szmmctag

  • Kapital fürs Geldlos-Leben (oder: So schonmal nicht.)

    Ich war gerade dabei, mit mir selbst zu reden. ALso, eigentlich war ich dabei, mir eine Unterlage aus der Schublade zu holen, auf die ich die Lernzettel-to-be für Neurolinguistik legen kann, aber dabei redete ich mit mir selbst und es äußerte sich spontan ein erschreckender Gedanke zum Nach-Hinten-Verschieben meiner Selbstversorgerpläne und der Recherche, die ich dafür betreiben muss. (Das Beratungsgespräch mit meinen Eltern am Wochenende war unerwartet konstruktiv und angenehm distanziert und führte uns zu der Einsicht, dass wir Idioten sind, wenn wir annehmen, es innerhalb von fünf Jahren so weit zu bringen, dass wir unser Projekt finanzieren können.)

    "Umso mehr Zeit habe ich. Ich muss nur trotzdem jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen, jetzt anfangen. Ich kann nicht mehr einfach die ganze Zeit nichts tun. Momentan bin ich von Beruf Tochter."

    Das ist ja nun wirklich widerlich. Meine Mutter würde dazu jetzt wieder sagen, das wäre meiner momentanen Lebensphase auch vollkommen angemessen. Ich bin allerdings der Meinung, dass, wenn ich schon Geld scheffeln muss, um am Ende meine Vision zu realisieren, ich genausogut schonmal damit anfangen kann. Ich werde also mehr arbeiten. Mindestens die 450€ im Monat bei Travelcoup ausschöpfen, allermindestens. Ryk informierte mich neulich, dass ich zweimal im Jahr sogar auf das Doppelte kommen darf, das war mir zum Beispiel überhaupt nicht bekannt.

    Meine Ausbildung muss ich dann jetzt auch zum ersten Mal im Leben danach ausrichten, dass sie mich für einen Beruf qualifiziert, der mir Geld einbringt. Literarische Übersetzerin sollte ich demnach zu werden nicht anstreben, wenn ich mein Grundstück noch in diesem Leben erwerben möchte.

    Schrieb's und driftete erstmal eine halbe Stunde in die Tiefen des Internets ab, um sich über so abschreckende Dinge wie Translatologie in Leipzig oder Fachübersetzen und mehrsprachige Kommunikation in Würzburg zu informieren. Es ist doch zu absurd, was sich da schon wieder für eine Fülle an Möglichkeiten auftut. Aber mir gefällt schon wieder beides. Leipzig wegen der Stadt - ich war bisher genau ein Mal da, für eine halbe Stunde in etwa, aber es hat einen wunderbaren Eindruck auf mich gemacht. Ryk wäre begeistert und würde mir vermutlich den Hals umdrehen, aber was kann ich dafür, dass seine Eltern einen Steinwurf weit von Leipzig weg wohnen und er am liebsten seine sächsische Herkunft für immer verdrängen würde. Und in Würzburg lernt man nicht nur eine dritte Fremdsprache während des Masterstudiums, sondern hat zusätzlich Seminare zur Fremdsprachendidaktik, was meinen Neigungen sehr entgegenkommt.

    Eieieieiei, was für ein furchtbares Dasein. Da werde ich auch nicht wirklich das Monstervermögen anhäufen, da kann ich mir die Seele aus dem Leib übersetzen und werde trotzdem nicht genug verdienen. Verdammt, ich bin einfach nicht der richtige Mensch zum Geldanhäufen. Wenn erstmal welches reinkäme, hätte ich kein Problem mehr. (Wenn ich nur alles so gut könnte wie sparen.) Aber das ist es nicht, ich bekomme erst gar keins. Scheiße, wieso braucht man denn aber auch so verdammt viel Geld, um am Ende geldlos zu leben.

  • Thymian und der Ausblick aus dem Mikrokosmosfenster

    Mir kam vorhin der Gedanke, mich mit einem Ast frischen Thymians zu vergleichen. (Es wird niemanden überraschen, dass ich gerade dabeiwar, die Aprikosenmarinade für mein soeben gerettetes tiefgefrorenes Zanderfilet mit Kräutern zu versehen. Und ja - durch meine mittlerweile bis auf wenigste Ausnahmen durchweg konsequent auf Gerettetes umgestellte Ernährungsweise bin ich kurzerhand wieder zum Allesfresser geworden, wobei es mir immer noch nicht wirklich behagt, Fleisch zu essen. Allein der Gesundheit wegen. Aber so ein gerettetes Wiener Würstchen als Teil eines geretteten Hot Dogs oder ein Fischbrötchen, das Basti aus der Arbeit rettet, oder ein Zandernfilet vom Großhandel meines Vertrauens, meine Güte, das passiert halt mal.)

    Jedenfalls verhält es sich mit mir wie mit dem frischen Thymian auch. Ich bin grundsätzlich mindestens so leicht von etwas zu überzeugen, wie sich die Blättchen vom Stiel entfernen lassen, wenn du oben ansetzt und gegen den Strich ziehst. Natürlich sträube ich mich ein bisschen, wenn es um die Feinheiten geht - die kleinen Seitenäste fallen mit ab und müssen im Nachhinein einzeln entlaubt werden - aber wenn du es richtig anstellst, bin ich für jeden Schwachsinn, der mir nicht völlig wider die Natur geht, Feuer und Flamme. Du kannst es allerdings auch auf die falsche Weise versuchen - das thymianische Äquivalent hierzu wäre dann, den Stiel am unteren Ende anzupacken und nach oben hin zu ziehen. Keine Chance. Das ist meine Mutter, die mich an meinen Schwächen packt statt an meinen Fähigkeiten. Und das ist Ryk, der trotz aller Kompromissbereitschaft nicht aufhören kann, mir meine bislang sehr ausgeprägt monoamore Orientierung als etwas Rückständiges verkaufen zu wollen, das ich ablegen soll.

    Ich bin in vielen Dingen kein sehr reflektierter Mensch, und würde ich das nicht offen zugeben, könnte ich mir keine Sekunde lang mehr selbst in die Augen sehen. Mir ist mein Mikrokosmos wichtig, den ich mit Hingabe hege und pflege - so gründlich, dass mir manchmal zu wenig Zeit bleibt, um nebenbei aus dem Fenster zu schauen. Ich tue gleichzeitig allerdings mein Bestes, um meine natürliche Unreflektiertheit dadurch auszugleichen, mich in Konfliktsituationen nicht unbedacht auf einer Seite zu schlagen, sodass, wenn ich dann doch mal wieder mit neuem Gedankengut oder unbekannten Sachverhalten konfrontiert werde, mir halb der Kopf platzt vor Bemühungen, alle Perspektiven gleichzeitig zu sehen. Das macht es dann doch wieder so leicht, mich zu beeinflussen. Das macht andererseits mich selbst so empfindlich gegen Angriffe. Meine Gedanken stehen auf so wackeligen Füßen, dass ein Windhauch ausreicht, damit ich zur nächsten Mauer hechte, die Schutz bietet. Das muss keine schöne Mauer sein. Meistens ist es schon zu spät, sie genauer zu begutachten, wenn ich auf der Flucht bin. Und am Ende werfe ich mich volle Kanne gegen etwas, aus dem Nägel herausragen oder Glasscherben.

    But, then, everything's better than falling.

  • I'm a construction site with no body plan. I'll never be finished unless I'm shown directions.

    Genau das, was ich heute tue, hat irgendwann in ferner Vergangenheit einen Großteil meines Lebens ausgemacht: Nichts. Ich hänge mit Schlafzeug und schlechtem Gewissen im Bett, gammele, schaue mir Videos an, muss aufs Klo, bin zu faul zum Aufstehen und schreibe mit Kepa über selbstgebastelte Aufsitzrasenmäher, aka Schaf mit Stuhl drauf, eifersüchtige Kartoffeln, die auf meiner Terrasse wachsen, und Kunstwerke aus den inneren Strünken von Möhren. Nebenbei betreibe ich halbherzige, unorganisierte Recherche zur Pflanz- und Erntezeit verschiedener Gemüsesorten und verdränge konsequent die Existenz von Neurolinguistik in meinem Leben. Die sowie die akute Notwendigkeit, mich anlässlich der Klausur am Dienstag damit auseinanderzusetzen.

    Tage wie heute habe ich vermisst. Auch wenn ich permanent daran denke, was ich gerade alles tun sollte und könnte.

    Schrieb ich gestern um diese Zeit, bis Basti kam und wir unsere Projektfinanzen genauer unter die Lupe nahmen, ein wie erwartet deprimierendes Unterfangen. Dann rief mich Lena an, um unsere Verabredung fürs Wochenende zu konkretisieren, und nachdem sie nebenbei erwähnte, dass bei ihnen in der WG seit einer Woche der Spülen- und Spülmaschinenabfluss verstopft war, beschloss ich kurzerhand, dass mein Privathandwerker und von Ryk respektvoll mit Kleinstadt-McGyver betitelter Allesreparierer das in die Hand nehmen sollte. Also fuhren wir im ekligen Regen zu Lena hoch, wo Basti in Zusammenarbeit mit den restlichen in der WG anwesenden Jungs das unmöglich Scheinende möglich machte und die Siedler-WG zurück in einen spülmaschinen- und spülerfüllten Zustand führte. Dann noch Containern und ab nach Hause, wo wir wie tot ins Bett fielen und ich heute Früh nichtmal mitbekam, wie sich der Arme um halb neun Uhr auf zur Arbeit machte.

    Geweckt wurde ich stattdessen um kurz vor zehn durch einen Anruf meiner Mutter. Nachricht des Tages: sie will sich von ihrem letzten Geld ein Rustico in Norditalien kaufen, 160km² Grundstück und ein vollständig renoviertes Häuschen mit Strom und Wasser und drei Zimmern auf drei Stockwerken. Niedliche 100m² Grundfläche, aber was will sie auch mit noch mehr Platz. Ein Bachlauf auf dem Grundstück. Fünf Kilometer zum See. Und dazu die ergreifende Zuneigungsbekundung, ich würde das Ding nichtmal bekommen, wenn sie stirbt, sofern ich nicht vorher gearbeitet habe.

    Hm. So war sie schon immer. "Wir haben uns alles, was wir haben, hart erarbeitet und du wirst das Gleiche tun." Wirklich, ohne Sarkasmus whatsoever, ich liebe diese Einstellung. (Die sie übrigens nicht davon abhält, mir weiterhin monatlich Unsummen an Geld zu überweisen; da kann ich ihr dreitausendmal sagen, dass sie es lassen soll, sie lässt sich einfach nicht überzeugen.) Nur dass es heute natürlich wieder in ein erhitztes Gespräch über Arbeit im Allgemeinen und meine Lage im Spezifischen ausartete, freut mich wenig. Wenn ich sie nur nicht so gut verstehen könnte. Ihre Herangehensweise löst trotzdem jedes Mal wieder reflexartige Widerstandsmechanismen bei mir aus, was traurig ist, weil ich so vermutlich noch mehr den Eindruck erwecke, uneinsichtig und weltfremd zu sein. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Eindruck sowieso nicht unbedingt der trügerischste ist, führt es einfach nur immer wieder zu abgebrochenen Telefonaten und ekelhafter Stimmung und Hilflosigkeitsgefühl auf beiden Seiten.

    Jetzt habe ich mit Trudi beschlossen, einen Versuch zu starten, natürliche Pflegeprodukte herzustellen und zu verkaufen. Damit ist selten jemand reich geworden, schätze ich, aber besser als nichts wäre es doch auch schonmal. Außerdem werde ich mich auf der Stelle umsehen, inwieweit es realistisch ist, dass Leute zu mir kommen und sich von mir helfen lassen, ihre Bewerbungen zu schreiben. Beziehungsweise wie man das erreichen könnte. Ich weiß genau, dass ich dafür geschaffen bin, Leute dabei zu unterstützen, ihre Anliegen jeglicher Art mit einer Präzision und angebrachten Wortwahl zu verbalisieren, wie sie es allein einfach nicht schaffen. Du sagst mir, was du sagen willst, und ich schreibe es für dich. Das tue ich seit Jahren für meine Freunde und Familie. Es muss einen Grund geben, warum man mit so etwas zu mir kommt. Es bereitet mir die größte nur denkbare Freude, jemandem zu ermöglichen, sich auszudrücken. Sie sind so rührend begeistert jedes Mal. Das tut mir gut; ich bin so süchtig nach Bestätigung. Das ist Arbeit, die ich gerne verrichte.

    Ferner bin ich dafür gemacht, Texte Korrektur zu lesen. Ohne mich in irgendeiner Weise über den grünen Klee loben zu wollen, aber mein orthographisches und grammatikalisches Verständnis ist irgendwie doch ziemlich stark ausgeprägt. Mein eigener Freund nennt mich einen Sprachnazi (was verständlich ist, weil er wiederum selbst so sprachnazihaft durch die Welt zockelt, dass ich mich ihm gegenüber wenig bis gar nicht zurückhalte und mein Sprachnazitum praktisch in Gänze ausleben kann, ein seltenes Privileg in dieser gleichgültigen, unverständigen Welt). Fehlerhafte Texte machen mich fertig, ich kann es nicht anders sagen. Am liebsten würde ich sie alle korrigieren, alle wie sie da sind, sogar unentgeltlich, aber ich glaube, das wäre bezüglich meiner eigentlichen Lebensplanung gerade kontraproduktiv. Ebenso, wie ich am liebsten der ganzen Welt umsonst Sprachen beibringen und Nachhilfe geben würde, mich aber andererseits schrecklich aufrege, wie die Eltern meiner beiden Schüler mich bezahlungstechnisch ausbeuten. Wo ist der Mensch, der gerne von einer hochqualifizierten Person etwas lernen möchte und bereit ist, im Gegenzug dazu beizutragen, dass sie ihren Lebenszweck erfüllen kann? Wer kauft mir meine eingekochten Semmelknödel aus geretteten Zutaten in geretteten Einmachgläsern ab?

    So viel zu meiner Berufung. Fragt sich, wie um alles in der Welt ich in irgendeinem der genannten Bereiche an Aufträge Schrägstrich Abnehmer komme. Werbung machen ist ja mal so gar nicht mein Ding. Und meine Qualifikationen, so real sie auch sein mögen, stehen nunmal auf keinem Papier geschrieben. Ist halt kein Stempel drauf, das will doch keiner. Dass es hierzulande wenig geschätzt wird, was man vom Leben gelernt hat, ist nicht unbedingt die neueste Neuigkeit. Aber alles Andere widerstrebt mir so über alle Maßen. Ich fühle mich schon wieder gefangen. Gleichzeitig bin ich kaum je motiviert genug, einfach mal Bemühungen anzustellen, es auf meine Art und Weise zu versuchen. "Das wird doch eh nichts" ist der Anfang und das Ende meiner Träume gleichermaßen. Das muss ich in den Griff kriegen, sonst blüht mir eine düstere Zukunft.

  • Menschen, oh, Menschen.

    Basti sagt, Bektaş würde Ryk nicht mögen, was schade wäre, weil ich Bektaş mag und Ryk aber auch, weil nämlich Ryk ein ganz über alle Maßen wunderbarer Mensch ist, den man mögen sollte. Natürlich ist mir klar, dass es nicht das Einfachste der Welt ist, Ryk zu mögen, aber man sollte es zumindest einmal versucht haben. Ich habe einfach komplette Panik, dass Laura Ryk mögen könnte. Ich habe zwar auch schonmal festgestellt, dass ich nichts dagegen hätte, die beiden miteinander zu teilen, aber zu der Zeit war mir noch nicht ganz so bewusst, wie optimal diese beiden Menschen eigentlich zueinander passen würden. Und jetzt, wo es mir bewusst wird, kann ich mir nichts Fürchterlicheres auf der Welt mehr vorstellen. Gawd, jetzt merke ich langsam, wie es Caro ergangen sein muss damals mit Şahin und mir. Scheiße, man. Scheiße, Scheiße, Scheiße.

    Ich hab' ihm "ich liebe dich" gesagt, irgendwann zwischen Donnerstag und Freitag gegen halb fünf, als er vom Contrast zurückkam, beziehungsweise von Emma, beziehungsweise vom Asylbewerberheim, weil ein Asylbewerber angeblich von einem Nazi auf die Fresse bekommen hatte und natürlich, Ryks Leben eben, er irgendwie darin verwickelt worden war und am Ende eben um vier Uhr zurückkam, breit ohne Ende und mit einem monstermäßig schlechten Gewissen, dass es so spät geworden war. Das ist deshalb von Bedeutung, weil es tatsächlich das erste Mal war, dass ich es geschafft habe, diese Äußerung einem Menschen gegenüber zu machen. Andererseits, weil ich es in dem Moment, Selbstschutz hin oder her, wirklich so meinte. Wie dankbar ich dafür bin, dass ich diese Dimension des Lebens noch wachen Auges erblicken darf.

    Nunja, wach ist relativ. Ich koche gerade noch Spargel ein, weshalb ich frühestens in acht Minuten das Licht ausmachen und schlafen kann, aber glaub mir, ich würde schon jetzt nichts lieber tun. Basti hängt da unten auf dem Boden an seinem Handy. Vorhin habe ich mit Simone geredet, was unglaublich guttat. Basti hat Wein geschenkt bekommen und mich, während Simone und ich am Reden waren, zuverlässig mit Nachschub providet. Und meine Gemütslage hat sich während des Wochenendes zunehmend erholt und ist wieder stabil, zum Glück auch. So schnell kann ich doch nicht den Ánimo verlieren, ezinezkoa da. Die belgische Sarah hat mir mit so erstaunlichen wie erfreulichen Berichten in Erinnerung gerufen, warum die Zeit mit ihr und Susmita eine meiner besten Erfahrungen war, die ich in dieser Stadt das Glück hatte machen zu dürfen. Und mein Spargel ist in drei Minuten fertig, was ziemlich gut ist, denn ich bin komatös und will einfach nur schlafen. Ade.

  • Was ist denn überhaupt los?

    (Hallo, Monia. Und hallo Caro, es tut mir leid, ich hab' ein klein bisschen geschwindelt vorhin, aber hätte ich dir gesagt, dass es mir grottig geht, hätte das unschöne Konsequenzen für deinen Abend gehabt und das war ja nun wirklich nicht Sinn und Zweck der Sache.)

    Nichts ist los. Txarrak berri, die schlechten Neuigkeiten. (As opposed to "zaharrak berri", den alten Neuigkeiten, "das Übliche", wie die Antwort eigentlich lauten sollte. Lisa hat damals mit ihrem Versprecher wieder einmal ein herrliches geflügeltes Wort geprägt.)

    Ist aber tatsächlich so. Nichts los, alles los, sie hat depressive Attacken seit Tagen und dreht irgendwie am Rad, ein kleines idealistisches Ding, das dachte, es hätte einfach auch endlich mal ein Ziel im Leben, seine ganze Hoffnung in Utopien setzt und sich am Ende wundert, dass sein Umfeld seine Visionen nicht teilt. Meine Mutter hat es an sich, Bedenken jeglicher Art durch Angriffe gegen genau die Person zu äußern, um die sie sich eigentlich sorgt. Eine in höchstem Maße tödliche Angewohnheit, die ich leider Gowais übernommen habe und aber trotzdem nicht auch nur ansatzweise aushalte, wenn man sie bei mir anwendet. Und sie ist jemand, der sich viel und ausgiebig sorgt. Gestern Nachmittag hatte sie mich so weit, dass ich ihr nach etlichen abgewürgten Telefonaten den AB mit der Erkenntnis zuheulte, sie hätte ja Recht gehabt, ich hätte keine Chance, keinen Plan und keine Hoffnung und wäre nicht dazu gemacht, meine Träume zu verwirklichen. Ich habe ihr in meinem ganzen Leben nicht so ein Eingeständnis meines Unrechts zukommen lassen wie diese Nachricht gestern.

    Von der Resignation ist noch genug übrig, auch wenn ich inzwischen wieder annehme, das Ganze lebend überstehen zu können. Ich habe im Zuge der Aufgebattacke erstmal meinen WWF-Spenderauftrag gekündigt, weil ich mir mit einem Mal sicher war, dass all meine Bemühungen, diese Welt meinem Bild einer besseren anzugleichen, völlig für den Arsch wären. Ich kann ja doch nichts ändern, meine Ideale sind für niemanden nachvollziehbar und das, was ich aus meinem Leben machen wollen würde, ist etwas, das mir in dieser Gesellschaft aus den absurdesten Gründen auf ewig verwehrt bleiben wird. Und was mir natürlich wieder den Rest gab, das kann sie gut - sie hat, eher unbewusst, schätze ich, mit meiner Angst vor dem Verlassenwerden gespielt, meiner einzigen wirklichen Angst, die ich habe auf der Welt. Was ich machen würde, wenn sie alle irgendwann ihre Familie hätten, fragte sie. In deinem Alter träumen sie alle. Aber irgendwann haben sie alle Familien, gehen weg und lassen dich allein. Was machst du dann, alleine auf deinem Kotten? Wer geht aufs Feld, arbeiten, wenn du krank bist? Wenn du nach fünf Jahren deinen Körper kaputtgeschuftet hast? Die denken vielleicht, dass sie für immer mit dir auf dem Hof bleiben wollen, aber am Ende bleibst du trotzdem alleine übrig mit deinem Öko und deiner Selbstversorgung. Und nein, sie werden dir nicht helfen. Sie können sich aussuchen, ob sie dir unter die Arme greifen wollen oder ihren Kindern Klavierunterricht bezahlen können. Und da nützt dir jede Kosten-Nutzen-Rechnung nichts, wenn du eh vorhast, nur Bettelbriefe zu schreiben.

    Warum, hätte ich eigentlich fragen können, wäre ich noch dazu in der Lage gewesen, lassen sie dann nicht einfach mich ihren Kindern Klavierunterricht geben. Problem gelöst.

    Sie hat mit allem Recht, aber sie geht von einer komplett anderen Realität aus, als ich es tue. Und sie schafft es nicht, sich Sorgen zu machen, ohne mich dabei in Grund und Boden zu stampfen, sodass ich am Ende der festen Überzeugung bin, mein Leben lang unerreichbaren Idealen hinterhergerannt zu sein und schlicht und ergreifend keine andere Wahl zu haben, als mich dem System anzupassen, das ich so über alle Maßen verabscheue. Sie verachtet mich dafür, dass ich das System verachte. Sie fühlt sich davon persönlich angegriffen, dass ich offen zugebe, dass mir ein von Geld und Geldbeschaffungsmaßnahmen bestimmtes Dasein völlig zuwider ist. Sie interpretiert meine Ablehnung bezahlter Arbeit als Faulheit. Ich könnte einen ganzen Wasserfall schreiben, andererseits bin ich todesfertig und muss schlafen. Dringend. Ich leg' Ryk den Schlüssel vor die Tür und verabschiede mich fürs Erste.

  • So how can you look/ the world in the eyes/ when all we can see is corruption and lies?

    Wie kann eigentlich die Grenze so dünn sein zwischen vollkommen normaler Existenz und vollkommener Zerstörtheit. Erste Suizidgedanken seit Jahren. Ich bin froh, wenn ich die Nacht bis 7.30am, wenn Ryk kommt, überlebe. Ich bezweifele allerdings, dass Ryk sehr froh sein wird, dass ich überlebt habe, wenn er mich in meinem abgewrackten Zustand kennenlernt.

    Dass niemand da ist, hilft nicht. Ryk arbeitet, Lisa arbeitet und ist nicht belastbar, Caro arbeitet, Marie ist nicht belastbar, mein Vater arbeitet, meine Mutter ist als unmittelbar Beteiligte nicht die richtige Ansprechpartnerin (und noch dazu nicht belastbar), meine Großeltern sind nicht belastbar, Basti hat Euskera; Laura, Janine, Robert, JO, alle nicht da. Wobei unter diesen Kandidaten auch wieder einige sind, die mit diesem Scheiß zuzulabern mir nicht richtig vorkäme bzw. von denen ich mir wenig Hilfe erhoffen würde.

    Vielleicht kann mir irgendjemand eine neue Perspektive zeichnen. Ich bin zu blockiert dafür.

  • Kommando zurück!

    So. Nachdem ich gestern Abend wieder einmal feststellen durfte, dass ich den Anforderungen dieses meines menschlichen Daseins nicht mehr auch nur im Geringsten gewachsen bin, sobald sie über das ganz Rudimentäre hinausgehen, verabschiede ich mich ein Mal mehr von der Illusion einer vollständig geheilten Existenz. Ebenso von der Idee, mit der Uni dieses Semester fertigzuwerden. Das ist eine Erleichterung. Nach Aufgeben fühlt es sich nicht an; ich glaube eher, mich mit dieser Entscheidung einen Schritt weiter in die Richtung hin entwickelt zu haben, in die ich eigentlich möchte. Raus aus der Matrix, raus mit mir.

    Ich hatte ein unschönes Gespräch mit meiner Mutter, welche sich weniger an der Tatsache stört, dass ich nun beschlossen habe, meine Thesis im Oktober erst zu schreiben (dafür aber gründlich vorbereitet und ohne zusätzliche Uni-Belastungen), als (wie war es anders zu erwarten) an der ihr zugegebenermaßen geringfügig taktlos mit den Worten "Ich mach' keinen Master, das kannst du dir abschminken" eröffneten Änderung an meiner Lebensplanung, die nunmehr den Fokus darauf legt, mich in der ökologischen Agrikultur zurechtzufinden statt in der literarischen Übersetzung.

    Sie schafft es so zuverlässig, meiner kompletten Überzeugung die Grundsubstanz zu rauben, dass ich mich jedes Mal aufs Neue frage, warum ich überhaupt mit ihr über irgendetwas von Belang zu sprechen noch das Bedürgnis hege. Statt ihre Bedenken sachlich zu äußern, befindet die Frau es für notwendig, mich in meiner Gesamtheit so platt zu machen, dass ich ein ganzes Leben lang daran zu knabbern haben werde, mich von ihrer Stimme in meinem Kopf zu befreien, um eventuell irgendwann doch wieder annehmen zu können, dass ich es in meiner Welt, mit meiner Vision, auf meine Art zu etwas bringen werde. Etwas, das ich auch selbst tatsächlich will.

    Ich bin heute Nacht um vier Uhr aufgewacht und konnte ewig nicht mehr einschlafen. Das passiert mir ungefähr einmal in drei Jahren. Wobei es, wenn ich mich richtig erinnere, heute Früh vor allem darum ging, dass ich mir Horrorszenarien ausmalte für den Fall, ich wäre schwanger. (Ich habe zwar momentan die krassesten PMS diesseits der Schmerzensgrenze, aber werde das blutige Elend dieses Mal wahrscheinlich trotzdem mit einem solchen Enthusiasmus empfangen, dass es schon bald annehmen müssen wird, sich in der Adresse geirrt zu haben.)

    So, zum Abschluss noch ein gewohnt-absurdes schriftliches Ukumenschgespräch - neuerdings, exhileratingly, frei jeden Gefühls des Zermatschtwerdens - und dann ab ins Bett.

  • Foltermethoden, Linguistik und lichte Momente.

    "To Janet and Eun-Sook".

    Ich überlegte flüchtig, während ich mich in meiner Position auf den Gartenkissen noch einmal zurechtrückte, so, wie es Dari damals immer gemacht hat, wenn sie zu mir kuscheln kam, was für ein erhebendes Gefühl es sein muss, wenn einem ein Einführungsbuch in die Morphologie gewidmet wird. Und ob ich es lieber hätte, dass man mir ein Buch dieses Kalibers widmet oder vielleicht lieber gar keins.
    Andererseits, zer zakit nik, es können ja Janet und Eun-Sook genausogut begeisterte Linguistiknerds sein, die nichts lieber lesen als ihre Namen an vorderster Stelle dieses Einführungsbuches in die Morphologie.
    Oder aber der Autor ist mit Janet und Eun-Sook bis aufs Blut verfeindet und hat die beiden im Zuge eines genialen Geistesblitzes für alle Ewigkeit in diesem hocheffektiven Folterinstrument eingesperrt. Oder so.

    Eigentlich habe ich das Buch nur mit rausgenommen, um zu vermeiden, dass mein Gewissen mir Probleme macht. Es war heute der erste heiße Sonnentag seit über einer Woche, und ich hätte es niemals übers Herz gebracht, ihn nicht zumindest teilweise weg vom Computer im Garten arbeitend zuzubringen (und somit fern von allem, was mir für meine Bachelorarbeit wirklich von Nutzen ist, sofern man einen Vorrat an Wärme, Licht und Frischluft sowie einen Grundstock an guter Laune nicht als elementare Notwendigkeit ansieht).

    Es ist magisch da draußen, und ich bin mittlerweile mit meinem langsam erwachenden, sich Stück für Stück von den Fesseln meiner Matrix befreienden Denken an einem Punkt angelangt, an dem ich es mir selbst gegenüber kaum noch vertreten kann, auch nur einen weiteren Gedanken auf das zu verwenden, was man allgemeinhin als berufliche Qualifikation bezeichnet. Abschluss. Uni. Matrix.

    Ich habe heute über Zäune nachgedacht. Wieder ein lichter Moment, einer von der Sorte, die einen bei auch nur ansatzweise gehäufterem Auftreten maßlos überfordern würden. Meine werden seit geraumer Zeit häufiger. Irgendwo machen mir die Momente Angst. Wenn du die alltäglichsten Dinge mit einem Mal nicht mehr verstehst, so, wie es mir heute mit den Zäunen ging. Ich habe mir auf einmal die Welt ohne Zäune vorgestellt. Zäune, Mauern, Barrieren jeglicher Art. Dann fiel mir ein, dass es vermutlich gesetzlich vorgeschrieben ist, sein Grundstück einzuzäunen. Jetzt komme ich nicht mehr umhin, die schlichte Abstrusität des Konzeptes Zaun auf alles an menschlichen Eigenschaften auszuweiten, denen die Zustände, in denen wir leben (und die wir größtenteils für viel zu selbstverständlich erachten, um überhaupt nur auf die Idee zu kommen, sie in Frage zu stellen), zu verdanken sind. Ich hoffe einfach, dass ich nicht vollends verrückt werde, je mehr Löcher sich in der Matrix auftun.

    Ich habe außerdem angefangen, für meine BA zu recherchieren, denn ich möchte es wenigstens versuchen.

  • Zombiehirn auf Toast. Nein, warte, auf Pause.

    Fuck, was soll das nur werden. Vier Stunden Schlaf vor mir und um 8.15 ein Seminar, das zu schwänzen oder in dem den dringendst benötigten Schlaf nachzuholen so verlockend wie selbstmörderisch wäre, wenn man bedenkt, dass es Morphologie II ist und ich mir eventuell Mühe geben sollte, dem Plank nicht so ganz sofort als hochgradig inkompetent und dazu noch faul ins Auge zu springen. Auch wenn es leider genau den Tatsachen entspricht.

    Ryk hielt mir vor ein paar Stunden in der Absicht, zu helfen, einen seiner halbstündigen Monologe über auf seinem eigenen Erfahrungsschatz in der Sache aufbauende Überlebensstrategien in Planks Morph-II-Kurs, die leider allesamt zumindest zu gewichtigen Teilen auf der Annahme beruhen, der zu überleben Versuchende habe irgendetwas an fachlicher Kompetenz vorzuweisen. Ich bin ja nun mit seiner Redegewalt bestens vertraut, konnte aber nicht umhin, mich trotzdem davon geringfügig frustrieren zu lassen. Er, der Abbrecher von uns beiden. Hält mir linguistisch fundierte Vorträge, für die ihn diverse Unis vermutlich bezahlen würden. Effizienter konnte er mir kaum seine eigene hochhaushohe Überlegenheit darlegen, und das in Bezug auf Linguistik im Allgemeinen, Morphologie im Speziellen, Unierfahrung und selbst noch Eloquenz und Rhetorik. Seine Steckenpferddisziplinen nannte er Syntax und Morphologie, diejenigen, die ihn an seinem Studium wenigstens ein bisschen interessiert hätten.

    Das Ganze endete irgendwann abrupt mit dem Ausruf "Bier!", den ich daraufhin, als ich tatsächlich mal wieder zu Wort kam, als das Motivierendste klassifizierte, das er innerhalb der letzten Dreiviertelstunde von sich gegeben hatte. Er hatte dann ein schlechtes Gewissen. Dabei wollte er eigentlich nur helfen. Leider auf eine Art, die mir meine Unfähigkeit nur nochmal deutlicher vor Augen führte. Er kann ja aber auch nicht ahnen, wie unfähig ich bin, wenn es um wissenschaftliches Arbeiten geht. Pfui Teufel; es graust mir davor so sehr, dass ich mich immer mal wieder frage, was genau ich nochmal auf der Uni eigentlich zu suchen habe. Ich weiß es ja selbst. Ich gehöre in eine Selbstversorgerkommune, nicht auf eine verfickte Uni.

    Aber gut, was will man machen.

    Man könnte damit anfangen, das überschlafmangelte Zombiehirn für ein paar Stündchen auf Pause zu schalten.

  • Schön. Schön, schön, schön, schön, schön. Wirklich schön.

    Hypermotivationserfüllter Tag heute. Eine Seltenheit momentan, aber ich habe es tatsächlich hinbekommen, mich um halb zwölf aus dem Bett zu schwingen und einem produktiven, glücklichen Tag einen verhältnismäßig zeitigen Anfang zu bescheren. Basti hatte hier gepennt und verschaffte mir die perfekte Motivation für ein richtig schönes, ausführliches Frühstück - etwas, wofür ich alleine niemals mehr Zeit aufwenden würde. Trudi kam und setzte sich dazu. Sie ist nicht wiederzuerkennen momentan; ich sehe schlagartig ein, dass von dem Menschen, den ich damals im Wohnheim kennengelernt hatte, zwischenzeitlich wirklich und wahrhaftig nichts mehr übrigwar und es nicht zwangsläufig an einer gestörten, verzerrten oder veränderten Wahrnehmung meinerseits gelegen haben muss, dass ich so lange das Gefühl hatte, mit einer völlig fremden Person zusammenzuleben. Nein, es gibt sie wirklich, die alte Trudi. Ich bin so glücklich über jeden Schnipsel, den ich momentan von ihrer mir so unglaublich lieben altbekannten Persönlichkeit wieder aufschnappe. Das bringt mich dann hoffentlich durch Zeiten, in denen sie sich wieder hinter etwas verschanzt, das mit meiner wunderbaren Freundin von noch vor einem Jahr so reichlich wenig gemeinsam hat. Und in denen ich das Gefühl habe, selbst zu einer eigentlich ziemlich ekligen Ausgabe meiner selbst zu mutieren, die aus dem kompletten Mangel an Verständnis resultiert, den ich der "anderen" Trudi gegenüber an den Tag lege.

    Basti hat ein Regalbrett für mich in der Küche angebracht und meine Lebensqualität damit verbessert.
    Ich habe die weltbewegende, alles verändernde Entdeckung gemacht, dass das Metall-Flaschenhalterding, das ich einst vor Waltraud aus der Restmülltonne gerettet hatte, genau in die Lücke zwischen Kühlschrank und dem anderen Schrank passt und sich dort nicht nur ganz hervorragend als Halter für Geschirrtücher, sondern noch dazu als einzigartig blendend funktionierendes Anti-Geräusch-Mittel gegen die ewig nervenzermürbenden Vibrationsattacken des Kühlschranks eignet. Ich habe bestimmt fünf Minuten deriliös vor Glück "herrlich, herrlich, das Leben ist so herrlich" vor mich hin ausgerufen.

    Ich habe auch Neurolinguistik gelernt, oder zumindest konnte ich meine Mutter dazu bewegen, sich eine Stunde lang von mir die Vorlesungsmaterialien auseinandernehmen zu lassen, wodurch Mensch ja bekanntlich auch lernt. Ich besonders; mir ist es fast unmöglich, für mich alleine zu lernen. So wie es mir vom Prinzip her meistens unmöglich ist, überhaupt irgendetwas für mich alleine zu tun. Ich werde erst wirklich effizient, wenn mir jemand zur Seite steht, sei es durch bloße Anwesenheit oder sogar aktives Involvement. Ich bin bekloppt, ya lo sé. Badakit.

    Nun habe ich soeben dem Ukumenschen auf eine Nachricht geantwortet, die den Tag endgültig zu etwas Besonderem gemacht hat. Das Leben verblüfft mich immer wieder; es tut einfach nie, was man erwartet. Ich liebe es, wenn sich mein selbstschutzbedingter Pessimismus in Bezug auf mir wichtige Personen als grundlegend unberechtigt herausstellt. Das ist so selten der Fall, aber es ist jedes Mal wie eine kleine Erleuchtung.

    Jetzt ist Basti mit Abendessen angekommen. Er hat ein halbes Festmahl aus der Arbeit gerettet und mich vorhin extra angerufen, damit wir nur ja nicht zu Abend essen, bevor er kommt. Eine Seele von einem Menschen.

  • Ja, is' ja gut, du Tutti.

    Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass sich meine Schlafgewohnheiten nach langer Zeit wieder einmal dem eigentlich der vorlesungsfreien Zeit vorbehaltenen Vampirrhythmus annähern. Damnit, wieso jetzt?

    Telefonat mit Ryk vorhin ergab überraschendsterweise, dass ich eventuell doch die Möglichkeit nicht ganz außer Acht lassen sollte, ihn zumindest hypothetisch in Bastis und meine Selbstversorgerpläne mit einzubeziehen. Irgendwie war ich immer davon ausgegangen, dass er (der Tatsache zum Trotz, dass er mit seiner vermutlich nach Ryk-Art nicht sehr gründlich durchdachten Bemerkung "Wenn wir Internet hätten, könnte ich mir mit dir Selbstversorger vorstellen" mir gegenüber das Ganze überhaupt erst ins Rollen gebracht hat) so ziemlich der letzte Mensch der Welt wäre, mit dem ich in dieser Sache hätte rechnen können. Womit ich einmal mehr seine Bereitschaft, sich nach mir auszurichten, aus Selbstschutzgründen massiv unterschätzt hätte.

    Heute Nachmittag arbeite ich. Heute Vormittag schlafe ich. Irgendwann muss ich anfangen, für die Uni zu arbeiten. Irgendwann.. bald. Dienstag gehe ich zu Plank in die Sprechstunde. (Bachelorarbeit bei Plank, wie abstrus wird dieses Leben eigentlich noch.) Mittwoch arbeite ich. Dann sollte ich anfangen. Anfangen. Anfangen.

    Ich hoffe, ich schaffe es.

  • Handik gutxira, gaur.

    Also. Ich hocke in Daniels Büro und warte, bis er damit fertig ist, Basti und seiner neuen Euskera-Kollegin Vera ihren wöchentlichen Privatunterricht zu erteilen.

    Das lief mal wieder anders als geplant. Zum Tutorium hat es nicht mehr gereicht - ich bin einzig und allein deswegen um 15.08 aufgewacht, weil Lisa sich diesen Moment ausgesucht hatte, mir eine SMS zu schreiben. Danke Gowai, dass mein Handy nicht auf lautlos war, sonst würde ich am Ende jetzt noch schlafen.

    Dann machte ich mich ohne Umwege auf in die Uni, weil Lisa gesagt hatte, dass sie mit mir reden wollte. Ich habe bis jetzt genau eine Banane gegessen, und das auch nur widerwillig, weil sie Daniel gehörte und mir in ihrer festen, knallgelben Erscheinung fast schon unnatürlich unreif erschien. Alles untrügliche Indizien dafür, dass er sie ganz bestimmt nicht aus dem Container gefischt hat. Mal ganz davon abgesehen, dass Daniel vermutlich wenig ferner läge, als sein Essen durch Rettungsmaßnahmen im Stil meiner eigenen Lebensweise zu besorgen. Nunja, ich habe trotzdem eine gegessen. Wenn ich mich zuvor schon erfolgreich davon abgehalten hatte, mir hier in der "Arche", dem in der Uni befindlichen Asien-Restaurant, eine riesige Box Frühlingsrollen zu holen.

    Nachdem ich mit Lisa geredet hatte, wollte ich eigentlich mit Daniel meinen Text durchgehen, nur war er leider noch nicht im Büro. Dann machte ich mich auf die Suche nach dem Seezeit-Shop, um eine Geburtstagskarte für Oma zu kaufen (nachdem ich von Zuhause zu hektisch aufgebrochen war, um in den unergründlichen Tiefen meiner Regale noch eine aufzutun), musste aber feststellen, dass der, wohl im Zuge der gerade hier stattfindenden Umbaumaßnahmen, in mir unbekannte Räumlichkeiten umgesiedelt wurde. Okay, zumindest Briefmarken wollte ich mir aber schonmal holen, also ging ich mit Handy am Ohr (wenn ich schon noch eine Viertelstunde Zeit hatte, bis Daniel um 5 ganz sicher im Büro wäre, wollte ich die Zeit noch sinnvoll nutzen und mal nachhören, ob Ryk noch lebt) in Richtung des Automaten. Der Automat war außer Betrieb - ich war nie eine Freundin von Murphys Hypothesen, aber manchmal gerät meine Überzeugung ins Schwanken - also ging ich mit Ryk nach draußen und ließ mich auf der Bank an der Bushaltestelle von ihm über die neuesten Murat-Geschehnisse in Kenntnis setzen. Wer hat schon das Glück, in einer eigenen, privaten Miethai-Soap zu wohnen? Ach ja, Ryks WG hat es. Und ich selbst komme mir vor wie der gebannte Zuschauer vor dem Fernseher, mit dem Hörer am Ohr - es ist eine interaktive Sendung.

    Es ist schon eine Herausforderung, sich nicht permanent einzumischen, während direkt neben einem ein unfassbares Deutsch-Euskera-Gestümpere stattfindet, das zu beobachten irgendwas zwischen Verzweiflung, Glück und Belustigung hervorruft. Zehn Minuten noch, dann sind sie fertig, laut Daniel. Dann gehe ich nachher mit Basti nach Hause und habe natürlich genau NICHTS von alldem gemacht, was für heute auf meiner To-Do-Liste steht. Yaaay, so gehört sich das. Aber ich werde schon noch diszipliniert werden, irgendwann am Wochenende. Oder so.

    So viel Zeit habe ich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr tagsüber am Computer verbracht. Was ist nur aus meinem Leben geworden; mittlerweile braucht es wirklich den Umstand, dass ich zwei Stunden an der Uni festsitze, um mich an den Computer zu treiben. Mein Leben tut mir gut. Selbst jetzt, wo ich dann doch wieder am Computer sitze, tue ich es in Daniels Büro, nicht zu Hause im Bett. Skurril.

    Wenn ich nach Hause komme, muss ich meine Ohrhänger suchen, die mir aus der Tasche geflogen sein müssen, wärend ich zum Bus gerannt bin. So ein Scheiß, das waren welche von meinen allerliebsten selbstgemachten Ohrhängern. Sie dürfen nicht wegsein, das geht einfach nicht. Und sie hätten so grandios zu meinen Sachen gepasst heute, unfassbar grandios.

    Jetzt sind sie gleich fertig! Wunderbar, ich bin dann mal weg.

  • Namibiara joan ez nintzen eguna

    Jawoll. Ich habe es geschafft; ich bin mit meinem Entwurf (und, leider, gleichzeitig der Ausarbeitung) meines Textes fürs Barnetegi-Stipendium fertig. Nach über zwei Monaten Zeit und einen Tag vor Deadline, so lob' ich mir meine Arbeitsmoral.

    Da ich sehr, sehr fertig bin und gleichzeitig sehr, sehr stolz, dass ich es endlich fertiggebracht habe, diesen riesigen, enormen Text auf Euskera zu schreiben, hier, sieh ihn dir an. Ich geh in der Zeit schlafen und wache hoffentlich rechtzeitig wieder auf, um mich nachher ins Neurolinguistik-Tutorium schleppen und danach zu Daniel ins Büro gehen zu können, um das folgende Möchtegern-Meisterwerk mit ihm von den gröbsten Schnetzern zu befreien.

    Namibiara joan ez nintzen eguna

    "Ezer ez da gertatzen pensatu dudan bezala", Ken Follett-en nire zitazioirik kuttunenak dioenez. Egia esan, uste dut baldin badagoela esaera horien benetakosuna berresten duen adibide perfekto bat, oraintxe kontatuko dizuedan historio dela.

    Urteko bidairik luzeena aspaldi planeatutakoa zen. Helbidea Namibia izan zen – Frankfurtetik Windhoekera joango nintzen hegazkinez, eta han geldituko nintzen astebetez. Orduan, lagun bat iritsiko zen – Kepa du izena eta aspaldiko lagunak gara – nirekin iparraldera bidaiatzera.

    Lehen astean Windhoeken gelditzeko ideia izan zen Couchsurfing interneteko komunitateko kide batekin bizi. Bidaia-hasiera baino bi aste lehenago Namibiako neskak jakinarazi zidanean bere planak aldatutakoak zirela eta ezinezkoa izango zela harekin gelditu, ni oraindik ez nintzen kezkatu. Horrelakoa da bizitza, pensatu nuen; beste pertsona bat aurkituko dut, seguru. Baina jende-piloari galdetu arren, Windhoek hiri guztian inork ez zuen ni ostatatu ahal otsailko aste horietan. Beraz, otsailaren 19an, hegazkia aireratu baino ordu gutxi lehenago, nire lagunik hoberenaren urte-mugako jaia utzi nuen, haren logelan ordenagailu aurretan instalatu nintzen eta ostatu bilatzeari ekin nuen.

    Goizeko 4:50etan, Frankfurterako trenera igo nintzen. Gaua lo egin barik pasatutakoa nuen, baina nire burua oso ondo prestatutakoa nuela iruditzen zitzaidan. Nire gauza guztiak ekartzen ari nintzen, pasaportea eta gutzi, eta nora joan Windhoekera helduko nintzenean, ere banekien. Hegazkiak 9:25etan utziko zuen, edo dela, denbora gehiegi geratzen zen Frankfurten iristeko. Baina, nola ez, hainbeste zorte ona ezin zen betirako iraun.

    7:20etan, ia-ia aireportura heltzeko garaia etorri zen, eta esna mantentzen ninduen gauza bakarra izan zen hegazkinan lo egingo nintzen sendotasuna.

    7:25etan, trena gelditu zen. Bost minutu geratzen ziren aireportaino.

    - Bonba-alarma dago aireportuko geltokian, esan zuen ahotsa bozgorailu batetik. Ezin gara zuzenean jarraitu. Itxarongo gara hemen – ateak zabalduko dizuet, erre nahi baduzue.

    Ordu-erdiaz egon ginen, mugitu gabe. Trenak erretzailen kearekin eta neguko hotzarekin betetzen ari zen. Giroa desatsegina bihurtzen ari zen. Bidaiari batzuk kexatu zinen. Ni ikaragarri nekatuta nengoen.

    7:55etan itzuli zen bozgorailuko ahotsa.
    - Zoritxarrez, ezin da aireportura sartu une hauetan. Beste bide batez segiko gara, baina oraindik ez dugu jarraitzeko baimenarik jaso.

    8:50etan, esnatu nintzenean, trena duela asko martxan zegoen berriz.
    - Geltoki hurrengoa: Mainz, entzun nuen bozgorailutik.
    Kaka zaharra. Galduta nengoen.

    Noski, adorea oraindik ez nuen galdu. Trenetik jaitsi nintzen Mainzen, eta bira handi-handi bat eman nuen, hurrengo trenan Frankfurtera bueltatuz. Aireportura iritsi nintzen 9:26etan.

    Hegazkia jadanik ez zegoen.

  • 44

    So, Ryk ist weg, Realität ist wieder da, gleich geh' ich zum Rank und danach mit Marie zur Tafel und danach zu Euskera und danach zu Elli, falls sie ausnahmsweise mal wieder zur vereinbarten Zeit Nachhilfe möchte. Ich hab Panik. Ich glaube, es hat mit der Tatsache was zu tun, dass ich dringendst was für die Uni tun müsste und einfach nichts tue. Das Übliche; trotzdem aber ein wesentlich angenehmerer Grund zur Panik, als ich sie sonst so kannte. Ich bin müde und will schlafen, was aber wenig Sinn hat, weil mein Wecker in vier Minuten klingelt. Ich würde gern meiner Mutter sagen, dass sie in einer bestimmten Sache definitiv falsch liegt, aber dafür müsste ich sie anrufen. Besser telefonisch als schriftlich; wer weiß, wer da bei ihr mitliest. Ich bin so froh über die Sonne. Mein Wochenende war wunderbar, wenn auch von Fails geprägt. Nothing happens the way you plan it.

    Müde. Hunger. Müde. Panik. Argh. Test über mein mentales Alter ergibt 44.

    Panik. Deadlines. Zeitmangel. Ineffizienz. Druck. Dieses Semester fertigwerden? Oder doch erst nächstes? Ratlosigkeit; was mach' ich, wenn ich fertigbin? Wo mach' ich meinen Master? Mach' ich dazwischen noch ne Pause? Ungewissheit; wohin geht Ryk, wohin geh' ich, wo finden Basti und ich für unser Selbstversorgerprojekt ein geeignetes Haus und Grundstück? Wie weit weg von Ryk? Oder gibt es doch eine Chance, dass er mitmacht, völlig wider seine Natur? Ich wage es gar nicht für möglich zu halten. Ich frage ihn auch nicht. Das klärt sich, wenn es soweit ist. Ich wäre schon dankbar für Unterstützung von seiner Seite. Falls seine Unterstützung in dieser fernen Zukunft in meinem Leben noch von Relevanz ist. Aber das zeigt sich, wenn es soweit ist.

    Schlafen. Zehn Minuten noch, komm schon. Und dann auf in den Tag.

  • Blühender Birnbaum und strahlender Himmel

    So ein unglaubliches wunderbares Sommerwetter. Ich gehe in anderthalb Stunden zur Tafel, für Eugenia und Maurizio einspringen. Dafür nicht in die Uni, weil ich ehrlich gesagt auf Lisas und Daniels leicht ins Krankhafte gehende Aitatxo-Alabatxo-Geschichte gerade wenig Lust habe und außerdem mein verdammter Text fürs Barnetegi immer noch nicht fertig ist. Aber wozu der Stress; Deadline ist doch erst am 30.

    Ryk ist zu einem Genossen gefahren, um mich in Ruhe schreiben zu lassen (ich starte gleich eventuell wieder einen Pseudo-Versuch, den Text doch noch hinzubekommen), und geht danach in die Uni, um seine alten Kollegen in der Mensaküche zu besuchen. Ich gebe mir momentan Mühe, langsam, aber sicher zu lernen, mit ihm ich selbst zu sein, und ich würde fast sagen, ich mache Fortschritte. Und es ist ein wunderbares Gefühl, ganz wunderbar. Festzustellen, dass er mich allem Ich-selbst-sein zum Trotz zumindest bisher immer noch genauso zu mögen scheint.

    Was auch wunderbar ist, ich hatte heute relativ wenig Schwierigkeiten, aufzuwachen. Nachdem die einzige Nebenwirkung meiner Wunder-Medis mir in den letzten Monaten immer mehr begonnen hat zu schaffen zu machen, ist es immer eine Erleichterung, mal wieder davon verschont zu bleiben.

    Heute Abend werden wir grillen, oder Lagerfeuer machen, oder was auch immer, irgendwas mit Wärme auf jeden Fall. Darauf freue ich mich. Davor muss ich noch Nachhilfe geben; Elli braucht Hilfe bei ihrer Deutsch-Berichtigung, welche ich ihr mit dem größten Vergnügen zuteilwerden lasse. (Zuteilwerdenlasse? Äh. Himmel nochmal, und ich will kompetent genug für Deutsch-Nachhilfe sein?!)

    Hannes ist im Garten, aber in letzter Zeit verstehe ich mich gut genug mit ihm, dass mich diese Tatsache nicht davon abhält, auch rauszugehen. Das werde ich dann jetzt also tun.

  • Tippen im Halbschlaf.

    Ich dreh noch durch irgendwann. Nein, keine Frage, mir geht's ausgezeichnet. (Und ich habe so viel zu berichten, dass es mir schon davor graust, das alles verschriftlichen zu müssen.) Aber ach, verdammt seist du, Ukumensch. Ich erkläre später; jetzt rede ich mit Caro. Endlich. Endlich.

    So. Whoa, das war überfällig. Warum also soll der Ukumensch verdammt sein, nur weil mir durch mein zufälliges Erscheinen auf der Plattform hier, nachdem er gerade zufällig einen Eintrag rausgehauen hatte, dem ich demzufolge in der Vorschau auf der Startseite zwangsläufig begegnen musste, sein immerwährendes Existieren direkt neben mir, virtuell gesehen, auf eine zu konkrete Weise in Erinnerung gerufen wurde? Ich weiß es selbst nicht mehr; ich weiß nur, dass ich heute Muffins backe, mit uralten Eierlikör-Pralinés, die mir Thomas geschenkt hat. Andere Geschichte, herrliche Geschichte.

    Neulich in Oldesloe habe ich Johanna die beunruhigend zahlreichen Parallelen aufgezählt, die ich binnen kürzester Zeit zwischen Ryk und dem Ukumenschen festgestellt hatte. Es waren derer so viele, dass ich eine halbe Zugfahrt von Hamburg nach Oldesloe damit verbracht habe und selbst am Morgen danach mir immer noch mehr einfielen. Es hat praktisch nicht mehr aufgehört. Wohl die am stärksten ausgeprägte Ähnlichkeit wird sein, wie sie beide - Opfer ihrer ewig überreflektierenden, in allen Lebensbereichen dominanten Köpfe - verschiedenste ihrer Eigenschaften für ganz einzigartig und speziell halten und stolz der Welt verkünden, welche sich dann angemessen beeindruckt zeigt. Whoa, so toll bist du?? Und wenig später kommt man nach genauerem Überlegen zu der Erkenntnis, dass das eben Gehörte eigentlich den meisten Menschen eigen ist, mit dem Unterschied, dass für gewöhnlich niemand auf die Idee kommt, darüber nachzudenken, und folglich vermutlich einfach besagte Eigenschaft an sich oder Anderen nicht einmal bewusst wahrnimmt.

    Doch, ich denke beizeiten über so etwas nach. Genau wie darüber, dass ich dem Ukumenschen noch fünf Euro schulde, was mir ein schlechtes Gewissen bereitet, oder darüber, dass mein ganzes Leben heute nicht das wäre, was es ist, wäre ich nie Şahin über den Weg gelaufen. Ich hätte dann auch ganz sicher nicht gerade ein paar Stunden mit Caro geredet. Merkwürdig.

    Ich muss eigentlich schlafen, und das ziemlich dringend; um 10.20 treffe ich mich mit dem Kaiser und bespreche meine BA-Thesis, also sollte ich zu dem Zeitpunkt wach sein und mich vorzugsweise im Kaiser'schen Büro befinden. Lass mich aber noch kurz erwähnen - es wird wirklich Zeit - dass mir Ryk den Vorschlag unterbreitet hat, die Beziehung einseitig zu öffnen, damit ich für mich herausfinden kann, dass Poly toll ist - was sich so ziemlich genau mit der einzigen Möglichkeit deckt, die ich für die abstruse Konstellation, die diese Beziehung darstellt, letztendlich gesehen hätte. Er sagte, er kann auch drei-vier Jahre warten. Er scheint wirklich Vertrauen zu haben, dass ich es irgendwann begreife und dann auch noch umsetze. Ich wünschte, ich könnte mit demselben Optimismus da herangehen. Aber die Hauptsache ist, ich kann wieder leben, so richtig ohne das omnipräsente Gewicht auf meinen Schultern, das in den letzten Wochen schon wieder ganz gut dabeiwar, mich in Richtung Boden zu zwingen. Überraschenderweise war Sarah bisher diejenige, die sich am meisten mit mir zu freuen schien; ihre Reaktion war weitaus enthusiastischer, als ich in Hinblick auf unser momentan schon recht distanziertes Verhältnis erwartet hätte. Ich bin nicht sicher, ob der Mangel an Begeisterung bei den Anderen darauf zurückzuführen ist, dass sie es von vornherein für selbstverständlich halten, dass er seine Prinzipien so voll und ganz in den Wind geschmissen hat, um mich behalten zu können. Oder darauf, dass ihnen die Tragweite nie klar war. Vielleicht ist es auch eigentlich nicht so interessant, wie es für mich von innen heraus aussieht. Und ich tippe schon wieder, ohne denken zu können, im Halbschlaf. Ich sollte Zähne putzen gehen und mich schlafen legen. Bastis Wecker klingelt um zehn vor acht. Der pennt aber auch schon seit Stunden, der Glückliche.

  • Long Live the Fails

    So kommt also mein bisher definierendstes Zitat meines Lebens wieder einmal zum Zuge: Nothing happens the way you plan it. Danke, Ken Follett, für dieses Stück blanke Weisheit, die sich wie ein roter Faden durch mein Dasein zieht, seitdem ich dereinst meine Augen auf das Vorwort von World Without End richtete.

    Ich war selbstverständlich nicht in der Lage, mich um 7.12 aus dem Bett zu bewegen, und wer weiß, wo ich jetzt wäre, hätte mir Basti nicht während des zweiten Anlaufs um viertel vor acht völlig brutal die Decke weggezogen. Seine Vergeltung meines Ihn-Weckens kurz zuvor; eine Hand wäscht die andere.

    Eine halbe Stunde zu spät tauchte ich also hier in der Uni auf, beladen mit Essen noch und nöcher für den FairTeiler - nicht auszudenken, ich hätte das Zeug wirklich noch mit dem Fahrrad den Berg hochgekarrt! - nur um festzustellen, dass der Morphology-Raum devoid of any form of life whatsoever war. Machte folglich (meiner Art gemäß in mittlerer Lautstärke vor mich hinfluchend) eine Kehrtwendung in Richtung Computer, wo sich meine Vermutung schließlich bewahrheitete: Planks Morphology-Seminar beginnt am 21. April.

    Tja, meine Liebe. Hättest du halt zu der nachtschlafenden Stunde vorhin nicht nur den Raum gecheckt, sondern auch das Datum des ersten Termins, wärst du jetzt noch friedlich am Schlafen.

    And to top it all off, I crapped my pants. Like, literally. Don't ask.

    Natürlich muss Neurolinguistik heute stattfinden. Warum. Warum. Warum? Ich dachte, die beiden sind Buddies. Wollen sie nicht gleichzeitig mit ihren Kursen anfangen?

    Ich hatte etwas weniger als drei Stunden Schlaf. Ich bin vor Regelschmerzen am Krepieren. Und mit bleibt eine Stunde, um mich hier an diesem Ort sinnvoll zu betätigen. Man könnte das Büro vom Kaiser suchen und mit ihm über die Bachelorarbeit reden. Ja, man könnte. Ich glaube, das tue ich. Falls er da ist. Dann lade ich jetzt in aller Ruhe die dreißig Kilo Suppengrün und Radieschen am FairTeiler ab und mache mich dann auf zu ihm. Lang, lang lebe das Failortum.

    Edit: Oder einfach mit Kepa schreiben. Oder so. War auch mal wieder überfällig.

    Nothing happens the way you plan it.

  • Badakit...

    ... es ist keine gute Idee, um viertel nach vier noch wach zu sein, wenn man einen Tag der Sorte vor sich hat, die ich vor mir habe. Es hat sich trotzdem so ergeben. Und ich weiß auch (ere badakit), dass ich zu einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit diesen Tag irgendwie überleben werde. Vier Stunden und neunzehn Minuten davon habe ich ja bereits geschafft.

    Der Plan: 8.15 - 11.30 Uni. Morphology II beim allerhöchstgeschätzten Herrn Plank. Und danach Neurolinguistik bei seinem Kumpel Eulitz. Nicht dass ich gewusst hätte, dass die beiden Herrschaften verkumpelt sind, das musste mir Ryk erst eröffnen. Hätte er es lieber nicht getan; die Aussicht auf einen zweiten Plank in der zweiten Sitzung des Tages macht das Aufstehen nicht gerade erträglicher.

    12.00 - 18.00 Arbeit. Oh je, wenn ich da mal nicht vor dem Bildschirm kollabiere.
    Dann schnell, schnell für ein Stündchen nach Hause und dann kann ich auch schon wieder los zum Bus, der mich nach München bringt (hoffentlich). Natürlich gibt es viel zu viel, das ich in diesen anderthalb Stunden zwischen Arbeit und Losfahren noch machen muss. VIEL zu viel.

    Jetzt hätte ich um ein Haar schon wieder vergessen, nachzusehen, in welche Räume ich da eigentlich nachher muss. Heute habe ich aus dem (verspäteten) Bus noch ganz verzweifelt Daniel getextet, in welchem Raum der Literaturkurs ist, und er hat mir gerade geantwortet, als ich in der Uni angekommen und auf die allerletzte Minute schon fast dabeiwar, mich an einen der Computer vor der Abzweigung zum F-Bereich zu schwingen, wäre denn einer freigewesen. Glück muss man haben.

    Basti liegt auf der Klappmatratze und ist out cold. Hilarious war das vorhin; der Gute hat es gestern Abend ein wenig mit dem Alkoholkonsum übertrieben und kam auf dem Rückweg zu sich nach Hause bei mir vorbei, und weil ich noch am Essenversorgen und somit ungeplanterweise um Mitternacht noch wach war, nutzte er diese Tatsache, um sich bei mir einzunisten. Besser is'; ich glaube, ich schlafe sogar mit seinem Schnarchen noch besser als mit einem schlechten Gewissen von dem Kaliber, wie ich eins gehabt hätte, wäre ich am Ende dafür verantwortlich gewesen, dass er auf dem Nachhauseweg noch vom Bismarckturm gefallen wäre oder ähnliche Kunststücke angestellt hätte. Er hatte sich so schon auf dem Weg hierher oft genug mit dem Fahrrad hingepackt, wie's aussah.

    Und ich war bei Lena grillen. Das war schön. Jetzt werd' ich müde. Hurrengoa arte.

  • Come on, ego, you fool.

    Ja, oh ja, Donnerstag war furchtbar. Freitag war nochmal eine Klasse für sich - man könnte meinen, die frohe Kunde der Semesterferien wäre mit zweieinhalb Monaten Verspätung auch bei meinem Hirn angekommen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich nach der ganzen ewig langen, turbulenten Zeit gerade vorgestern zum ersten und hoffentlich einzigen Mal diese Ferien in den altbekannten Modus verfallen musste, der für frühere Exemplare der Gattung Vorlesungsfreie Zeit bei mir so charakteristisch wie alltäglich war. Aufwachen, Computer, schlafen. Computer, schlafen, aufwachen, schlafen, aufwachen, schlafen, schlafen, sechs Uhr abends. Aufwachen. Danke, Basti. Ohne den hätte ich den offenbar bisher wärmsten und schönsten Tag des Jahres vermutlich in Gänze verschlafen. Das war Freitag.

    So gefühlstaub war ich lange nicht mehr. Ich bin zwischendurch aufgewacht, habe teilnahms- und verständnislos nach draußen in die Sonne gestarrt, mich umgedreht und weitergeschlafen. Und war erstmal einfach froh, dass die doch leicht bedenkliche Stimmung vom Tag zuvor sich in keinster Weise durch die Nacht hatte hinüberretten können. Dann verstört, weil sich mein momentaner Zustand so überaus hartnäckig weigerte, sich klassifizieren zu lassen. Taub. So richtig. Die zwei depressivsten Tage des Jahres, ausgerechnet jetzt, wo es warm und sonnig wird. Aber am Abend hat Bastis Auftauchen mir wirklich den Hals gerettet. Und dann rief mich Ryk an (ganz im Gegensatz zu gestern/heute, wie mir soeben auffällt, aber whatever. Dann hat er offenbar nichts zu erzählen bzw. nach der Arbeit keinen Nerv mehr auf Reden gehabt) und ich habe meine Bustickets für nächste Woche gebucht und war glücklich, weil er sagte, er würde mich ziemlich hart vermissen. Das ist für Telefon-Ryk wirklich schonmal ne Aussage. (Nicht dass ich ihm in der Hinsicht irgendetwas voraushätte, aber von mir kennt man das ja auch nicht anders. Gefühlsäußerungen, ugh. Telefonisch oder sonstwie, bis man mich soweit hat, braucht es Jahre und/oder eine grundsolide Basis in Stein gemeißelten Vertrauens. Solange es sich nicht um Heulanfälle handelt, darin bin ich natürlich Pro, das macht mir so schnell niemand nach. Während ich also die Bestätigung seiner Zuneigung mir gegenüber aus dem ziehe, das er so von sich gibt, wenn wir uns sehen, hat er als Beweis immerhin meine stets verlässliche Art, ab und an unter seinen Taktlosigkeiten zusammenzuklappen. Was will man mehr; das nenne ich mal gelungene verbale Kommunikation von Gefühlen.)

    Gestern dann ein enormer Aufschwung. Ich konnte mich nach Wochen endlich dazu bringen, hierdrin aufzuräumen, habe dabei das No Use-Album gehört, das ich mir in Hamburg gekauft hatte - Keep Them Confused - und befand es für großartig. Welche Überraschung. Und ich konnte Sinn aus der Experience-Project-Gruppe I Miss Someone I Have Never Met machen, ein Mal mehr. Wirklich, Tony, warum musstest du sterben. Warum sind es immer die Guten, die sterben.

    Und mit dem heutigen Tage ist schon der letzte vor dem neuen Semester angebrochen. Ich werde ins Bett gehen, um ein bisschen was davon zu haben und zu Ende in meinem Zimmer klarschiff machen zu können. Produktiv und diszipliniert, so gehört sich das. Sogar meine Sanskrit-Mappe habe ich vorhin noch fertiggemacht. Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Basti hat mir ein gerettetes Fischbrötchen aus der Arbeit mitgebracht und ich habe beschlossen, ab jetzt noch konsequenter containertarisch zu leben als vorher. Oh herrliches Leben.

    Gedanken zu Apparition übrigens: Promise me you'll still be there when the planet lets me down, when this world lets me down. All you'd have to do is be around, for as long as you don't let me down, I'll never feel like the whole world has.

  • Hegoak ebaki banizkio...

    Das war ein schwieriger Tag. Ich wünsche mir, dass der heutige mir wieder mehr Frohsinn und weniger Nesselfieber bringt.
    Nicht falsch verstehen, mein Donnerstag hatte die wunderschönsten Mo- und Elemente. Die Sonne zum Beispiel. Und dass es mir gar nicht mehr zu kalt war, als ich in meinem Sonnenzelebrierungsoutfit (aka Sandalen, Sommerkleid und Stoffjacke) aus der Arbeit wieder heimfuhr, ganz im Gegensatz zum Hinweg. Dass ich Pfand weggebracht und dabei mit dem Bierkasten auf dem Kopf wieder mal im Bus für Unterhaltung gesorgt habe. Dass ich dann Spüli und Spülmaschinensalz von dem Pfandflaschenerlös gekauft habe und von einem netten Menschen an der Kasse vorgelassen wurde. Dass ich schon den zweiten Tag in Folge ein paar Minuten lang genug Muße hatte, mich mit einem Kissen auf die Treppe vor meiner Haustür zu setzen und zu lesen, gestern mit dem letzten Bier aus dem Osterkasten statt wie vorgestern mit am Foodsharing-FairTeiler abgestaubter Pulver-Chai-Latte. Dass ich Altglas weggebracht und mich bei all dem wunderbar produktiv gefühlt habe. Dass ich in der Arbeit Sarah dazu bringen konnte, dass sie wahrscheinlich die abartige Tigerzoo-Tour in Thailand aus dem Programm nimmt. Dass ich einen Rest Mehlknödel mit Käsesauce in der Arbeit dabeihatte. Dass ich mein Pensum so früh fertighatte, dass ich danach noch zwei Touren übersetzt und die Originaltexte meines gesamten Tagewerks noch korrekturgelesen habe, um dann immer noch zu früh, aber für mein Seelenheil trotzdem in der allerletzten Minute mich auf den Nachhauseweg zu machen. Das ist schließlich alles passiert gestern. Da sollten Geschichten wie das Nesselfieber automatisch viel weniger Gewicht zugestanden bekommen. Das ständige Heulenwollen in der Arbeit, der verdreckte Küchenboden, der ewige Zweifel an mir selbst, meinem Sinn und meiner Wertigkeit, Ryk, Ryk, Ryk, der Mangel an Lösungsansätzen und der Überschuss an Zäunen um mein Denken und Mauern um mein Fühlen und Angst um meinen Verstand, die mangelnde Fähigkeit, mich auszudrücken, die lückenafte Kommunikation, der unerfüllbare Wunsch, mich einfach kein Stück mehr verstellen zu müssen und mir zu erlauben, ihm mitzuteilen, dass es mir nicht gut geht, und ihn dazuhaben, wenn es mir schlecht geht, und ihm zu verstehen zu geben, dass jeder Mensch eine Welt ist und man im Leben nicht damit fertigwerden kann, auch nur eine einzige geliebte Welt komplett zu erschließen, und ich es für unmöglich erachte, mit einem einzelnen kleinen Geist zeitgleich in mehreren davon herumzustromern ohne Verluste, ohne Rücksicht auf Verluste.

    Caro schreibt mir, aber ich geh' jetzt ins Bett. Alda lan, bin isch kaputt, du Opfer.

    Edit:

    Hegoak ebaki banizkio
    Neria izango zen.
    Ez zuen alde egingo.

    Bainan honela
    Ez zen gehiago txoria izango

    Eta nik txoria nuen maite.

    If I had cut his/her wings, s/he would have been mine, s/he would not have gone away.
    But then, s/he wouldn't have been a bird anymore.
    And it was a bird that I loved.

    Der Wille muss seiner sein; ich werde ihm nicht die Flügel abschneiden, ich kann ihm nicht die Flügel abschneiden; wenn das tatsächlich seine Flügel sind, soll er fliegen.
    "Ich flög' auch zu dir". Das zu meinem spontanen "Wenn ich ein Vöglein wär'" auf dem Klavier seiner Eltern. Er labert so viel, wenn der Tag lang ist.

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Hier übrigens mein anderer Blog, "Save the lettuce" - für Verwendung und gegen Verschwendung: http://aspestie.blog.de/

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