szmmctag

  • Schnecke an der Treppe

    Ein Stück ist geschafft. Danke, Portwein. Diesem ist zu verdanken, dass ich gestern mal wieder kurzzeitig durchdrehte und R ein wenig unsachlicher und unkontrollierter, als es mir lieb gewesen wäre, mit der ungefähren Hauptaussage der letzten 'zig Einträge konfrontierte. Womit ich mir meinerseits eine wohlverdiente und in gewisser Weise wohltuende Abreibung einhandelte, die sich im Wesentlichen auf das belief, was ich ebenfalls hier in letzter Zeit häufiger mal erwähnt hatte: Wenn du willst, dass man auf deine Probleme eingeht, wäre es nützlich, zu diesem Zwecke darüber zu reden.

    Point taken. Und wie bezeichnend eigentlich, dass ich all das, was er gestern noch sagte, in praktisch derselben Form zuvor Tausende Male in meinen eigenen Überlegungen durchgekaut hatte. "Wenn ich schon mit dir zusammen bin, dann mit allen Ecken und Kanten." Erinnerst du dich? Das war exakt das, was in meiner Wahrnehmung nicht gegeben war. Wieder einmal bestätigt sich, dass ich in dieser Richtung mir selbst nicht trauen sollte. Wenn ich jetzt noch lerne, mich ungefragt mitzuteilen, bin ich auf einem guten Weg. Was für eine Arbeit. Was für ein Lernprozess. Ich stelle mich der Herausforderung.

    Abgesehen davon: Ich bin morgen auf übermorgen bei meinen Eltern zu Besuch. Und wenn ich da bin, werde ich mal (je nach Stimmungslage und Gesamtsituation) vorsichtig anfragen, was sie eigentlich davon halten würden, wenn ich Weihnachten entgegen jeder Tradition mal zu Hause verbringe. Das ist lang geplant: Ein Selbsthilfe-Weihnachten mit allen, die bei ihrer Familie mit Stress und Drama rechnen müssen oder aus anderen Gründen von ihrer Verwandtschaft an diesen Tagen lieber auf Abstand gehen würden - und es trotzdem nie tun, mangels verlockender Alternativen. Ich möchte diese Alternative sein und uns ein fröhliches, friedliches, liebevolles Weihnachten ermöglichen. Keine Heuchelei, keine Nervenzusammenbrüche, keine Psycho-Dramen. Keine Geschenke. Ich würde mich so sehr darauf freuen. Und alles an guten Assoziationen, die ich mit Weihnachten habe - und das sind einige; wir waren ja als Familie auch nicht immer so offen kaputt, wie es in den letzten Jahren der Fall war - mit einbringen, und jeden ermutigen, mit den eigenen geliebten Traditionen genauso zu verfahren.

    Ja, das würde ich gerne tun.

  • Banane in mein Ohr

    Was ich aber auch immer für ein Drama veranstalte.

    Ich denke zu viel. Mein Leben ist gut und ich selbst mein einziges nennenswertes Problem.

  • Eine Melone und ein Vorhaben

    Ich habe gestern meine erste selbstgemachte Melone geerntet. Darauf bin ich mindestens so stolz wie R auf die inzwischen um ein Vielfaches weiter ausgebauten Fähigkeiten seines Python-Altersrechners, welcher mir nunmehr auf den Tag genau erzählen kann, wie viel Zeit zwischen zwei Daten vergangen ist.

    Ich sollte mich demnächst daran machen, meinen echten Charakter wiederzufinden und dem Menschen, der behauptet, mich zu lieben, gegenüber hervorzuholen. Ich kann nicht ewig aus einer vielleicht berechtigten, vielleicht absurden Befürchtung heraus, mich damit unbeliebt (oder ungeliebt) zu machen, verdrängen, dass mir dasselbe Recht auf Egomanie zusteht, von dem er so problemlos Gebrauch macht. Ich muss den Tatsachen ins Auge sehen. Es wird unglaublich heftig werden und sehr schwierig, diese 180-Grad-Wendung "smoothly" zu vollziehen, aber ich bin mir ganz sicher, es zumindest versuchen zu müssen. Ich habe ihn anfangs gewarnt und mir - dessen ungeachtet - unendlich Mühe gegeben, dem Schreckensbild, das ich da gezeichnet habe, so wenig wie möglich zu entsprechen. Du willst emotionale Stabilität? Jemanden, der dich stützt, wenn dir alles über dem Kopf zusammenfällt, und dich mit all deinen Macken erträgt? Gerne - ich tue mein Bestes, aber ich hätte gern, dass du dasselbe tust. Ich werde nicht unendlich funktionieren, nur weil du jemanden brauchst, der funktioniert. Diesen katastrophalen Fehler hat meine Mutter gemacht und ich sehe zum Glück frühzeitig meine Tendenz, es ihr gleichzutun. Ich arbeite permanent dran, dass es besser wird, aber es geht mir zu langsam. Ich sollte es mit Kommunizieren versuchen. Eben nicht davon ausgehen, dass meine Bedürfnisse klar ersichtlich sind. Mich selbst durchscheinen lassen. Er kann sich immer noch entscheiden, ob er das, was da zum Vorschein kommt, dann haben will oder ob es ihm zu kompliziert wird.

  • Beunruhigend.

    Zwanzig bis fünfzig Tote in einem verlassenen LKW mitten an der Autobahn? Austretende Verwesungsflüssigkeit? Was ist los mit der Welt? Ist das die Realität oder ist einfach die Welt ein Horrorfilm?

  • Vierthöchste Bildungslücke der Welt - detected.

    "I remember riding on Daddy's shoulders."

    Mir ist dieses Bild so klar vor Augen geblieben wie keine andere Erinnerung an den Ground Zero. Als ich dort war, Ende 2006, hingen an den Wänden überall diese "I remember"-Zeichnungen, angefertigt von den Kindern der Opfer. R würde mich vermutlich mit einem herablassenden Kommentar der Sorte "na und? Auf der Welt sterben jeden Tag Leute" beglücken, aber ich habe ehrlich gesagt Schwierigkeiten, mich von dieser einen Erinnerung nicht meinerseits immer wieder bedrücken zu lassen.

    Jedenfalls habe ich vor ein paar Minuten dann durch Zufall auch mal festgestellt, dass inzwischen ein neues World Trade Center errichtet wurde. Spät, aber doch. Manchmal sind meine Bildungslücken also tatsächlich 547 Meter groß.

    Was für eine Erkenntnis.

    Ich denke ab und an darüber nach, wie es Dinge schaffen, einem so lange verborgen zu bleiben. Glücklicherweise komme ich dann zu dem Schluss, dass mir selbst nur bedingt Vorwürfe zu machen sind ("du könntest dich ja informieren"). Lieber mache ich gar niemandem einen Vorwurf und stelle einfach fest, dass es offenbar zwischen 2006, als die Bauarbeiten begannen (du siehst, ich habe meinem Wissensstand inzwischen mit Hilfe von Wikipedia ein bisschen auf die Sprünge geholfen) und dem heutigen Tag keine Situation gab, in der mir jemand oder etwas das Wissen um dieses Gebäude vermittelt hätte. Weder ich selbst noch der Rest der Welt.

    Manchmal, wenn meine Eltern einen Begriff verwenden, über den ich im Leben noch nicht gestolpert bin, sind sie überrascht, wenn ich mich erkundige, was es damit auf sich hat. ("Wie, du weißt nicht, was ... ist? Wie kann man das nicht wissen?") Ich finde es jedes Mal aufs Neue absurd und entgegne, dass immerhin doch sie diejenigen sind, die mir damals das Leben hätten erklären sollen; es ist also doch im Grunde ihnen selbst zu verdanken, wenn ich ein Wort aus ihrem Vokabular nicht kenne oder von einer ihnen geläufigen, eigentlich elementaren Sache nichts weiß. Aber der Seltenheit, mit der dieses Phänomen auftritt, ist eigentlich schon zu entnehmen, dass sie ihre Sache im Großen und Ganzen ziemlich gut gemacht haben.

    Ich bin damals bei Mama in Ungnade gefallen, weil ich ihr den Eindruck vermittelt habe, mehr daran interessiert zu sein, auf der Straße nach Pennies zu suchen (sie waren überall!), als daran, mir von ihr die Stadt zeigen zu lassen, in der ich gezeugt wurde. Ihre Stadt, deren Verlust sie noch heute nicht vollständig überwunden hat. Im Nachhinein durchzuckt mich immer ein ekliges Gefühl, wenn ich es aus ihrer Perspektive betrachte. Es geht mir so mit recht vielen Ereignissen aus der Vergangenheit. Ich verstehe uns beide zu gut, ich verstehe uns alle drei. Das tut sie vermutlich bis heute nicht zu diesem Grad.

    Ich werde weiterarbeiten.

  • Zehn Finger

    Oh - mein - Gowai, ist das anstrengend. Ich bin seit Stunden dabei, meine Übersetzungen im 10-Finger-System zu tippen, ohne jede vorhergehende Übung whatsoever. Das wirklich Tragische ist, jetzt, wo ich einmal damit angefangen habe, kann ich nicht mehr damit aufhören, obwohl mir der Kopf gleich explodiert und ich das Gefühl habe, jeden Moment zu kotzen. ALTER.

    Ich glaube, da hilft nur, meine für heute angestrebten Touren - noch zwei Stück an der Zahl - so unbeschadet wie möglich hinter mich zu bringen und danach schnell nach Hause zu flüchten.

  • Laberplage, Gefühls(ab)lage, Schmerzfreiheit.

    Revenge. Wie lange habe ich dieses Album nicht mehr gehört. Es ist so ewig her. Und natürlich kommt es mir trotzdem so vor, als wäre kein Tag vergangen.

    R kam eben herein und berichtete überglücklich von seinen Fortschritten mit seinem Python-Altersrechner, den er heute angefangen hat zu erstellen, um sich das Programm und seine Bedienung nun, ein halbes Jahr nach dem dann ja doch eher abrupten Ende seines Studiums, wieder präsent zu machen. Da ich mit meiner Antipathie gegen alles Informatik Betreffende dafür mal so überhaupt keine Begeisterung aufbringe, habe ich mich mittlerweile in mein Zimmer verkrümelt, um Musik zu hören, nachdem ich den Tag mit Containern, Gemüseschnibbeln, Kochen und Bastis Wäsche verbracht habe. Zwischendurch habe ich mir natürlich Zeit für ein-zwei ausführliche Rundgänge durch den Garten genommen, wo meine Melonen mittlerweile in Scharen reifen und bald wieder neue Tomaten nachkommen, die Süßkartoffeln frühlich vor sich hinwuchern und die kleinen Blüten der Paprikapflanzen den Anschein machen, als wollten sie sich tatsächlich dieses Jahr doch noch irgendwann öffnen. Mein Basilikum wertet inzwischen jede x-te Mahlzeit auf, und Waltrauts ehemalige Herrschaft über das kleine Stückchen Land zeigt seine Spuren in einem vor Birnen bald überlasteten Baum und einer Laube voller Trauben.

    Ja. Statt im Büro zu verzweifeln, habe ich also diesen Tag damit zugebracht, Essen zu prozessieren und meinen Fortbestand für die nächsten paar Monate zu sichern. Ich war damit ziemlich alleine, da sich R bereits während meines Frühstückmachens kommentarlos in seine eigenen Computer-Machenschaften abkapselte und, abgesehen von einem derart dreisten Kommentar, dass es mir bald die Sprache verschlagen hätte (Kontext: Ich, wie immer überempfindlich, verletzt, da mich ignoriert fühlend, fange an, herumzuwuseln und mich mit mir selbst und Vor-mich-Hingesinge bei Laune zu halten; er, vertieft in sein Doku-Video einer Nazi-Aktion, weist mich zurecht, er würde "hier gern ein bisschen was hören" wollen, was ihm eine kurz vorm Heulen gelagerte Standpauke meinerseits einbrachte, die er bedrückt zur Kenntnis nahm und ihn zu einer ehrlichen Entschuldigung veranlasste, nicht aber dazu, sich von seinem Computer abzuwenden), auch so schnell keine Anstalten machte, daraus wieder hervorzukommen. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich vermutlich den ganzen Tag darauf gelauert, er könne vielleicht doch irgendwann noch anfnagen, mir mit meiner Arbeit behilflich zu sein, zumindest nachdem der wenigstens augenscheinlich wichtige Teil seines Treibens abgehandelt war und bevor er sich dazu entschloss, sich Python wieder beizubringen.

    Oh well. So ist das. Ich bin dann halt auch nicht in der Lage, ihn irgendwie darauf aufmerksam zu machen, dass ich Hilfe gebrauchen könnte. Victim-Blaming-Alarm, badakit, aber mehr als subtile, freundliche Bemerkungen bringe ich beim besten Willen nicht zustande. Ich bin einer von den unfassbar nervigen Menschen, die immer verlangen, dass ihre Vertrauten sie verstehen, ohne dass Worte dafür fallen müssen. Mama würde sagen, "du denkst immer, wir sind alles Hellseher." Aber das findet sich bei mir an vielen Stellen; ein Großteil von dem, was mir über den Tag hinweg an verbalen Äußerungen begegnet, erscheint mir überflüssig. Talkshows: überflüssig. Labernde Politiker: überflüssig. Ohne Inhalt ist alles überflüssig. Mich selber vermutlich, nein, definitiv eingeschlossen. Ich: überflüssig. Ich sehe meine neue, mit Schafen und Pfeilen bedruckte Frühstückstasse schon vor mir, in der mir R meinen Kaffee ins Zimmer bringt. Sie sagen so vieles, was einfach schon so unfassbar klar ist. Wozu das Ganze dann nochmal sagen, nochmal und nochmal, und am besten, weil's so schön war, gleich nochmal?

    Abschließend möchte ich berichten, dass es meinem entwurzelten Zahn nunmehr wieder gut geht. Das war nicht immer der Fall; gestern habe ich die entsetzlichsten körperlichen Schmerzen meines bewussten Daseins erfahren und, wie seit Anbeginn meiner Erinnerung nicht ein Mal, das Bedürfnis erlebt, vor Schmerzen zu weinen. Habe es dann verständlicherweise mit Schockzustand übertüncht und auf dem Nachhauseweg von der Zahnarztpraxis nachträglich ausgelebt. Der Zahn, welcher theoretisch keinen Mucks mehr hätte von sich geben sollen, hat mich bis zum Abend so hartnäckig geplagt, dass ich mein eigenes köstliches Curry nicht essen konnte und frustriert wie nichts Gutes Caro und Janine bei Skype über diesen Umstand die Ohren zujammerte. Umso erstaunlicher daher die Wendung, die sich in der Nacht vollzogen haben muss: als ich aufwachte, war jeglicher Schmerz verschwunden. Gesegnet sei das Leben ohne Horrorqualen. Das heißt dann hoffentlich, dass sie den Zahn am Donnerstag endgültig fertig machen wird und ("hoffentlich" Ende) ich mich auf eine Rechnung freuen kann, die das Ausmaß meiner Schmerzen wohl in ihrer Scheußlichkeit nur geringfügig unterbietet.

    Ade, liebe Welt. Morgen bin ich wieder arbeiten und werde also vermutlich wieder ein bisschen Zeit haben, diesem Blögchen etwas mehr an Gelaber zuzuführen.

  • Aspi Blanknerv mein Name, encantada de conocerlos.

    Mir ist nicht wohl zumute. Zu viele depressive Anflüge, und ich weiß schon wieder nicht, mit wem ich reden soll.
    Gestern Nacht wieder ein angetrunkenes minor Zusammenklappen nach ziemlich niederschmetternder poly-bezogener Bemerkung von Seiten R's. Ich glaube, gestern wäre ich wirklich mal fähig gewesen, mit meinen Zweifeln herauszurücken, wäre nicht JO dagewesen, die zwar schlafend, aber nichtsdestotrotz anwesend neben meinem Bett auf dem Boden lag. Das mache ich nicht, meine Konflikte in Gegenwart Dritter austragen. Hätte er einen Moment früher das Licht ausgemacht, hätte man das Heuldrama vermeiden können, dann hätte er gar nichts mehr gemerkt.

    Es ereignete sich dann noch folgender Dialog:

    "Es ist total cool, jeden Abend neben dir einzuschlafen, weißt du das?"
    Heulen.
    "Lustig, das widerspricht sich mit jeder Poly-Bemerkung, die du je gemacht hast."
    "Es ist trotzdem cool."
    Heulen. "Entscheid' dich doch mal."
    Pause.
    "Komm doch endlich mal von dem Konkurrenzgedanken weg, wenn es um Poly geht."
    Heulen. "Es hat mit Konkurrenzgedanken nichts zu tun; es hat mit Nichtgenugsein was zu tun."
    Pause.
    "Wenn du nicht genug wärst, würde ich mich ganz anders verhalten. Und damit meine ich nicht besser."
    Heulen.
    Heulen.
    Heulen.
    "Du beunruhigst mich grade."

    Ich war kurz davor, ihn vor die Tür zu schleppen und mein ganzes Drama auszuschütten, aber dazu reichte die Verzweiflung dann doch wieder nicht ganz.

    Davon ab: Ich will dieses Grundeinkommen. Ich will nichts so sehr wie das Grundeinkommen. Oh könnte ich nur bedingungsloses Grundeinkommen beziehen. Ich könnte meinen Teil dazu beitragen, der Welt die uneingeschränkte Richtigkeit dieses Konzeptes zu beweisen. Oh könnte ich nur.

  • Predictions

    Hach, was bin ich begeistert. JO und R verstehen sich blendend, genau wie ich gehofft hatte. Es konnte nur das eine Extrem oder das andere werden.

    Schlafen!

  • Neue Züchtung - Spüli-flavored basil.

    Basti hat sein T-Shirt total gefeiert, was mich sehr glücklich machte. Ich glaube, wäre seine Reaktion darauf so ausgefallen wie.. äh.. R's auf meine Idee dazu, wäre ich, betrunken wie ich war, todunglücklich im Boden versunken.

    Jetzt kann ich mich nicht entscheiden, was ich für Musik anmachen soll. Ich habe die seltene Gelegenheit, über die Büromusik zu bestimmen, und sollte sie eigentlich schleunigst nutzen, bevor Sarah mit ihrem Essen zurückkommt. Nachdem ich allerdings eben International You Day gehört habe, will ich einfach nur noch das restliche Album durchhören und bin geringfügig frustriert von der Tatsache, dass es nicht alle Titel davon bei Youtube gibt. Schwieriges Leben, ich sag's dir.

    So. Alternativ wurde es The Swell Season's "Strict Joy". Ist auch Sarah-freundlicher und läuft nicht so sehr Gefahr, abgewürgt zu werden, wenn sie wiederkommt.

    Wir haben (oder eher R hat), was an dir bisher, glaube ich, ganz vorbeiging, uns einen spontanen Auftritt an Land gezogen in Form von der Flüchtlings-Soli-Party nächsten Freitag, sodass wir uns nach einem halben Jahr Funkstille tatsächlich wieder zum Proben zusammengetan haben, und es war wunderbar. Heute Abend werden wir weiter daran arbeiten, uns unsere Musik und die ganze Essenz unserer Zusammenarbeit zurück in Erinnerung zu rufen.

    Ich habe heute mangels neuer, zu übersetzender Touren die ehrenvolle Aufgabe zugeteilt bekommen, endlich, endlich mit dem Korrekturlesen aller bereits erstellten Pakete anzufangen. Dieser Tätigkeit werde ich mich jetzt weiter widmen. Endlich. Das hat diese verdammte Website so unglaublich nötig, du machst dir keine Vorstellung.

    Ich hab' Panik. Keine Ahnung.

    Und zwei Tomaten geerntet gestern, meine allerersten selbstgemachten Tomaten. Eine davon haben wir heute zum Frühstück verzehrt; so ein tiefes, sattes Tomatenrot hat die Welt noch nicht gesehen. (Ich zumindest nicht, bisher.) Um sie zu zelebrieren, habe ich uns Remouladendip, Scheiben besagter Tomate, Sprossen, Büffelmozzarella, selbstgezogenes Basilikum, Pfeffer und mein leckeres Kräutersalz auf die Brotscheiben gelegt. Es sah einmalig aus. R sagte zu dem Ganzen: "Irgendwas schmeckt hier nach Spülmittel. ...Oder es ist... Warte, es war das Basilikum." Und später: "Ich find, die Remoulade passt nicht ganz."
    Zugegebenermaßen bekundete er wenigstens bevor er es konsumierte, es würde verdammt gut aussehen.

    Nunja. Er hat mir Kaffee gemacht und ins Zimmer gebracht, um mich aufzuwecken. Ich sage ja, im Wecken ist er unübertroffen.

    Sarah ist wieder da; ich sollte wirklich weiterarbeiten.

    JO kommt mich besuchen! Ich freue mich. Jetzt gerade nicht wirklich, weil die Panik mich davon abhält, aber im Grunde kann ich es kaum erwarten. Und dann bogglen wir mit der Meisterin schlechthin und R erfährt, was ein wirkliches Boggle-Talent ist. (Ich lasse eh nach in letzter Zeit; gestern hat er mich in einer Mörder-Runde 48 zu 33 Punkten geschlagen.) Und sie kann schon wieder bei Sarahs und meinem Auftritt dabeisein. Was für ein merkwürdiger Zufall. Das letzte Mal, das ich sie gesehen habe, war im März anlässlich Mamas Vernissage.

    Wo ich schon bei meinen Eltern bin; diese werden momentan in der Schweiz vermehrt Opfer von rassistischen Anfeindungen. Ich find's krass; seit wann passiert so etwas uns? Ich habe das Telefonat gestern damit verbracht, sie dafür zu sensibilisieren, dass sich eine überwältigende Anzahl Menschen täglich in Deutschland genau diesen sowie noch weitaus schlimmeren Situationen ausgesetzt sieht - das verdrängt sie wohl ziemlich gut und ich bin durch R mittlerweile fast schon zu militant für meinen eigenen Geschmack geworden, was diese Geschichten angeht. Man lässt sich zu sehr beeinflussen.

  • Coming To (Once More)

    Ich bin wieder normal. Meine Güte, was waren das entsetzliche anderthalb Tage.

    Jetzt sitze ich wieder in der Arbeit, um meinen spontanen Abgang gestern zu kompensieren, habe bisher zwei Touren übersetzt und freue mich unendlich über meine wiedererlangte Stabilität und gute Laune. Ich habe wieder einmal festgestellt, dass meine depressiven Anwandlungen den blanken Selbstzweifel darstellen und eigentlich ausschließlich in der mich ab und an überfallenden Paranoia begründet sind, nicht mehr gewollt zu werden, nicht genug zu sein. Schon wenn nur ein paar Minuten lang die so dringend benötigte Bestätigung ausbleibt. So ein Übermaß an Zuwendung, die ich immerzu brauche.

    Ich sollte mich therapieren lassen, das kann man doch keinem Menschen antun, sowas.

    Außerdem sehe ich mich von meinem Gewissen dazu veranlasst, meinen Transparenz- und Authentizitätswahn in die Knie zu zwingen und mich dazu durchzuringen, gewisse Identitäten hier besser zu schützen. Widerspricht meinem Idealismus und meiner ganzen Gesinnung, aber muss sein. Er kam zwar nie auf die Idee, sich zu erkundigen, ob ich ihn auf dem Blog namentlich erwähne, aber vermutlich geht er einfach gar nicht erst davon aus, dass jemand so rücksichtslos sein kann. Plus, wir haben nie über meine Transparenzvorstellungen geredet und er könnte sich niemals vorstellen, wie es mir gegen den Strich geht. Ich bin es ihm trotzdem schuldig. Er macht an anderer Stelle Abstriche. Da unterlässt er etwas, das er für richtig und wichtig hält, ich dagegen für ein einziges menschliches Debakel.

  • Venice und Drama

    Lieber Mensch, du. Ich habe mich über deine Nachricht sehr gefreut, kann dir meine Antwort allerdings aufgrund deiner offenbar randvollen Inbox momentan nicht zukommen lassen. Einen Blog hast du nicht, auf den man kommentieren könnte. Daher also nun als offene Antwort und in der Hoffnung, dass du nochmal vorbeischaust:

    Hi Venice,

    meinen Blog vollständig zu lesen dürfte eine echte Herausforderung darstellen, wenn man annimmt, dass der mittlerweile um die 6 Jahre alt ist und du nebenbei vermutlich noch leben und/oder arbeiten und/oder studieren und/oder sonstigen Tätigkeiten nachgehen musst. Das sei dir also ohne jeden Zweifel verziehen :D

    Aber ja, das Wichtige hast du schon richtig herausgelesen. Containern jetzt und Selbstversorger später sind zwei große Träume von mir, wobei zum Glück zumindest der erste schon Realität ist^^

    ..Du etwa auch?

    Gruß
    Aspi

    ____________________
    Abgesehen von dieser lustigen Korrespondenz um drei Ecken ist zu berichten, dass es mir besser geht, ich den ganzen Tag im Garten und später mit Aufräumen verbracht habe und jetzt gemütlich und alleine im Bett hänge und einfach mal wieder Zeit habe, mich allein zu betrinken und eventuell irgendwann noch über Skype irgendwelche sozialen Kontakte zu pflegen, falls sich denn die Möglichkeit dazu auftut.

    Ich bin immer noch verblüfft, wie meine Toleranz gegenüber R's ..nennen wir es "Eigenheiten" so abrupt dahinschwinden und mich schutzlos wie sonstwas zurücklassen konnte. Damit muss ich jetzt erstmal klarkommen. Ich habe ja nicht vor, auf einmal zur nörgeligsten Person aller Zeiten zu mutieren, und möchte aber auch andererseits nicht täglich mit einer monstermäßig katastrophalen Stimmung wie zwischen gestern Nachmittag und heute Mittag zu kämpfen haben, worauf es hinauslaufen würde, würde ich ihm nicht mitteilen, dass seine Rücksichtslosigkeit mir neuerdings Probleme bereitet.

    Es ist halt so, dass er sich jetzt wieder vollkommen in politischer Arbeit verliert und mir allgemein, aber vor allem auch im Zusammensein weniger Aufmerksamkeit und Zuneigung zukommenlässt; ich merke es an Kleinigkeiten und ich bin natürlich auch nicht diejenige, die für subtile Veränderungen unempfänglich ist, was die Beobachtung für mich leichter anzustellen und schwerer zu ertragen macht. Ich habe nur drauf gewartet; es ist auch unvermeidlich, wenn man bedenkt, dass das halbe Jahr jetzt auch vorbei ist und es bei den Menschen nunmal so funktioniert, dass sie nicht unentwegt für etwas die gleiche Begeisterung oder Wertschätzung aufbringen könen. Ich nehme mich da nicht aus; ich habe selbst oft genug bemerkt, wie ich Menschen als selbstverständlich ansah - ich war selbst oft genug entsetzt von mir. Am Schlimmsten trifft dieses Schicksal wohl Basti, was aber wiederum gar nicht so tragisch ist, da es sich andersherum genauso verhält - wir haben uns aneinander gewöhnt und sehen uns jetzt gegenseitig als Geschwister. So kam ich also auch in den Genuss, zu erfahren, wie es ist, einen Bruder zu haben. Und siehe da, es ist wunderbar. Und natürlich nerven wir uns manchmal. Aber das macht gar nichts aus, denn wir haben dafür die Basis.

    Auf der anderen Seite wüsste ich beileibe nicht, auf was für einer Basis es gerechtfertigt wäre, wenn ich von R als selbstverständliche Konstante betrachtet werde, in deren Haus man kommt und geht, wie es einem beliebt, und der man in den schönsten Wörtern verpackt grundehrlich, aber so furchtbar flüchtig bekundet, wie wichtig sie einem ist, wenn man gut gelaunt ist.

    Ich tue ihm Unrecht. Siehst du, es ist schon wieder das Gleiche. Mir fehlt die Perspektive. Um genau zu sein, fehlt mir seine. Er macht das nicht mit Absicht, was mir eigentlich schon genügen sollte, um mich wieder einzukriegen.

    Jetzt rede ich mit Laura.

  • Irgendwie schwer zu benennender Eintrag

    So, es ist soweit, ich klappe zusammen.

    Vielleicht klappe ich nicht wirklich zusammen, sondern schließe nur daraus, dass ich temporär zusammenklappe, wieder mal unberechtigterweise auf die Gesamtsituation, werde paranoid und überreagiere maßlos. Ja, wenn ich mir das so überlege, ist das sehr wahrscheinlich.

    Ich sitze in der Arbeit und hatte mir vorhin noch vorgenommen, nach Fertigstellung dieser ersten sechs halben Touren mich wieder auf nach Hause zu machen, bis Nic mit einer blendendsten Hyperlaune hier hereinkam und es mir fast unmöglich machte, guten Gewissens weiter in meinem selbstgemachten Unheil zu brüten. Jetzt habe ich meine halbe Portion Mittagessen verdrückt, die ich dabeihatte (ein Glück war R das Essen gestern zu süß, er scheint meine Ingwersauce also nicht zu mögen - sonst hätte ich mir heute noch Semmelknödel aus dem Keller holen müssen), und fühle mich besser als vorher.

    Ich habe mir auf dem Weg hierher einen Rettungsplan zurechtgelegt, der in erster Linie daraus besteht, R von jetzt an zum Arbeiten nach Hause zu schicken. Mir wächst die Wohnsituation über den Kopf und ich glaube, dass ein Großteil meines Fertigseins damit zusammenhängt, dass ich unentwegt einen Menschen in meiner Küche sitzen habe, der den Großteil des Tages auf seinen Computer starrt und nicht ansprechbar ist, zwischendurch zum Rauchen rausgeht und es nicht auf die Reihe kriegt, sich mir gegenüber trotz Beschäftigtsein irgendwie menschlich zu verhalten. Ja, das wird es sein: Ich brauche Aufmerksamkeit. Also schicke ich ihn weg. Wenn er nämlich zu Hause arbeitet, kann er nicht währenddessen in meiner Küche sitzen, nicht ansprechbar sein und mir nebenbei dieses entsetzliche Chaos überall produzieren. Aufgrund vergangener Traumata nicht bereit zu sein, in diesem ja immerhin gerade erst halbjährigen Beziehungsstadium wirklich zusammenzuziehen, ist völlig verständlich und für mich absolut richtig. Ich hatte keinerlei Pläne, mit ihm in absehbarer Zeit eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Sich dann allerdings bei mir einzunisten mit allen, allen Vorzügen meiner Wohnung und keinem, keinem der Nachteile eines eigenen Haushaltes.. hat sich zunächst nicht so angefühlt, weil ich einfach so übertrieben froh war, ihn dazuhaben. Ich habe auch so lange gern und ohne Meckern hinter ihm hergeräumt und einen großen Teil der Unordnung, die er anrichtet, akzeptiert, wie ich gleichzeitig wenigstens noch den Eindruck hatte, er würde mir zumindest nach seinem Verständnis als Mensch Beachtung schenken. Das gerade jetzt macht mich ein klein wenig kaputt.

    Zumindest sehe ich es ein und beginne mit einer Problemlösungsstrategie. Ich habe mit einem Schlag das Gefühl (und ich glaube, der Schlag kam gestern, was meine Stimmungsprobleme erklären würde), dass, würde ich in einem Schwung alles herausrücken, was mich an dieser Beziehung belastet, ich mir um die Beseitigung dieser Probleme gar nicht mehr so die riesigen Gedanken machen müsste. Es fängt alles bei der Befürchtung an, dass, wenn ich ihm diese Geschichten offenbare, er mir vorhält, ich würde ihn permanent verändern wollen. Ich will überhaupt nicht so viel denken, ich kann nicht argumentieren, ich habe überhaupt keine Verbindung zur Logik. Ich kann nur fühlen, ich kann es nicht verbalisieren, deshalb bin ich gegen ihn wehrlos und er wird das Verständnis, das er braucht, um nachzuvollziehen, wie ich funktioniere, nie erreichen. Selbst wenn ich darauf komme, wie Dinge zu artikulieren sind, bekomme ich sie nicht heraus. Ich hatte es glasklar formuliert, "ich fühle mich eingesperrt in mir selber, und ich drehe durch, weil ich den Weg raus nicht finde". Ich sehe mich selbst die Spirale hochfliegen und ich kann nichts dagegen tun, meine Güte, das ist so unheimlich frustrierend.

    Statt nun aber weiterzuspiralisieren, mache ich mich wieder ans Übersetzen. Komm schon, ich schaffe doch mindestens noch drei eigene Touren, bevor ich aufgebe und nach Hause gehe, wo mich ein arbeitender R in der Küche erwartet.

  • Schwerer Kopf

    Ich bin so KO, das glaubst du mir nicht in dreihundert Jahren.

    Eigentlich bin ich nicht wirklich KO, außer du zählst den Effekt, den eine übergroße Portion Spätzle mit Käsesauce und Gemüse halt kurzzeitig so auf den menschlichen Körper hat; in dem Fall bin ich es allerdings. Sogar sehr. In erster Linie bin ich allerdings eher mental fertig, was darauf zurückzuführen ist, dass.. wo fange ich an.

    Also, im Grunde sind es verschiedene Dinge, die letztendlich alle auf R zurückzuführen sind (alle Wege führen nach Rom). R die Erste: Er bewirbt sich in Berlin. Die Arbeitsbeschreibung klingt einwandfrei wie für ihn gemacht, und auch wenn sie jemanden mit abgeschlossenem Studium suchen, wird es daran ganz sicher nicht scheitern (er hat schon angerufen). Da ihm die Stelle wie auf den Leib geschrieben ist, sehe ich ein, dass er sich unbedingt darauf bewerben sollte. Aber nuja, isch halt net so ganz ideal, so rein geographisch betrachtet. Und nachdem er mich heute Früh noch fragte, ob es mir etwas ausmachen würde, am Bodensee alt zu werden, für den Fall, dass mein Projekt nichts wird, war der Schock dann schon ein bisschen viel für meine armen Nerven. Ich habe noch nie jemand so Wankelmütiges wie diesen Menschen erlebt.

    R die Zweite: Seine Schwester kündigte sich vor ein paar Stunden spontan an; sie hat ein Vorstellungsgespräch hier in der Gegend und will daher bei ihm nächtigen. Er sah nun irgendwie nicht das Problem darin, ihr zu verkünden, sie könne bei uns unterkommen (bei uns = bei mir), in meinem Beisein, jedoch ohne zuvor irgendeine Kommunikation jeglicher Art mit mir abzuhalten. Und fand es dann offenbar ziemlich absurd, als ich anmerkte, dass eine Absprache schon ganz nett gewesen wäre. Reicht schon, dass er ab und an Leute hierher einlädt, ohne mich zu konsultieren, aber das jetzt war mir absolut zu viel. Selbstverständlich mag ich seine Schwester - sie ist mir allein aus seinen Erzählungen sympathisch, und die paar Tage, die ich sie im März erlebt habe, haben das Bild nicht unbedingt zum Negativen verändert. Und selbstredend habe ich nichts dagegen, sie bis Sonntag hier zu beherbergen. Die Arme kann ja vor allem nicht ahnen, was sich R für Dreistigkeiten herausnimmt; sie hat ja keine Möglichkeit zu wissen, dass er sie bei mir unterbringen will. ("Ja, was hätte ich denn machen sollen? Sie bei mir schlafen lassen?!") Aber, aber, aber.. einfach so, ohne wenigstens pro forma zu fragen? Ich find's dreist. Das ist reines Ausnutzen. Ich fühle mich übergangen. Es ist nicht so, als hätte ich ihm je nicht erlaubt, Leute mit herzubringen oder einzuladen, aber egal, wer es ist, mich um die Erlaubnis gar nicht erst zu bitten ist übel, übel respektlos.

    Und R die Dritte: Ich kann mir nicht vorstellen, wie ihn ein Selbstversorgerdasein jemals erfüllen können sollte. Eventuell würde er es durchziehen und mitmachen, um mir den Gefallen zu tun, aber ich bezweifle stark, dass er seine Denkweise in diesem Leben noch so sehr verformen kann, dass er wirklich darin aufgeht. Er hat ein unglaublich starres Denken, was ihm sein Leben bestimmt um ein Dreifaches schwieriger macht, als es sein müsste. Oh würde er sich nur selbst auf Escitalopram setzen, was für Wunder könnte er noch erleben. Seine Denkmuster sind so starr, ich frage mich manchmal, ob er davon nicht eigentlich Migräne bekommen müsste.

    Jedenfalls habe ich ihm bereits angekündigt, dass er mir beim Aufräumen hilft, bevor seine Schwester kommt. Ein bisschen Würde braucht der Mensch doch noch irgendwo.

  • If only a day had 48 hours.

    Arbeit. Ich habe acht Touren übersetzt und bin jetzt an der neunten, wobei mein selbstgesetztes Pensum schon wieder erfüllt und damit augenblicklich jede Motivation verschwunden ist, noch weiterzumachen.

    Ich bin ganz eindeutig nicht dokumentationsfreudig genug dieses Jahr. Heute Vormittag habe ich irgendwo einen Artikel über die Vorzüge des Tagebuchschreibens und des Schreibens im Allgemeinen gelesen und dabei mein Hauptproblem bestätigt gesehen - das Umso-weniger-schreiben-je-mehr-tatsächlich-passiert.

    Nein, wirklich, irgendwas muss ich unternehmen. Ich scheine keine Zeit mehr zu haben, um auch nur mit meinen besten Freunden regelmäßig zu reden, wenn überhaupt mal - mit den gleichen Menschen, mit denen ich mir Anfang Januar noch jede einzelne Nacht Stunden bei Skype um die Ohren gehauen habe. Ich muss mich also irgendwie dazu bringen, zwischen dem praktisch bei mir wohnenden R und meinem Garten, dem Haushalt und dem Containern für mich allein Zeit zu verbringen, in der ich meine lebenswichtigen Menschen kontaktieren und mit ihnen mein Leben teilen kann, so, wie ich es um alles in der Welt eigentlich auch nie vorhatte zu unterlassen. Und dann am besten noch mehr Zeit, in der ich mein Blögchen aufsuchen und ihm mein Leben mitteilen kann, so detailreich und zeitaufwändig, wie ich es eigentlich immerzu gerne tun würde. Es geht so viel einfach verloren. Das widerspricht meinem kompletten Naturell (und meiner Dokumentationsneurose erst recht).

    Meine Eltern haben ein Haus gekauft. Im Schwarzwald. Das ist auch wirklich aktuell und sozusagen die Nachricht des Tages - überbracht von meiner noch ganz unter Schock stehenden Mutter, die heute Früh anrief und mir sogleich anbot, dieses Wochenende mit ihnen hochzufahren und es zu begutachten. Falls sie am Sonntag fahren, werde ich die Gelegenheit definitiv auch beim Schopf ergreifen, R arbeitet eh und Bastis Geburtstag wird mich hoffentlich Samstagabend ja nicht so sehr in betrunkene Delirien versetzen, dass eine solche Reise am darauffolgenden Tag nicht möglich wäre. Fahren sie dagegen am Samstag, bleibe ich natürlich daheim; schlimm genug, dass ich es noch immer nicht hinbekommen habe, Bastis Geburtstagsgeschenk zu designen und zu bestellen (er kriegt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Lasst mich durch, ich bin Thorben", habe ich beschlossen) - das kommt ganz sicher nicht mehr rechtzeitig an, dann muss wenigstens ich in Person dasein.

    So, die neunte auch geschafft. Das reicht aber wirklich für heute. Oh, was freue ich mich auf Zuhause. Ungeachtet der Tatsache, dass ich dringendst dort aufräumen und putzen muss und überhaupt noch etliche Sachen zu erledigen habe, zu denen ich gestern dank unfassbarer Regelschmerzen nicht gekommen bin. Irgendwann bringe ich R dazu, in meiner Abwesenheit mal ein bisschen Klarschiff zu machen; irgendwann schaffe ich das.

    Ich werde beim Großhandel vorbeifahren, auch wenn mein Kühlschrank bis zum allerletzten Zentimeter mit Joghurt verstopft ist. Ein Glück ist Trudi nicht da. Hannes treibt sich bei uns herum, was mich natürlich nicht sonderlich begeistert, aber immerhin werde ich ab nächster Woche drei lange, wunderbare Wochen ein garantiert hannesfreies Zuhause haben, wenn er dann mit Trudi durch Rumänien reist. Diese Aussicht hat mich sogar dazu gebracht, in den letzten Tagen wie mit einem ganz normalen Menschen mit ihm zu kommunizieren; ich habe sogar von mir aus das Wort an ihn gerichtet und ihm teilweise völlig ohne Notwendigkeit Informationen preisgegeben, zum Beispiel als er mich gefragt hat, was es mit meinem selbstgemachten Spüli auf sich hat. Alles, anders gesagt, was ich unter normalen Umständen bezüglich dieses Menschen tunlichst vermeide.

    Jedenfalls befindet sich sehr, sehr, sehr viel Joghurt in meinem Kühlschrank und attackiert in regelmäßigen Abständen den armen R, der morgens zuverlässig eher in der Küche ist als ich und den ich jedes Mal vergesse über die erschwerten Umstände des Kühlschrankgebrauchs in Kenntnis zu setzen. Es kam gestern eben schon wieder eine neue Monsterladung dazu, was heute Früh dazu führte, dass mein Frühstück unplanmäßig aus einer Riesenschüssel laktosefreiem Joghurt bestand, dessen Verpackung den Fall aus der Kühlschranktür nicht völlig unbeschadet überstanden hatte. Vielleicht gar nicht so schlecht; irgendwie muss ich sie ja nun alle verwerten, bis Trudi wieder da ist und ihren Teil des Kühlschranks, mit Recht, wieder in Anspruch nehmen wird.

    Hannes hat sich eine Unmenge Eintopf gemacht und auch dieser wird natürlich bei uns im Kühlschrank gelagert. Er will jetzt, dass wir den Rest davon essen, den er nicht mehr schafft, bevor er fährt. Würde ich doch nur gern Liebstöckel essen; sein Borsch besteht praktisch aus Liebstöckel. Oh tragisches Leben.

    Ich werde jetzt meine heute übersetzten Touren mir alle nochmal einzeln zum Korrekturlesen vorknöpfen und dann, welch ein Segen, gehe ich heim.

  • Overdose Is Possible.

    Ich war ja wirklich nie davon zu überzeugen bis zu diesem denkwürdigen Abend: Entgegen meiner bisherigen Annahme ist zu viel Monopoly tatsächlich ein Ding der Möglichkeit.

    Basti hatte eigentlich gar nicht wirklich Lust und hätte dann auf halber Strecke schon fast den Geist aufgegeben, verlor irgendwann und wurde bereits zu dem Zeitpunkt von mir aufs Höchste darum beneidet; R fuhr anfangs seine typische "Okay, Aspi hat vier Bahnhöfe und Basti hat mehr Straßen als ich, das Spiel kann ich knicken"-Schiene, nur um mich am Ende kolossal abzuzocken, und mein Hirn verabschiedete sich irgendwann dazwischen in einen Zustand zwischen Verzweiflung und Delirium.

    Ich werde dann jetzt mal schlafen.

  • Ich nehme mit zum Camping... Zeltstangen schonmal nicht.

    Ich sitze in der Gemeinschaftsküche eines Amsterdamer Campingplatzes. An Bastis Smartphone. Ich fasse es nicht; ich verfasse einen Blogeintrag an einem Handy. Ich komme mir vor wie eine Oma, die gerade entdeckt, dass das moderne Zeitalter ja irgendwie doch auch Vorzüge hat.

    Mosquitos suchen mich heim und ich sitze hier allein aus dem Grund, dass das Handy noch 50% laden muss, weil ich nachher seine Taschenlampe brauche.

    Basti ist mit seiner langjährigen Amsterdamer Freundin jetzt in der Stadt etwas trinken und ich bin äußerst dankbar, dem furchtbaren Schicksal, die beiden zu begleiten, auf die letzte Sekunde entronnen zu sein. Da nunmal leider das Niederländische nicht zu den Sprachen zählt, die ich beherrsche, wurde es mir trotz aller Mühen von beiden Seiten schon während des Essens zu bunt und ich beschloss kurzerhand, weder ihnen noch mir das länger als unbedingt notwendig anzutun. Jetzt freue ich mich auf einen Abend mit Hotel New Hampshire und meinem kuschelig warmen Schlafsack.

    Unsere Anreise, Ankunft und Zeit nach der Ankunft gestaltete sich, wie mit zwei Spezialisten von unserer Sorte nicht anders zu erwarten, mal wieder sehr speziell. Angefangen damit, dass wir aufgrund meiner Schusseligkeit zu Hause fast den Zug verpasst haben, gefolgt von den drei Stunden Warten auf den verspäteten Anschlusszug, Bastis verlorenem Geldbeutel keine zwei Stunden nach unserer Ankunft in Amsterdam und nicht zuletzt der traumatischen Erkenntnis, dass er die Zeltstangen daheim vergessen hatte. Ein paar Stunden später hatten wir unser Zelt behelfsmäßig mit Bambus auf- und uns selbst häuslich eingerichtet, hatten uns mit Campingplatz und Umgebung vertrautgemacht und Bastis Freundin auf der Suche nach Bambusstäben zufällig auf ihrer Arbeit besucht. Stellt sich raus, sie arbeitet in der lokalen Gärtnerei.

    Ich werde mich jetzt allerdings verabschieden hier; das ganze Berichterstatten verbraucht viel zu viel Akku

  • Bin ich denn des Wahnsinns?

    Ja, also. Zwei Stündchen später, ich bin wieder bei mir und, um Himmels Willen, mein Gewissen ist es auch. Offenbar hab' ich nichts zu tun, wieso sonst verbringe ich meine Freizeit damit, Einträge wie den da unten über genau die Person zu verfassen, die übers Wochenende nach Freiburg eingeladen wird und mich auf den letzten Drücker gestern Früh noch fragt, ob ich nicht mitkommen will, um dann auf meinen Einwand, ich würde erst zwei Stunden nach Fernbus-Abfahrt wiederkommen, zu entgegnen, "ich kann auch erst um 19 Uhr fahren". We're talking denjenigen, der irgendwie zurück in die Stadt gezogen ist und buchstäblich ALLES an Zeit, die er mit mir verbringen kann, mit mir verbringt, ALLES, ohne dass ein Wort darüber verloren werden muss, woraus unter Anderem folgt, dass er bislang genau eine Nacht in seiner eigenen Wohnung geschlafen hat, als ich den Monsterstress mit dem Couchsurfer und der Präsi hatte. Ich komme nichtmal dazu, aufgrund meines Klammermenschseins in die unangenehme Situation zu geraten, das Eine tun zu wollen und aber das Andere zu tun (oder eben das Eine nicht zu tun), um nicht klammerig zu wirken, denn er ist immer da, wenn er kann. Mein Kojenbett ist achtzig Zentimeter breit und er hat mir (auf Ewigkeit und aus freien Stücken) die Innenseite überlassen. (Okay, das führt dazu, dass er nunmehr mit der Begründung, sonst rauszufallen, circa 80 Prozent des Platzes einnimmt und mich gelegentlich dazu auffordert, noch weiter reinzurutschen, wenn ich mit meinen zehn Zentimetern Körperbreite auf der Seite liegend schon vollends an den Rand gequetscht bin, aber whatever.) Er versteht zwar nicht ganz, was Schlaf in meiner Existenz für eine Rolle spielt (und dass ich es auf den Tod nicht ausstehen kann, das System nochmal hochfahren zu müssen, wenn ich erstmal auf Standby bin), aber er ist der wunderbarste und geduldigste Wecker aller Zeiten. (Er würde mich auch länger schlafenlassen, würde ich einen Ton sagen. Ich bin aber sehr glücklich, um neun geweckt zu werden; dadurch habe ich bedeutend mehr von meinem Leben und das frühe(re) Aufwachen ist nunmal etwas, das ich leider von allein nicht mehr hinbekomme.) Er hat sich Sonnenspray gekauft, damit wir draußen am Tisch bogglen können. Ich habe kaum je einen Vorwurf von ihm gehört (und wenn, dann ausschließlich berechtigter Natur), geschweige denn eine Aufforderung, mich in irgendeiner Weise zu ändern (seitdem die Mono-Poly-Fronten zumindest fürs Erste geklärt sind). Nicht nur toleriert er mein Containertarierleben, sondern bewundert es (laut eigener Aussage), stellt es keine Sekunde in Frage und übernimmt bereitwillig und ohne jede Gegenwehr für die Dauer seiner langen, häufigen, um nicht zu sagen "ständigen" Aufenthalte in meinem Haushalt meine Ernährungsweise. Verstehe die Ausmaße! Jede Angst, verurteilt zu werden, basiert lediglich auf Beobachtungen seiner Reaktionen auf Dritte oder höchstens meinen Bericht über Dritte; ich selbst habe dieses Folterinstrument bislang beileibe nicht in voller Härte zu spüren bekommen.

    Der Punkt ist (bevor ich zu weit aushole): Ich kann nicht einmal damit anfangen (meaning, I can't even begin), in Worte zu fassen, was dieser Mensch immerzu für wundervolle Dinge tut; warum muss ich mir gerade seine schwierigen Ecken raussuchen und nehme mir nie Zeit, auf den ganzen riesigen Rest einzugehen? Ayıp, Aspi, wirklich mal, ayıp.

  • Krempele eine Flüssigkeit aus ihrem runden Gefäß.

    "Aspi...?"
    -"Hm?"
    "Und wann krempel' ich dich um?"

    Dieser Dialog fand gestern statt, nachdem ich R aus einer Laune heraus den Vorschlag unterbreitet hatte, doch mal einen Monat lang mein geliebtes Escitalopram zu konsumieren. Weniger, weil ich ihn für depressiv halte, und umso mehr, weil er meines Erachtens ein bisschen innere Ruhe wirklich gut gebrauchen könnte. Vielleicht wäre es für ihn eine genau so gewaltige Erfahrung wie für mich, als ich damals damit anfing. Dachte ich mir so, als er sich wieder mal zu Tode über die ihn umschwirrenden Fliegen ereiferte.

    Umso mehr habe ich daran zu knacken, was - siehe da oben - er auf meinen Einfall erwiderte. Genauer gesagt denke ich seit ein paar Stunden darüber nach, nachdem ich den Tag über damit beschäftigt war, meiner Mutter auf dem Flohmarkt beim Verkauf ihrer Babykleidung zu helfen und alle drei Minuten die Tische aus dem Regen unters Zelt und dann wieder hinauszustellen. So richtig fing ich an, darüber nachzudenken, als ich wieder zu Hause war und im Garten hinten am Kompost die zweite riesige Samenkapseln-der-wunderschönen-Pflanzen-von-Samen-befreien-Aktion einlegte. Das ist meditativ und gibt einem viel Raum zum Nachdenken. Zum Beispiel darüber, ob es gerechtfertigt war, R auf die Frage ein schockiertes "Noch mehr?!" entgegenzuwerfen, welches in erster Linie dazu gedacht war, ihm nur ja nicht den Eindruck zu vermitteln, er hätte sich für diese abstruse Konstellation, die wir abgeben, mehr verbogen als ich mich.

    Was mir auch unbegreiflich wäre, da ich mir niemals auch nur die Fähigkeit einräumen würde, jemanden zu beeinflussen. Geschweige denn einen Charaktermenschen, wie es R ist. Außer, es ist in seinem Interesse. Und nennt man das noch Umkrempeln? Ist es ein gutes Umkrempeln, was ich da angeblich vollzogen habe, oder ein Umkrempeln wider Willen? Wie um alles in der Welt soll ich das angestellt haben?

    Bei genauerem Überlegen - und ich muss mich immer weiter zwingen, mich gedanklich auf eine Art zu entspannen, die es mir erlaubt, die Tatsachen nicht zu verzerren (ich neige so sehr dazu, fürchte ich, dass es mir schwerfällt, diese Angewohnheit abzulegen) - kam ich zu dem Schluss, dass er Recht hat. Irgendwie. Und dann aber auch nicht.

    Stellen wir das Ganze gegenüber. Angefangen mit dem, was er wohl anführen würde, würde ich eine Aufzählung der Aspekte verlangen, in denen ich ihn umgekrempelt habe.

    Erstmal. Temporär oder nicht, er ist jetzt gerade ein Mono-Mensch und das liegt an mir. Er ist außerdem ein sehr, sehr überzeugter Veganer (und ja, das gehört selbstverständlich zu den Dingen, die ich an ihm bewundere) und hätte vermutlich in seinem Leben keinen Fisch mehr gegessen, hätte ich ihn nicht mehr oder minder ohne mein Zutun pragmatik-induziert zum Containertarier gemacht. Ich glaube, das sind die beiden Hauptpunkte, auf die er sich bezieht. Ferner zieht er es in Betracht, sich in mein Selbstversorgerprojekt einzugliedern. Jetzt musst du dir darüber im Klaren sein, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der die Sonne meidet, wo er nur kann, zum Leben mindestens einen Contrast-ähnlichen Ort inklusive dem dort anzutreffenden sozialen Umfeld, eine Internetverbindung und ganz bestimmt keine körperliche Betätigung benötigt und Falks Lied "Psychoweh" praktisch eins zu eins verkörpert. Das ist schon unheimlich, eigentlich.

    Und der letzte Punkt, den ich aufzählen sollte, ist seine Aussage, er wäre durch mich offener geworden und würde ganz anders auf Menschen zugehen. Was mich zugegebenermaßen verwirrt, weil ich sein Zugehen auf Menschen als nicht sonderlich verändert empfinde. Aber okay, das muss er selbst wissen. Ich sehe da jedenfalls noch mehr Potenzial, falls er irgendwann seine gleichwohl unachtsamkeits- als auch selbstschutzbedingte grenzenlose Egozentriertheit ablegt.

    Hm. Nun die große Frage, inwiefern ich mich habe umkrempeln lassen.

    Ich tendiere zu "eigentlich gar nicht". Zumindest habe ich keine derartigen eingerissenen Bastionen vorzuweisen. I pretty much prevailed throughout the entire battle (if there ever was one). Mono: Check. Essen: Check. Selbstversorger: Check. Wieso genau komme ich mir dann eigentlich so vor, als könnte ich noch längst nicht ich selbst sein, so, wie ich es eigentlich gerne wäre?

    Ich weiß. Ich mache mich unkompliziert. Das ist das große Problem. Und mir fällt wieder mal die Aufgabe des Rundseins zu, die ich ja offenbar meisterhaft beherrsche. Übersehen wird dabei, dass ich nicht rund bin und es nicht im Geringsten auf Dauer zu sein plane. Übersehen wird, dass ich mich ohne es je zu erwähnen zurückstelle an allen möglichen Ecken und Enden, die für mich vielleicht keine Bastion darstellen, aber zusammengelegt einen wesentlichen Teil meiner selbst ausmachen, und mich auf diese Art durchaus erheblich verändere. Wenn auch nicht permanent und durch und durch, so doch auf ihn bezogen lückenlos. Ich bin dann halt mit Anderen ich selbst. Mit allen Anderen im Grunde. Es macht auch Sinn: Ich bin immer zu dem Grad ich selbst, in dem ich die Gewissheit habe, nicht (oder zu dem es mir egal ist) dafür verurteilt zu werden. Wenn man sich jetzt jemanden wie R anschaut, der überwältigende Teile seiner wachen Zeit mit Urteilen über Andere verbringt, einen selbst aber aus irgendeinem Grund idealisiert, fällt es leicht, meine halb unbewusste Entscheidung nachzuvollziehen, mich lieber ihm anzupassen als ein Verurteiltwerden seinerseits hervorzurufen. Und ich habe es ja in mir. Es ist ja nicht, als würde ich mich neu erfinden, um seinen Ansprüchen zu genügen. Ich habe eher den Eindruck, Seiten von mir zu unterdrücken. Und zwar in erster Linie schlechte. Das kenne ich schon zur Genüge von meiner verliebten Version. Sie ist so anpassungsfähig wie ein Chamäleon und wechselt ihre Farben, ohne dass der Ast, auf dem sie sitzt, je die Chance hat, die Vielfalt ihrer Möglichkeiten zu begreifen.

    Warum dann behauptet er, ich hätte ihn umgekrempelt? Er gehört zu den Menschen, die einfach jedem gegenüber gleich sind.

    Kurze Pause vom Philosophieren. Ich bin gerade erstmal überglücklich, weil eben Trudi zu mir hereinkam und wir uns zwanzig Minuten lang unterhalten haben, was wohl bedeutet, dass die Tatsache, dass sie davor tagelang kaum ein Wort mit mir gewechselt hat, auf ihren Lernstress zurückzuführen war und nicht auf irgendetwas, das ich getan oder nicht getan hatte. Oh Hilfe, was hatte ich mir Gedanken gemacht.

    Und weiter. ...Ohne merkbare Rücksicht. Er ist derjenige, der als Antwort auf die Frage, was er niemals tun würde, unter den Optionen "Meinen Partner hintergehen, Heiraten, Mich für Andere verstellen, Aufs Land ziehen" Zweitletzteres wählt. Während ihm wenig mehr zuwider ist als die Vorstellung, aufs Land zu ziehen oder aber, noch schlimmer, zu heiraten. [Anmerkung: Es kam "Angela Merkel" bei ihm als Seelenverwandte heraus. Basti und ich haben ihn ausgelacht; er hat sich schwarzgeärgert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir beide hatten Martin Luther King und waren damit wesentlich zufriedener.]

    Was lamentiere ich eigentlich. Mein Problem ist doch im Grunde nur, dass ich nicht viel weniger egozentriert bin als er und es mir gegen den Strich geht, meine Melodramatik und Emotionalität so gar nicht ausleben zu können, einfach weil sie in dem Mordsraum, den er mit seinem eigenen Charakter einnimmt, sang- und klanglos untergeht. Mir fehlt dafür einfach nur das Durchsetzungsvermögen. Wenn ich merke, es interessiert sich niemand für meine Lappalien, bringe ich sie eben nicht an den Mann, sprich, es ist andersherum meine eigene Schuld, weil ich ihm die Möglichkeit gebe, sich in meinem Vakuum breitzumachen, ohne dafür einen Platz in seinem einzufordern. Das sind zwei Persönlichkeiten, die beide nach Aufmerksamkeit lechzen; die eine bekommt sie gewährt, die andere fühlt sich unverstanden.

    Ob das alles jetzt weltbewegende Einsichten waren oder nicht, stellt sich irgendwann heraus, wenn ich weniger Rum in meinem Körper habe und mir das Ganze hier nochmal zu Gemüte führe.

  • Ach so. Na dann..

    Also, kurz zur Schließung von blog.de.

    Verständlicherweise (zumindest für Menschen, denen ich bekannt bin, wird es verständlich sein) bin ich wenig erfreut, um nicht zu sagen, ziemlich verstört. Gestern dachte ich darüber nach, was für eine wunderbare Konstante dieses Blögchen seit 2011 in meinem merkwürdigen Leben darstellt. Typisch, dass am Tag danach mir die Bekanntgebung in die Inbox geflattert kommt, dass es das die längste Zeit gewesen ist und ich mir wieder mal etwas Neues suchen kann. Ich komme mir vor wie so eine unfreiwilige Nomadin. Macrocarp bei SVZ, Macrocarp bei StudiVZ, spin.de, blog.de, und was meine nächste temporäre Unterkunft sein wird, stellt sich demnächst heraus. Zum Glück warnen sie einen mit ein bisschen Vorlauf, so habe ich wenigstens Zeit, mich darauf einzustellen.

    Aber... Argh. Warum?

    |-|

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Hier übrigens mein anderer Blog, "Save the lettuce" - für Verwendung und gegen Verschwendung: http://aspestie.blog.de/

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