Stoffwechsel abgegeben, weil es einfach so eine tolle Sache ist. Nachher bringe ich nochmal ein paar Paar Socken hin und gebe Susmita welche von meinen Coupons ab, damit sie sich neue Klamotten dafür aussuchen kann. Ich selbst brauch' wirklich keine mehr.

    Ich habe natürlich auch das ultimative Glück, dass die Facebook-Verschenk's-Seite hier so wahnsinnig gut läuft. Da können andere Städte nur von träumen. Manchmal denke ich wirklich, eine Schande ist es, dass ich bald hier wegbin und mir wahrscheinlich nie hier einen eigenen Haushalt gründen werde - meine ganze Wohnungseinrichtung könnte ich mir so zusammensammeln, andere Leute von ihrem Ballast befreien und kein Geld und keine Ressourcen in den Erwerb unnötiger neuer Gegenstände investieren. Wenigstens blühen sie inzwischen überall auf; die Wahrscheinlichkeit, bei der Eingabe von "Verschenk's" und einer Stadt oder Region bei der Facebook-Suche ein passendes Ergebnis zu finden, ist gar nicht mal so gering.

    Und Foodsharing! Wenn das erstmal richtig ins Rollen kommt, sieht die Welt doch schon wieder ein ganzes Stück besser aus. Es sollte fast schon Pflicht sein, dass sich jeder einen Foodsharing-Account erstellt. So eine unermessliche Freude steckt hinter dem Prinzip der Nachhaltigkeit.

  • Whole[r].

    So, sie ist weg, schnell ging das.

    Es war gut.  Ich bin sehr, sehr froh; es macht mich so hoffnungsvoll im Hinblick auf alles, was kommt. Es hat gut geklappt. Es ist gut, dass sie dawar.

    Und ein schönes Wochenende war es auch; gestern zum Beispiel war der zuvor bei Facebook organisierte Klamottentauschbrunch bei einer lieben freiwilligen Gastgeberin und ich habe so einen unglaublichen Stapel wunderschöner Sachen abgestaubt, es ist einfach unfassbar. Unter Anderem eine indische Pluderhose, ein irres kroatisches Kleid und ein grünes Ding mir einer ewig langen, spitz zulaufenden Kapuze, das Sama, als ich es ihr nachher zu Hause gezeigt habe, ganz außer sich vor Enthusiasmus als Goa-Sweater identifiziert hat. Und als wäre das noch nicht genug, ist heute, morgen und übermorgen in der Uni auch noch "Stoffwechsel", das gleiche Prinzip in etwas größerem Rahmen. Wie ich so etwas liebe.  Ich werde ja eine ganz neue Garderobe besitzen nach den paar Tagen.

    Und deshalb muss ich mich auch langsam mal wieder aufmachen und zur Uni fahren. Ich war ja gerade eben schon in der Stadt, um Caro zum Bus zu begleiten. Und ich sehe gerade, dass ich noch zwei Minuten habe, bis mein Bus zur Uni fährt. Ich sollte mich beeilen.

  • Das Chaos beseitigen.

    Okay. Ich habe bis jetzt noch nichts Gegenteiliges gehört, also nehme ich mal an, sie zieht es durch und kommt heute abend. Das heißt, ich habe bis dahin verdammt viele Aufräum-, Putz-, und anderweitige Maßnahmen zur Akzeptabilisierung meines Wohnraumes zu tätigen. Zum Glück habe ich kaum Muskelkater - anders als befürchtet; ich habe mich ja mit Susmita zum Fechten an der Uni angemeldet und gestern war das erste Mal Training. Und da ich, seitdem ich damals mit dem Fechten aufgehört habe, keinen Sport irgendwelcher Art mehr betrieben hatte, ging das gestern doch ganz schön auf die Oberschenkel. Und die Hüfte. Und überhaupt. Aber schön war es. Ich konnte mich sogar ein bisschen noch an die Bewegungsabläufe erinnern.

    Das Kochen vorher bei May war auch schön. Ich kam mir ein bisschen unnütz vor, weil ich gestern einen nicht sehr feinmotorischen Tag hatte - einen von der Sorte, wo alles, was du anfasst, in einer Katastrophe endet. In dem Wissen habe ich die meiste Zeit nur mit Joi und Lena auf dem Sofa gesessen; die beiden verstehen sich prächtig, es kann eigentlich gar nicht mehr lange dauern, bis sie zusammenkommen. Lustig, weil ich diejenige war, die dafür gesorgt hat, dass sie sich kennenlernen. Das wäre das erste Mal, dass ich irgendwie in größerem Ausmaße daran beteiligt wäre, dass Freunde von mir eine Beziehung anfangen. Ich bin dem gegenüber ja eigentlich skeptisch eingestellt, weil Joi einfach die Arroganz in Person sein kann und Lena ein sensibler Mensch ist, der eigentlich nicht schon wieder einen Freund verdient hat, der sie in Diskussionen am Ende zum Heulen bringt. Aber dafür haben sie ihre Begeisterung für Sport und eine überdurchschnittliche Intelligenz gemeinsam. Ich bin nur ein bisschen verwirrt, weil ich mich eigentlich noch gar nicht entschieden hatte, ob ich ihn nicht vielleicht selbst doch auch ganz gerne mag. Ich brauche ja bekanntlich immer ein bisschen länger für sowas. Aber umso besser, so wird die Entscheidung mir abgenommen und ich ende nicht wieder als nervliches Wrack irgendwo in der Ecke.

    So, gerade hat mich mein Vater bei ooVoo angeschrieben - ich werde mir mal was zu essen machen und mir dann ein bisschen Zeit nehmen, mit ihm zu reden. So toll kann er sich ja auch nicht fühlen da ganz alleine im Haus. Mama ist in Kopenhagen mit ihrer besten Freundin; das ist ein ziemliches Glück für sie, so muss sie nicht in dem katerlosen Haus ohne viel Ablenkung vor sich hinvegetieren und hat gleich jemanden, der sie aufmuntert. Hoffentlich bringt ihr das ein bisschen Energie für die Zeit nach ihrer Rückkehr morgen.

    Und dann mache ich mich an die Arbeit; ich habe ein recht verkommenes Bad und ein noch verkommeneres Zimmer in bewohnbares Gebiet zu verwandeln.

  • Festgemacht

    Manchmal verfluche ich innerlich meine Familie und engen Freunde dafür, dass sie alle so gar keinen Hang zum Fotografieren haben.So wie jetzt, wo ich der Tatsache ins Auge sehen muss, dass es nicht mehr als eine Handvoll Fotos von mir und dem Kater gibt, geschweige denn eins von ihm mit der ganzen Familie. Das hatte ich noch gesagt, als ich jetzt über Ostern dawar. "Wir müssen eigentlich mal ein Foto von uns allen zusammen machen." Wir haben es nur nicht gemacht.

    Auch sonst ist es unpraktisch, offenbar die einzige fotografisch veranlagte Person im Umkreis von Kilometern zu sein. Wann immer ich mit Leuten etwas unternehme, existieren danach haufenweise wunderbare Bilder. Von allem und jedem, außer mir natürlich. Klar, ich bin auch nicht gerade das fotogenste Geschöpf unter der Sonne, aber ein bisschen liegt es ja schon auch an der mangelnden, naja, Quantität. Schade sowas. Dafür freue ich mich immer doppelt und dreifach, wenn doch mal ein schönes Bild von mir durch Zufall oder andere mysteriöse Umstände zustandekommt. Und versuche mich nicht zu sehr zu grämen, wenn es wieder mal nicht der Fall ist. Perú mit Simone wird so eine Gelegenheit werden.

    Hach ja. Über was für eine überflüssige Scheiße ich mir jetzt schon wieder Gedanken mache. (Überflüssige Scheiße being, wenn man die teilweise Todesursache meines Katers in Betracht zieht, vielleicht nicht die günstigste der günstigen Wortwahlen heute.)
    -Nicht wundern, wenn ich normal klinge. Sagte ich damals schon, als ich den RNs verkündete, dass Dari gestorben war. Mein Kätzchen, meine beste Freundin. Aber was soll ich machen, ich kann doch nicht die ganze Nacht durchheulen. Und es ist so richtig eigentlich, dass er eingeschläfert wurde; es ging ihm ja schlecht und meine Eltern waren auch schon so gestresst und sind monatelang nur noch auf dem Zahnfleisch gegangen. Und er selbst ja erst recht. Dann muss ich damit ja doch irgendwie klarkommen.

    Gerade habe ich mit Sarah telefoniert, unserer ehemaligen Mitbewohnerin - das war mal wieder mehr als fällig und ich freue mich unendlich, dass wir uns immer noch einfach ohne Probleme unterhalten können und die langen Abstände zwischen den Gesprächen unserem guten Draht zueinander keinen Abbruch tut. Ich bin mal wieder so dankbar für alles.

    Mit Caro habe ich auch geschrieben; sie hat Angst vor dem Wochenende (ohne dass ich irgendwas getan hätte, um ihr welche zu machen) und wünscht sich glaube ich mittlerweile, sie hätte diese gowaiverdammten Tickets nicht schon gebucht und überhaupt diese ganze Idee nicht gehabt. Sie macht sich eine unfassbare Panik, ich glaube es gar nicht, sie fürchtet sich richtig davor, mich zu sehen und am Ende noch irgendetwas falsch zu machen. Während ich auf das alles mit so offenem wie gelassenem Herzen herangehe und mir einfach denke, wenn's klappt, is' gut. Und wenn nicht, dann auch. Ich habe mein Leben, ich bin zufrieden ohne sie. Mein Glück kommt aus ganz anderen Quellen. Oh hoffentlich verlässt mich niemand, der mir wichtig ist, in naher Zukunft. Dann kann ich, mit ihrer aller Unterstützung (auch wenn das paradox klingt auf den ersten Blick), weiter daran arbeiten, unabhängiger zu werden und eben meine ganze Existenz nicht mehr an anderen Menschen festzumachen.

  • Kolkwitzie

    Heute mittag stand ich kurz auf der Terrasse - um die Wetterlage zu checken - und habe mich umgeguckt und dachte nur, meine Güte, der Frühling ist so wundervoll. Die Sonne hat geschienen und zwischen ihr und mir waren die ersten kleinen halbtransparenten Blättchen von diesem Strauch, der immer die knallroten Beeren trägt. So ein unglaublicher Anblick, das hellgrüne  Leuchten von diesen Blättern und den roten Beeren dazu in der strahlenden Sonne.

    Die Kolkwitzie fängt auch schon an auszutreiben. Ich habe sie heute angesehen und mich dabei erst wieder überhaupt an ihre Existenz erinnert. Dieses ganze Depressionszeug hat irgendwie meine Sicht auf die Vergangenheit benebelt. Stelle ich immer wieder mal fest. Es wird jedenfalls wieder eine atemberaubende Sicht geben, wenn diese Pracht von einer Pflanze erstmal blüht. Nur ob ich das erleben werde, ist die Frage; ich kann nur hoffen, dass es vor Juli ist.

    Gerade habe ich wieder eine interessante Beobachtung angestellt, und zwar, wie sehr mir der Anblick von Kolkwitzien ein Gefühl von Zuhausesein vermittelt. Meine Mutter hatte bei unserem Einzug in ihr jetztiges Zuhause damals auch eine in den Garten gepflanzt; ich war beim Ausziehen schon ein bisschen traurig darüber, dass ich wohl solch eine Schönheit von da an nicht mehr im Garten stehen haben würde. Welch Freude, als ich hier ankam und siehe da, es wächst direkt neben der Terrasse eine. Und sie sind hier unten ehüberall. So eine Herrlichkeit, zur Blütezeit hier durch die Stadt zu fahren und überall diese Orchideen in Massen an den Sträuchern.

    Ich werde schnell ein Lobgedicht an die Kolkwitzie schreiben. Es wird, weil ich so unfassbar kreativ bin, "Ode an die Kolkwitzie" heißen.

    Also.

    Ode an die Kolkwitzie.

    Erwache aus der Winterruh, aus langem Schlaf
    Das Ende kaum nur zu erahnen, warm sind nur Gedanken an die Zeit
    Da Farben, Sonne, Licht im Himmel waren
    Und Schatten, schwarze Nacht nur blasse Schimmer
    Und ewig unsre Ungestüm und Leichtigkeit.

    Verflüchtigt alles Helle, Leichte
    Verweht dein Laub im Wind
    Verflogen jeder Traum von Freiheit
    Von Ewigkeit im Dunkel, weich von Schnee

    So wache auf und schließe deinen Kreis, und einmal mehr
    Vollzieht sich vor dem Staunen meiner Augen
    Das ganze Wunder deiner Wiederkehr.

    Vergänglich ist auch dieser Sommer
    Vergehen wird auch dieser warme Tag
    Und könnt' ich den Moment nur mir erhalten
    Den Augenblick des Hierzusammenseins
    So wäre in mir nichts als reine Freude
    Befreit von jeder letzten Bitterkeit.

    Doch wenn du blühst, Kolkwitzie, welch Glanz erstrahlt in mir
    Ja wenn du blühst, oh wenn du blühst,
    So kurz die Zeit, solch Flüchtigkeit -
    erblühe ich mit dir.

    Während ich dabeiwar, dies zu schreiben, riefen mich meine Eltern an, um mir mitzuteilen, dass sie meinen Kater heute abend einschläfern lassen werden.
    Er wird unter der Kolkwitzie begraben.

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