szmmctag

  • Pläne umschmeißen und Veränderungen durchmachen (sonst wäre es doch alles nur langweilig).

    Ich bekomme inzwischen.. ich weiß, harter Verstoß gegen die heilige Anti-Spam-Regel, aber andererseits vielleicht ja auch irgendwo Kompensation für die ganzen entsetzlichen Lücken aus den letzten zwei Monaten - jedenfalls: Ich bekomme inzwischen weitaus bessere Telefonate mit Ryk zustande. Das eben zum Beispiel, oder das vom Freitag, als ich ihn dazu bewegen wollte, sich aus dem Bett zu schwingen und die Sonnenfinsternis zu beobachten (vergebene Liebesmüh; bis er sich seine Socken angezogen und seinen Dübel gebaut hatte, denn wenn man schon auf die Terrasse geht am frühen Morgen, dann nur mit Stil, war das Spektakel schon längst vorbei - er trat also hinaus auf seine Terrasse mit dem Kommentar, es wäre dort taghell). Oder das am Abend davor, wo wir bestimmt eine Stunde damit verbracht haben, uns irgendwelchen sinnfreien Facebook-Quizzes zu unterziehen. Es normalisiert sich. Das hat nun eine Weile gedauert, weil wir einfach den ganzen Monat davor praktisch nie telefoniert hatten; warum auch, wenn man eh permanent zusammenhing.

    Ich kann nicht mit Laura zwischen dem 2. und 6. April verreisen, fiel mir heute auf. Und zwar hätte ich mir eventuell vorher darüber im Klaren sein sollen, dass die paar Tage zufällig um das Osterwochenende gestrickt sind, und um Ostern kommt mich Simone besuchen. Zum allerersten Mal, seitdem ich hier unten lebe. Irre, irre. Auf jeden Fall kein günstiger Zeitpunkt, um mich mit Laura aus dem Staub zu machen. Das heißt natürlich auch, dass ich von München aus einfach wieder nach Hause gurke. Jetzt muss ich das Ganze nur noch Laura erklären.

    Caro fliegt morgen Früh um neun. Was für eine eklige Uhrzeit. Ich habe ihr den Vorschlag unterbreitet, doch einfach durchzumachen; sie wird immerhin von ihrer Mutter zum Flughafen gebracht und läuft somit nicht einmal Gefahr, Opfer des gleichen Schicksals zu werden wie ihre liebe Freundin Aspi vor ein paar Wochen in einer ähnlichen Situation. Verständlicherweise war sie von der Idee nicht sonderlich überzeugt.

    Jetzt warte ich darauf, dass Laura nach Hause kommt, damit sie mich anrufen und von ihrem Glück erfahren kann, dass ich nicht zum geplanten Zeitpunkt auf Reisen gehen kann. Und siehe da, als hätte sie's geahnt - da ist sie ja schon.

  • Deprimierend...

    Ich bin motiviert,

    - meinen BA dieses Jahr tatsächlich zu machen.
    - meinen Master in Übersetzung zu machen.
    - ein containertarisches Koch- und Handbuch rauszubringen.
    - zu versuchen, meine utopische Bewerbungshilfe- und Lektoratsagentur auf die Beine zu stellen.

    Ich schaffe es dagegen nicht,

    - meine Sanskrit-Mappe fertigzumachen bzw mich darum zu kümmern, sie abzugeben.
    - mein Uni-Mail-Postfach regelmäßig zu checken.
    - rechtzeitig aus dem Bett zu kommen, um um 11 Uhr vormittags in der Arbeit zu sein.
    - Mails und Nachrichten zu beantworten, die sich seit Ewigkeiten in meinen diversen Inboxes stapeln.
    - mich um meine sozialen Kontakte zu kümmern bzw meine wichtigsten Kontakte aufrecht zu erhalten.

    Was ist verkehrt mit mir? Wenn ich etwas erreichen möchte, sollte ich vielleicht erst einmal dafür sorgen, meinen Alltag zumindest halbwegs vernünftig auf die Reihe zu bekommen.

  • Wunder, oh Wunder.

    So. Caro ist weg, Ryk ist weg, ich geh' arbeiten. Rede heute Abend mit Laura, die mich gefragt hatte, ob ich Lust hätte, spontan vom 2. bis 6. irgendwo hinzufahren. Und mit Caro, bevor die morgen nach Portugal entfleucht. Unwirklich. Sonntag bin ich dann wohl in München; Ryk schien für seine Abreise vorhin einen ähnlichen Grad an Begeisterung aufzuweisen wie ich, und mir passt es super in den Kram, schonmal ein Stück weiter oben zu sein, wenn ich ab dem 2. eh mit Laura unterwegs bin. Von München aus bin ich im Zweifel schneller da, egal wo es uns am Ende hinverschlägt.

    Es wird jedes Mal schlimmer mit diesem Kerl, oder eher damit, ihn wieder weggehen zu lassen.
    Ein einziges Rätsel, das alles. Ich habe im Lauf der letzten Tage noch einige der skurrilen, einzigartigen, bemerkenswerten Gestalten kennengelernt, die er in dieser Stadt zu seinen Freunden zählt, und frage mich wieder einmal, wie um alles in der Welt ich da reinpasse. Ich bin dieser formlose Mensch zwischen all den herrlichen Ecken und Kanten und Mustern und Farben. Aber ich werd' mich nicht beschweren; wenn er meint, ich kann da mithalten, dann ist dem offenbar so. Auch wenn ich mal wieder nicht die geringste Ahnung habe, wie ich das mache. Und dann ist er derjenige, der singt, "es gibt doch sooo viele Männer.. Warum gerade ich, frag ich mich" - frei nach Funny van Dannen. Versteh einer diese Welt.

    Ach, ich hab' so keine Lust, arbeiten zu gehen. Argh. Ich bin müde wie Teufel. Die letzte Woche war einfach nur wunderschön. Genau wie die davor. Und Caro geht es besser.
    ABER ICH BIN SO MÜDE. Ich pack' niemals acht Stunden Arbeit heute. Trudi verkündet mir, dass man beim Kaufland jetzt Jamie-Oliver-Grillsachen für seine Treuepunkte bekommt. Ich bin davon nur mäßig beeindruckt, was vermutlich verständlich ist, wenn man bedenkt, dass ich in diesem Leben hoffentlich nie mehr dazu kommen werde, eine derart horrende Menge an Kaufland-Treuepunkten anzusammeln, dass ich sie gegen Jamie-Oliver-Grillsachen eintauschen könnte.

    Ach Fuck. Which reminds me, ich muss noch beim Großhandel vorbeifahren, um für Basti das Tomatensuppenpulver einzusammeln, welches er gestern dort gesehen und dann aber keine Kapazitäten hatte mitzunehmen. Shiiit, ich muss mich fertigmachen. ICH BIN DOCH SO UNGLAUBLICH MÜDE.

    Mein Zimmer sieht aus wie Sau. Naja, es könnte schlimmer sein, aber dass ich vor drei Tagen hier Großputz veranstaltet habe, glaubt mir bei dem Anblick definitiv niemand. Caro vielleicht, die dabeiwar. Sonst womöglich noch Kepa, dem das Vermüllungsgesetz ja auch zur Genüge bekannt ist. Mit dem sollte ich auch die Tage mal reden; jetzt ist er zwar erstmal in Köln, aber irgendwann muss ich doch auch mal Details über Namibia erfahren. Meine Namibia-Reise, die er letztendlich ohne mich unternommen hat. Während ich überglücklich zu Hause hing. Ein Hoch auf abstruse Zufälle.

  • Recht random Reflektionen (wenn du mich fragst).

    Ich denke mal, wenn ich schon nichts schreibe, sollte ich wenigstens kurz erklären, wieso ich nichts schreibe. Zur Not eben hier. Schriftlich. Es leben die Widersprüche.

    Nein. Also. Ich bin gestern Abend wiedergekommen, war dann erstmal bei Elisa, um mit ihr und Raja Klamottentausch zu veranstalten und natürlich köstliches Abendessen zu konsumieren, und habe danach recht lange eigentlich noch am Computer gehangen, aber es ergab sich nicht. Nuja.

    Es ist wunderschön sonnig und warm heute. Ich bin begeistert; ich erinnere mich schlagartig wieder daran, wie es ist, die Tür nicht immer so entsetzlich schnell zumachen zu müssen, wenn man reinkommt. Den Müll wieder in die Eimer vor der Tür zum Garten schmeißen zu können, ohne sich in der einen Sekunde halb den Tod zu holen. Chrysanthemen und Primelchen auf dem Tisch stehen zu haben; blühende, gerettete, wunderschöne Blumen. Sonne. Wärme. Sonne. Wie mir das gefehlt hat.

    Caro kommt morgen. Ich werde bereits erwähnt haben, dass sie Ende dieses Monats auf vorerst unbestimmte Zeit nach Portugal auswandert, auch wenn ich mich nicht dran erinnern kann - so wie ich mich an kaum einen Eintrag von denen erinnern kann, die ich dieses Jahr bisher verfasst habe. Aber es muss sie gegeben haben; irgendwas war da manchmal.

    Arbeiten war ich heute, zum ersten Mal seit genau einem Monat. Ich hatte schon nach zwei Stunden wieder genug und wollte raus, welch enorme Überraschung. Mir ist heute so klar und deutlich wie noch nie bewusst geworden, dass ich nicht als Übersetzerin qualifiziert bin und nichtmal ein Bedürfnis danach habe, es zu sein. Ich glaube, we're back to Perspektivenlosigkeit.

    Basti kommt nachher vorbei, damit wir endlich Fringe weitergucken können. Ich glaube, ich hätte das nicht anfangen sollen, dieses Seriengucken zusammen, das kann doch nicht gut ausgehen. Nach dem Drama in Oldesloe erst recht. (Kurz gesagt hat mich Basti zur falschen Zeit / im falschen Zustand auf das falsche Thema angesprochen, was ein - laut ihm; ich kann mir das gar nicht vorstellen.. ich will mir das nicht vorstellen - zweistündiges Prachtexemplar meiner allseits berühmt-berüchtigten betrunkenen Heulanfälle hervorgerufen und dazu geführt hat, dass sich mein Gewissen bis jetzt noch am liebsten auf der Stelle suizidieren würde.)

    Jetzt wird mir aber doch ein bisschen kalt. Ich sollte wieder ein bisschen mehr herumwuseln, dabei weiter aufräumen, Heizung anmachen und mich allgemein auf Wintermodus umstellen. Ich weiß eh nicht, wie ich es noch schaffen soll, alles zu erledigen, bis Caro morgen Nachmittag hier ist. Aber ich kann auch nicht gescheit aufräumen, wenn ich gerade feststelle, dass Frank Turner ein resignierter Mensch ist, der aber alles, was ich weiß, in Worte fasst und, noch schlimmer, alles, was ich am liebsten überhaupt nicht wüsste. Jetzt mache ich mir darüber Gedanken, wie resigniert man eigentlich sein sollte, und ob ich irgendein Recht habe, resigniert und verschreckt durch die Weltgeschichte zu laufen, nur weil ich Dinge für irgendeinen nahen oder fernen Punkt in meiner Zukunft als unvermeidlich und als Gewissheit annehme, die meisten davon, ohne dass mir je jemand gesagt hätte, dass sie sich ereignen werden. Irgendwann dachte ich doch noch, ich wäre harmlos und naiv. Wunschdenken. Die Überkompensation hat längst zugeschlagen. Schlägt man da nun zurück, um sich zumindest eine Chance zu geben, den Moment als solchen zu leben, oder nutzt man das als Möglichkeit, sich gegen das Übel der Welt zu wappnen? Oder lässt man es einfach nach Tagesform variieren, so, wie ich das so wunderbar schaffe, und merkt förmlich, wie man von Tag zu Tag abgefuckter wird, weil man nur noch zwischen den Extremen hin- und herspringt?

    Na, nicht so dramatisch hier, bitte. Ist ja nicht so, als wäre das jetzt eine neuere Entwicklung. Überkompensation ist mein zweiter Vorname, seitdem ich angefangen habe, meinen Abgründen etwas entgegensetzen zu wollen. Ich gehe jetzt weiter aufräumen.

  • Abend in Oldesloe

    Um mich rum spielen sie Phase 10. Mir hängt irgendwelches Essen in einer Zahnlücke und bringt mich um den Verstand. Wir wollten eigentlich nach Hohwacht heute, fahren nun aber doch erst morgen, nachdem sich uns diverse technische Probleme in den Weg gestellt haben (in erster Linie ging es darum, die Fotos und Videos von Sarahs und meinem Auftritt heute Früh an einem zentralen Ort zu versammeln und nebenbei ein Zugticket für meine Mutter auszudrucken).

    Sie haben Musik an und wollen gleich noch Cocktails machen. Ich habe vorhin kurz mit Ryk geredet und warte ehrlich gesagt darauf, dass er mich mal zurückruft, weil wir eigentlich abgemacht hatten, dass ich ihn kurz anklingele, wenn ich wieder Zeit habe. Die Idee, es einfach schnell nochmal zu probieren, schwirrt mir zugegebenermaßen auch im Kopf herum, aber letztendlich wird dieser Vorgehensweise von meiner heiligen Anti-Spam-Regel entgegengewirkt sowie von der Tatsache, dass so viele Menschen drurumsitzen, die mich dabei beobachten würden, selbige zu brechen.

    Ich hätte gern, dass die Aufnahmen jetzt alle zu Dropbox geladen sind, um ihm mal den Link zu dem Ordner schicken zu können; er sagte vorhin, er würde sich drüber freuen. Ich bin geistig abwesend. Das hier ist gerade ein harter Stream of Consciousness. Jetzt allerdings nicht mehr, weil ich blockiert bin. Ich habe mich bisher unheimlich gut mit Mama vertragen. Und heute war halb Oldesloe bei ihrer Vernissage und ich habe mich extrem gut geschlagen mit den ganzen alten mehr oder weniger be- oder beziehungsweise erkannten Gesichtern.

    Ich muss diese Zahnlücke jetzt zahnseiden gehen; das macht mich wahnsinnig. Jetzt wurde ich außerdem gerade von Sarah gefragt, was ich hier eigentlich mache.

    "What are you doing?"
    "I'm, uh.. typing. But I will be done typing in a second."

    So sei es.

  • Installiere nicht die neueste Version des Adobe Flash Players. Der ist nicht sicher, wurde mir gesagt. Von einem vierzehnjährigen Hacker.

    Jetzt sitze ich also hier in Oldesloe vor meinem Rechner. JO sitzt neben mir, vor ihrem eigenen Rechner. So sind wir.

    Ich bin heute hochgradig zufrieden mit meinem Leben.

    Gleich sehe ich Nicole wieder. Anderthalb Jahre ist es her. Ich freue mich.

    Basti, Sarah und Peruaner-Pedro kommen morgen.

    Ich muss aufs Klo.

    Caro kommt mich am 20. unten besuchen, bevor sie nach Portugal auswandert. Sie ist sich gerade unschlüssig, wie sie sich diesbezüglich fühlen sollte, und fühlt daher erstmal gar nichts, was sie wiederum beunruhigt. Aber ich hoffe (und habe ihr mehrfach versichert), dass sich das in absehbarer Zeit ändert.

    Sonne scheint.

    Ich vermisse Ryk und bin gleichzeitig wie eh und je überfordert mit der Gesamtsituation, aber andererseits bin ich gerade ziemlich abgeklärt und einfach irgendwie wirklich zufrieden mit meinem Dasein. Ich glaube, ich kann das überleben.

  • Gewissen, Berichte und Komatosität

    So sah das aus, als ich Kepa von Ryk berichtet habe. Unglaublich, wie er einfach aus diesem konfusen Wust an Wörtern erkannt hat, was ich ihm sagen wollte.

    Ich
    2015/01/29 12:36
    Und mein Fail war eigentlich kein Fail in dem Sinne, sondern eher ein mit Überforderung kombinierter Win, der sich als Monsterfail tarnte. Vielleicht aber auch ein Monsterfail, der sich als sich als Win tarnender Monsterfail ausgibt. Fürs Erste geh' ich von Zweiterem aus. Man wird sehen; ich werde berichten, wenn ich selber schlauer bin.
    Kepa
    2015/01/29 12:36
    Oh, das kapier ich nicht so ganz
    Ich
    2015/01/29 12:37
    Das macht gar nichts, da sind wir schon zwei^^
    Kepa
    2015/01/29 12:39
    Also hast du dir wen angelacht oder irgendeine super idee
    Ich
    2015/01/29 12:41
    indeed, indeed, indeed
    Kepa
    2015/01/29 12:41
    Oder beides
    Ich
    2015/01/29 12:41
    Eher zu viel Ersteres und zu wenig Letzteres
    Kepa
    2015/01/29 12:43
    Oh nein

    ...So war das nämlich.

    Mehr schaff' ich jetzt nicht mehr; ich bin einen gefühlten Mykrometer entfernt vom Umkippen. Und ich muss noch Zähne putzen. Und das Attest besorgen nachher. Und dann containern mit Basti und dann nach München. Ich konnte heute besser mit Ryk telefonieren. Es kamen Gefühle durch seine Stimme.

    Ich weiß nicht, was ich mit Basti anstellen soll. Es ist wirklich nicht einfach. Es kann für ihn auch nicht einfach sein. Wenn ich vergleiche, wie wir während der ersten Fringe-Folge aufrecht nebeneinandersaßen, und wie er inzwischen wieder wie damals um Neujahr herum meine Schulter als Kissen benutzend mir über den Arm streicht - das war heute wieder neu, das und die andere Hand oberhalb meines Handgelenkes - Gewissen, es bringt mich um. Andererseits, was soll ich tun. Die Fronten sind geklärt. Es unterliegt alles seiner alleinigen Bereitschaft, sich dem auszusetzen. Ich bin ja nicht Şahin. Ich streichele ja nicht zurück. Es geht ja von mir nichts aus. Er muss das selber wissen. Rede ich mir ein. Aber es ist trotzdem nicht gerade Balsam für mein Gewissen. Ich bin zu empfänglich für die Nuancen. Ich erinnere mich zu gut. The longing, oh, the longing.

    Ich muss jetzt schlafen. Ich bin schon die ganze Zeit am Einpennen.

  • Marie, du kannst zur Tafel gehn... oder Der Februar und andere wirre Träume

    So, ich lebe dann auch mal wieder.

    Oh, ich habe meine Zahnpasta gefunden. Das ist gut. Daneben liegt das Messer, das ich Sonntag containert habe. Auch gut. Scharfe Messer können nie schaden. Wobei, sie können schon schaden, das ist ja das Gute. Wer will schon mit einem Messer sein Gemüse schnibbeln, mit dem man nicht mal schnell einem Lebewesen die Kehle aufschlitzen könnte.

    Ich bin paranoid und bilde mir ein, dass mein Freund mich vergisst. Das ungeachtet der Tatsache, dass er mir vorhin vorschlug, diesen Monat noch mit ihm zu seiner Familie hochzufahren, wenn er für seinen Vater dessen Bürgermeister-Wahlprogramm schreiben geht, um zumindest eine völlige Katastrophe zu verhindern. (Also, er will verhindern, dass sein Vater eine Katastrophe anrichtet. Nicht dass du denkst, er würde verhindern wollen, dass ich eine Katastrophe anrichte; so erbärmlich bin ich dann doch nicht, ihm mitteilen zu müssen, dass ich damit rechne, von ihm ratzfatz vergessen zu werden.)

    Mir ist unfassbar merkwürdig zumute. Als wäre der ganze letzte Monat einer meiner abstrusen Träume gewesen. Meine Träume sind selten wirklich schrecklich oder wirklich schön, sondern einfach völlig konfus und ohne Sinn. Stell dir vor, was ich mir letzte Nacht schon wieder zusammengesponnen habe. Der Typ, dem ich seit Oktober ständig im Bus begegnet bin, hat mich zum Lasagneessen eingeladen. Dann hat er mir eröffnet, dass er nichts von Monogamie hält. Dann waren wir drei Tage später irgendwie zusammen. Dann habe ich mein komplettes Leben auf Pause gestellt und angefangen, jede meiner freien Minuten mit ihm zu verbringen. Dann habe ich nach und nach gemerkt, wie wunderbar er eigentlich ist. Dann habe ich mich in ihn verliebt. Dazwischen waren irgendwie noch Klausuren, für die ich einfach mal kein bisschen gelernt habe. Ich hab' sie trotzdem alle geschafft - sowas funktioniert auch nur im Traum. Dann ist Basti zu mir gezogen. Dann sollte ich eigentlich noch nach Namibia fliegen, weil ich irgendwann mal mit dem Finger auf einem Kaff namens Khorixas gelandet bin. Davor war ich bei Caro, um mit ihr Geburtstag zu feiern, habe sie den halben Abend nur zugejammert und schließlich meinen Flieger verpasst, bin schnurstracks zurück nach Hause und mit dem ersten Bus zu Ryk, nahtlos zurück in mein pausiertes Leben. Dann hat Basti seine Wohnung bekommen und wir haben ein paar Tage lang in der wunderbarsten Eintracht aller Zeiten zu dritt renoviert. Dann bin ich mit nach München gefahren, hab ihm beim Einräumen geholfen und dann ein paar Stunden lang geheult, weil er wieder mal einen Anflug von "du bist so toll, dass mir keine andere Wahl bleibt als meine vorletzte Bastion auch noch abzureißen" hatte (wobei sich die vorletzte Bastion auf die Polyamorie bezieht, die letzte auf den Veganismus) und es so unfassbar glaubwürdig klang diesmal, dass ich schon fast Hoffnung hatte, er würde meinem Einwurf, das würde er eh wieder zurücknehmen, diesmal tatsächlich etwas entgegensetzen. Hach ja. Drama. Dann waren irgendwie meine Sachen verschwunden und ich musste mir Jeans und einen Pulli von Ryk anziehen, um meinen Bus nach Hause noch zu erwischen. Dann war ich wieder zu Hause und irgendwie war alles total komisch.

    Es ist jetzt immer noch komisch. Ich konnte bisher noch mit niemandem so wirklich darüber reden, weil ich Basti (mit dem ich die letzten beiden Tage praktisch durchgehend rumgehangen habe) davon weitestgehend verschonen möchte und ansonsten noch keinen Kontakt zu Vertrauten hatte. Zumindest nicht in Situationen, in denen es angebracht gewesen wäre, ihnen die Problematik meiner Situation darzulegen. (Sarah und Peruaner-Pedro waren zwar vorhin da, aber die beiden zählen nicht. Zumindest in der Konstellation. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber diese Menschen haben die Fähigkeit, voneinander das Beste herauszuholen, nicht gerade mit Löffeln gefressen.)

    Jetzt wäre also zumindest schonmal im Groben umrissen, wie es mir so ergangen ist in letzter Zeit. Und ich muss sehr dringend jetzt schlafen. Ryk schrieb mir zwar vor einer Ewigkeit, dass ich im Funkloch sitze (wir hatten ausgemacht, dass wir vielleicht nochmal telefonieren, wenn Sarah, Pedro und Basti wegsind, und dann hatte ich ihm bescheidgeschrieben und offenbar hat er versucht, mich zu erreichen), aber ich bin zu müde, um noch mit ihm zu reden. Und warum auch, wenn es eh alles ein Traum war. Weird. Surreal. Wie überhaupt alles. Nichtmal der universellen Gültigkeit der Monoamorie ist also zu trauen. Was für eine gigantische Matrix, in der ich da stecke. Ich und die ganze restliche Welt bis auf wenige Ausnahmen. Ich bin so müde, dass ich kaum mehr wahrnehme, was ich eigentlich tippe. Ich bin dann mal weg. Das sagte ich zu ihm auch immer, wenn er arbeiten musste und ich in der Zeit mich aus der Wohnung verflüchtigt habe. Wie wunderschön und warm die Wohnung jetzt ist, wo Basti drin wohnt. Gar kein Vergleich. Ich hatte letzte Nacht keinen Nerv mehr darauf, von Basti nach Hause zu wandern, und habe bei ihm auf dem Sofa gepennt. Zu Ryks Zeiten hätte ich mich unter der Kuscheldecke zu Tode gefroren. So konnte ich einfach die Füße außen drunterherschauen lassen. Welch ein Luxus. Der arme Basti. Ich habe so ein verdammt schlechtes Gewissen.

  • Darf ich dich behalten?

    Ich hab' dann heute einfach mal mit einem Nicken geantwortet, statt wie zuvor mit verbalen Ausflüchten à la "ich würd' gerne behalten werden". Nachdem ich offenbar nach wie vor unfähig bin, eine Verbindung zwischen meiner Innenwelt und hörbar geäußerten Worten herzustellen - danke auch, zu gut funktionierende unfreiwillige Selbstschutzfunktion - gebe ich mir umso mehr Mühe, das, was ich nicht sagen kann, auf jede erdenkliche andere Art zu demonstrieren. Vielleicht haben diese Aussagen von ihm - "wie bin ich nochmal an den liebsten Mensch der Welt gekommen?" - auch darin ihren Ursprung. Er kann reden. Wenigstens einer von uns. Wie sagt er so schön (und ich will nicht wissen, seit wie vielen Jahrzehnten zu wie vielen Menschen, aber am Ende waren es vermutlich doch weniger, als ich mir denke) - kennst du das, wenn du dein Glück berühren, aber nicht fassen kannst?

    Er wäre nicht unsicher, würde er den Unterschied feststellen zwischen dem, was ich tue, und dem, was ich normalerweise inclined wäre zu tun. Er hat nicht die Spur einer Ahnung, was für eine riesige Diskrepanz besteht zwischen dem, was ich inclined bin zu tun, und dem, was mich der immense Grad an Zuneigung, die ich ihm mittlerweile entgegenbringe, letztendlich zu tun befähigt. Jeder Mensch, der mich kennt, müsste mich nur drei Minuten lang in seiner Gegenwart beobachten und könnte ihm aus vollster Überzeugung versichern, dass dieses Verhalten durch nichts erklärbar ist außer ebenjenem Zustand vollkommener geistiger Verwirrung.

    Ich höre Bueltatzen auf Repeat, seit nunmehr schon fast einer Stunde.
    Ich weiß, ich weiß. Aber egal, was das am Ende für Dramen mit sich bringt; wer weiß, wann sich mir das nächste Mal die Gelegenheit ergibt, jemandem Bueltatzen an den Hals zu dichten.

    Das ist doch unmöglich. Jemand liebt mich, und ich glaube es auch noch. Natürlich glaube ich nicht, dass das lange so bleibt, geschweige denn ein schmerz- und zerstörungsfreies Ende nimmt, aber jemand liebt mich jetzt gerade, und ich liebe ihn zurück. Wie absurd ist das bitte. Ich hatte mit der Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen, ehrlich gesagt in diesem Leben nicht mehr gerechnet.

    Jetzt macht der Luxmensch wieder Probleme. Argh. Argh. Argh. Würde ich nicht so unbedingt wollen, dass er Ryks Wohnung bekommt, wäre mir das ja alles egal, aber er MUSS es irgendwie heute hierher schaffen. Boah Mensch.. was für ein Chaos. Nebenbei erwähnt - ich habe noch nichts gepackt. Nichts. Und morgen bin ich weg. Theoretisch. Das wird ja mal lustig.

  • Ohne Wurst

    Sanskrit war zu einfach. Ich bin mit den Klausuren durch. Ich habe heute Zeit. Ein bisschen zumindest. Gleich gebe ich noch schnell Sofie Unterricht, kaufe auf dem Rückweg Küchenpapier (auch wenn es mir widerstrebt, aber ich fürchte, ich bekomme Ryk bis zu seinem Umzug nicht mehr so weit umerzogen, dass er die Überflüssigkeit und Umweltschädlichkeit von Küchenpapier als Füllmaterial noch einsieht) und lade wieder Geld auf mein Handy.

    Basti zieht in Ryks alte Wohnung. Bin ich grandios oder bin ich grandios? Ich habe Basti eine Wohnung gefunden und Ryk einen Nachmieter, nachdem sein Original-Nachmieter so unerwartet abgesprungen ist. Ich liebe das Leben.

    Ich bin morgen aller Voraussicht nach mit Kepa und dessen Mitbewohner bei Rini zum Weißwurstfrühstück. Danke, Kepa, für die unglaubliche Freude, die du mir damit bereitest, mich zu dieser Unternehmung bewegen zu wollen. Warum tue ich mir das an? Schmotzige Dunschtige hat man verschanzt im Haus zu verbringen, nicht bei Weißwurstfrühstücken damit, sich zuzugluggern. Das tut man nicht. Fasnet ist nicht meine Welt. Außerdem weiß ich nicht, wie Ryk morgen arbeitet, und laufe somit Gefahr, Zeit statt mit Ryk mit Weißwurstfrühstück, wenn auch ohne Weißwurst zu verbringen; gibt es etwas Sinnloseres? Aber es wird Alkohol dasein, weswegen auch ich dasein werde. So kriegt man mich eben doch immer, bedepperte Schnapsdrossel, ich. Außerdem ist es Kepa, der mich überredet. Kepa kann das. Und ich bin einfach nur so sehr gespannt, ob ich wieder gescheit mit ihm umgehen kann oder was da jetzt los ist. Nachdem sich Ryk jetzt ja relativ schnell als der (zumindest temporär, machen wir uns keine Illusionen) wunderbarste Fail der Geschichte entpuppt hat, müsste das doch eigentlich halbwegs unproblematisch funktionieren. Hach, was wäre das gut. Und die Rettung für Namibia.

  • Anflüge (oder: Zustände im Konflikt).

    Sanskrit. Morgen. Nicht gut.

    Natürlich nichts mehr gemacht gestern.

    Ich fühle mich hin- und hergerissen zwischen zwei Extremen.

    Eines ist dieses hier.

    Das andere ist dieses.

    Bueltatzen kennst du schon, sofern du mich kennst. Führt kaum ein Weg dran vorbei, weil Bueltatzen für mich die Welt bedeutet. Ich werde mir jetzt die Mühe machen, es zu übersetzen. Das habe ich nämlich bislang tunlichst unterlassen, so wie ich es ja generell an mir habe, meinen geschätzten Lesern Schrägstrich Bots eine unzumutbare Menge an Dingen zuzumuten, die sie ohne (die natürlich nie gegebene) Erklärung kaum in der Lage sein können zu verstehen.

    I want to see the world, but from your bed
    I want to see the world.
    The song on your lips that you can't forget
    I want to be that song.

    And where have you been hiding until now?
    In all these years too long, never showing up?
    Hold me by the hand, tight, I beg you
    It's dark and I don't know the way back.

    I want to be the sea in your storm
    I want to be the sea.
    The way home, only under your feet
    I want to be the way.

    And where have you been hiding until now?
    In all these years too long, never showing up?
    Hold me by the hand, tight, I beg you
    It's dark and I don't know the way back.
    I don't know the way back.

    I want to see the world, but from your bed
    I want to see the world
    from the watchtower of your words
    The song on your lips that you can't forget
    I want to be that song.

    And where have you been hiding until now?
    In all these years too long, never showing up?
    Hold me by the hand, tight, I beg you
    It's dark and I don't know the way back.
    I don't know the way back.
    I don't know the way back.

    Demnach war es umso ironischer, dass mir der Ukumensch (hallo, Ukumensch. Es ist über alle Maßen beeindruckend, dass du dir ein gesamtes Jahr lang meine fast-täglichen Schwallungen an Lebensschnipseln angetan oder aber nach dieser ganzen Zeit mal wieder random vorbeigeschaut hast. But, then, das deckt sich mit dem Inhalt eines unserer ersten Telefonate, in dem du mir deine Sicht auf Verbundenheit dargelegt hast. Es war trotzdem unerwartet, eine schöne Überraschung) neulich in Bezug auf Ryk und Schutzmauern schrieb, den Weg zurück würde ich ja kennen.

    Ich muss bei dem Lied öfter mal an Hänsel und Gretel denken.

    Zustand eins - Mariñelaren Zai - dagegen sieht folgendermaßen aus.

    The carpenter had a daughter,
    the most beautiful in the village
    Two men wanted to conquer her heart

    What is it, what is it, my daughter?
    - I'm in love with the sailor, father.
    But don't you understand it's impossible?
    You're meant to be with the young lord.

    She was then all longing for her forbidden love
    -The young lord is coming to ask for your hand,
    the sailor is going to Ireland.

    So it was, the forced wedding
    There were no rich people there
    And everyone was dancing, everyone was happy
    Forgetting about social differences

    What is it, what is it, my daughter?
    - I'm in love with the sailor, father.
    But don't you understand that's impossible?
    You're the young lord's wife.

    Still to this day we can see
    this daughter at the window
    Waiting, waiting for the sailor
    She has her hopes on the sea.

    Und dann natürlich das passende Kepa-Zitat dazu.
    "Um Himmels Willen, nicht warten."

    Und Ryk. "Es kann sein, dass ich in meiner letzten Woche in Konstanz von Lena-Anflügen geplagt werde; nicht persönlich nehmen."

    Und ich. "Passt."
    Natürlich passt es nicht. Bei aller Liebe zur Transparenz ist es, du wirst mir sicher zustimmen, nicht ganz einfach, die Exfreundinnen-Anflüge deines Freundes mit Würde und Verständnis hinzunehmen. Wie gut, dass ich lange genug Therapieerfahrung mit Caro und Şahin gesammelt habe, um das unschöne bis widerwärtige Gefühl, das heute genau wie damals bei solchen Bemerkungen aufkommt, klassifizieren und im Schach halten zu können.

    Irgendwo sind wir doch alle kaputt. Traurig, aber wahr.

  • Die reinste Effizienz.

    Oh Gowai, ich komm' ja zu gar nichts mehr. Wieso ist es der achte Februar? AAAH, ich will Zeit. Mehr davon. Viel mehr. Genug.

    Jetzt bin ich theoretisch am Sanskritlernen, praktisch dagegen dabei, mir unter den motivierenden Klängen des Pikachu-Songs (10-Stunden-Version) das Hirn langsam, aber sicher zerballern zu lassen - ich war nie ein Pokémon-Kind, aber diesen Pikachu-Ruf habe ich seit Silvester als "Kepa-ke, Kepa-kepa-Kepa-txooo" im Kopf und bekomme ihn da nicht mehr heraus, so eine Schande aber auch. Also muss ich jetzt die 10-Stunden-Version von diesem Lied hören, ist das nicht unfassbar wunderbar und logisch. Nein, nein, ich bin nicht auf Drogen. Wirklich nicht.

    Laura rettet mich, indem sie da ist. Ich werde mit ihr reden. Auch wenn ich mit Caro den Pakt geschlossen habe, dass wir beide lernen bis 3 und dann reden. Ich werde einfach reden bis 3 und dann reden, geht doch auch. Mit Ryk habe ich ebenfalls einen Pakt, der da lautet, ich lerne und er kommt her, wenn ich genug gelernt habe. In dem Fall dürfte er die Schwelle meines Hauses nie wieder überschreiten; "genug lernen" ist dieses Semester nicht drin. Konzentration Mangelware. Zeit nicht vorhanden beziehungsweise so ineffizient verschleudert, dass man fast schon meinen könnte, ich wäre tatsächlich in jemanden verliebt, der Ende des Monats die Stadt verlässt, und müsste meine freie Zeit demnach zu hundert Prozent mit dieser Person verbringen. Merkwürdig, das alles.

  • Paranoia spät am Abend; Paranoia, die ist schön. (Nicht.)

    Das war toll. Gleich schreibe ich Spracherwerb, gebe vorher noch Sofie Unterricht und sollte vielleicht jetzt etwas lernen. Ist ja nicht so, als hätte ich bisher noch nichts gelernt, nein. Gar nicht. Ist ja nicht so, als würde ich bestialisch nach Knoblauch stinken und müsste dringendst noch duschen, bevor ich zu Sofie fahre.

    Natürlich musste ich gestern, als alle wegwaren, einen betrunkenen Heulanfall schieben, nachdem Ryk damit anfing, es wäre ihm im Fall, wir würden uns "sowas wie trennen", sehr wichtig, mich als Freundin zu behalten. Ich wurde auf der Stelle paranoid und war überzeugt, gleich von ihm abserviert zu werden, fing an zu heulen und hörte eine halbe Stunde nicht mehr auf; wie grandios das einfach war. Nicht. Irgendwann sagte er, er würde mich lieben. Das war abstrus. Ich habe nichts zurückgesagt. Was auch. Du bist einer der wundervollsten Menschen, die mir je untergekommen sind, aber wenn ich mir erlaube, dich zu lieben, erlaube ich dir, mich zu zerstören. Du wirst mich so hart zerstören. Das vielleicht?

    Es gibt ihn nicht in mono. Es geht einfach nicht. Ich kann es nichtmal verdrängen, weil er es einfach selbst mit schöner Regelmäßigkeit auf den Tisch bringt, was auch gut so ist, weil es mich erinnert, die Mauer nicht vollkommen fallenzulassen, das bröckelige, poröse Ding, das nach der kurzen Zeit noch übrig ist.

    Lernen sollst du, lernen.

  • Man lenke sich von allem Wichtigen ab, vorzugsweise mit Essen.

    Antipasti. Das ist eine feine Idee. Und Kartoffeln, ein paar Packungen Tortilla-Chips und ganz viel Dip.

    Ich war gerade am Überlegen, womit ich die morgen erscheinenden Menschen (die ersten zwei Zusagen habe ich schon, Rini kommt tatsächlich von acht bis zehn vorbei und Marie schneit nach der Arbeit gegen halb zwölf herein) denn so verköstigen könnte. Wie ungemein praktisch, dass ich diese Antipasti habe. Und einen Rest Kräuterquark. Dann mache ich Salat - heute bei der Tafel gab es Unmengen - und meinen köstlichen Tortilla-Dip aus Sauerrahm vom Großhandel (der Inhalt eines der beiden 5-Liter-Eimer sollte doch mindestens noch gut sein) und Knoblauch und Schnittlauch. Pilze hab' ich auch, die fülle ich mit Knoblauchmargarine, und natürlich kommt das Fladenbrot zum Einsatz. Danke, Gowai, für diese wunderbaren Gaben. Danke, Großhandel und Türkenladen, für euren Müll, mit dem ich definitiv besser lebe als ein gewaltiger Anteil der nichtcontainernden Weltbevölkerung.

    Gleich kommt Sarah zum Proben, so gegen viertel vor acht. Ryk kommt um neun, und wie oder wann bereite ich mich für die Klausur morgen vor? Ich habe keinen Schimmer. Ich weiß nur, dass ich glücklich bin, wenn ich an die gelöste Essensfrage für morgen denke. Vielleicht sollte ich schonmal die Knoblauchmargarine machen, dann ist die morgen schon schön durchgezogen. Ja, ich glaube, das werde ich jetzt tun.

  • Huch, es ist ja Februar.

    Meine Güte, ich hab' morgen Geburtstag und es könnte meinem Bewusstsein ferner kaum sein.
    Jetzt habe ich soeben einen Aufruf an elf oder zwölf Menschen gestartet, sie sollen sich doch morgen Abend zu einer gemütlichen Runde bei mir einfinden, und hoffe einfach mal, dass ich das kopftechnisch gebacken kriege und nicht bis morgen Abend wieder vergessen habe. Spontanere Geburtstagsunternehmungen habe ich selten hingelegt, wenn überhaupt.

    Ich bin ja mal gespannt, wer kommt. Ich tippe auf Lisa, Ryk, Sarah, Pedro, Trudi, Marie, Lena safe. Johanna vielleicht. Rini, Kepa und Nicole eher nicht. (Wenn Nicole aus Hamburg runterkäme, nachdem wir praktisch seit Jahren nicht mehr dazu kamen, miteinander zu reden.. traurig, aber wahr.. das wäre jedenfalls wirklich mal was. Und Kepa fragte zwar gestern noch, ob ich an meinem Geburtstag was mache, aber er wird trotzdem nicht extra dafür aus Kempten herkommen. Und Rini hat sehr wahrscheinlich keine Zeit, die gute verplante Seele.)

    So, in zehn Minuten kann ich schon bei der Tafel anrufen. Ich hoffe, sie haben mal wieder ein bisschen was zum Retten da. Ich habe zwar noch türkisches Fladenbrot, aber würde schon gern noch ein paar Vorräte aufstocken.
    Und ich stinke zum Himmel, ich sollte duschen.
    Und danach schreibe ich Türkisch. Vielleicht. Ansonsten nächste Woche. Aber ich glaube schon, dass wir heute schreiben. Man wird sehen. Jedenfalls sollte ich heute hingehen.

    So ist das alles.

  • Mundua ikusi nahi dut.

    Ta non izkutatzen zinen orain arte - urte luzeegi hauetan, agertu gabe? Helduidazu eskutik, estu arren; ilun dago ta ez dakit bueltatzen.

    Beno, ez dago hain ilun, egia esan, eta beraz, badakit bueltatzen.
    Was das alles noch viel besser macht. Ich bin noch längst nicht dabei, ihm gedanklich Songs wie diesen zu widmen; ich habe nicht das Gefühl, ihn in irgendeiner Hinsicht zwingend in meinem Leben zu brauchen; er hat zwar ein Stückweit seine Fänge in mein Leben geschlagen, aber es sind glatte Fänge, ganz elegant gebogen, ohne Widerhaken - ganz wichtig, ohne Widerhaken. Jetzt kann ich nur hoffen, dass sich die nicht noch irgendwann unmerklich ausfahren.

    Meine Couch-Hostess in Windhoek hat mir abgesagt; ich hab' mich schon um Ersatz gekümmert bzw. bin dabei.

    Ich habe mich soeben dazu zwingen können, mir meine Türkischmappe ins Bett zu holen, um mir das r-Präsens für morgen zu Gemüte zu führen. Eigentlich hätte ich seit einer Stunde mindestens geschlafen, aber ich musste mich noch mit meinem Drucker und Ryks Mietvertrag auseinandersetzen. Außerdem habe ich gerade aus irgendeinem unerfindlichen Grunde beschlossen, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als jetzt erstmal zu ihm zu fahren - die Macht der Gewohnheit kann so schnell zuschlagen. Mein Türkischzeug nehm' ich mit, dann kann ich morgen Früh lernen, während er arbeitet, und muss mich nicht um zehn Uhr schon aus dem Staub machen.

  • Neunundzwanzigster

    Überhaupt keine Lust zu schreiben. Ich muss aber schreiben, sonst bin ich später sauer auf mich.

    Gerade schreibe ich mit Kepa, und darauf habe ich zwar Lust, aber es hat auch so seine verwirrenden Züge. (Im wahrsten Sinne des Wortes, aber das ist jetzt konkret auf den Inhalt des Gespräches zurückzuführen und somit für die gesamte restliche Welt unverständlich).

    Ich kann nur vor mich hinstarren. Mir ist die Welt zu absurd im Moment. Ich bin nostalgisch und verloren und verwirrt auf einmal.

    Und müde. Oh, wie müde ich einfach bin.

  • Miau.

    Leider wurde das Nesselfieber, das mich seit Samstag Abend heimsucht, heute so schlimm, dass ich fast nicht wusste, wie ich in die Uni kommen sollte. Zum Glück war es besser, als ich erstmal dort war. Ich habe das 8.15-Seminar geschwänzt - wunderbar gemacht, letzte Stunde vor der Klausur schwänzen hat doch eh immer was, erst recht, wenn's dasjenige Seminar ist, das der Prof leitet, bei dem du BA schreiben willst und den die Klausur dementsprechend nicht allzusehr entsetzen sollte.

    Naja. Aber dafür habe ich bis um die 12 geschlafen und kam mir endlich mal nicht mehr so sehr wie ein Zombie vor. Sanskrit wieder unvorbereitet überlebt, in Euskera kurz aufgeblüht und dann ab nach Hause, wo ich mich todesfertig daran machte, mein lang geplantes Semmelknödel-im-Glas-Projekt in die Tat umzusetzen und nebenher etwas zu essen. Wurde Zeit; der Mensch ist halt nicht dazu gemacht, auf der Basis eines mickerigen, aus einer Banane und einem Löffelchen Schokoeis, Wasser und Milchpulver bestehenden Shakes über den ganzen Tag zu kommen.

    Gestern hat sich ja noch alles Mögliche Schöne ereignet. Ich habe nach einem wenig fruchtbaren Gespräch mit Mama über meine Lage (wer hätte es gedacht; was hätte da auch Anderes als eine totale Katastrophe rauskommen sollen) mich dann schnellstens auf zu Moritz gemacht, bei dem ich dann immerhin noch eine knappe Dreiviertelstunde Zeit hatte rumzuhängen. Und das war wirklich schön. Chrissi, sein Mitbewohner, war auch da, und während wir auch nicht dazu kamen, die Thematik anzuschneiden, war ich einfach nur total glücklich, dasein und mich so unkompliziert und erfüllend mit diesen beiden lustigen, lieben Zeitgenossen unterhalten zu können.

    Natürlich war ich ein kleines bisschen zu spät zurück - Peruaner-Pedro rief mich vom Parkplatz vor meiner Haustür aus an, da war ich noch nichtmal beim Bahnübergang unten vor dem Berg. Die von der Tafel sagten mir, als ich sie eine Minute danach anrief, dass sie absolut nichts dahatten, das ich hätte abholen müssen, und mit dieser Nachricht begrüßte ich Pedro, der mir daraufhin vorschlug, doch einfach ein bisschen zusammen um den Bodensee zu fahren. Gesagt, getan. Er hatte auch ein paar Sachen auf dem Herzen, aber den Großteil der Zeit verbrachten wir natürlich mal wieder mit meinem Kram. Und natürlich schaffte ich es nicht zu Türkisch um viertel nach drei, vielmehr fand ich mich irgendwann in Pedros Zimmer vor einem gigantischen einfarbigen Spiralenpuzzle wieder, an dem wir in ungefähr einer Stunde ungefähr fünf Stücke weiterkamen (und uns darüber nen Keks freuten). Dann wollte Pedro containern gehen - es geschehen noch Zeichen und Wunder. Natürlich ließ ich mir das nicht zweimal sagen - Containern mit dem Auto, gibt es etwas Luxuriöseres?
    Der richtige SuperGAU kam dann aber, als wir nach an sich schon recht erfolgreichem Beutezug noch zu Sarah fuhren und mit ihr zusammen unsere letzte Station anpeilten. Ich glaube, ich habe selten in meinem Leben so einen Fang gemacht wie gestern. Das war nichts Anderes als völlig absurd. Also, mein Kühlschrank, Gefrierfach und begehbarer Kühlschrank aka Bereich vor unserer Gartentür sind jedenfalls gut gefüllt.

    Irgendwann war dann endlich alles fertig und ich habe

    ...war ich dabei zu schreiben, dann tauchte ein unfassbar niedlicher bekiffter Ryk eine Stunde früher als erwartet bei mir auf und ich sah mich gezwungen, die Veröffentlichung dieses Eintrags auf später zu verschieben, genauer gesagt, auf jetzt.

    Er hat Trudi und Hannes kennengelernt und gleich mit ihnen gebondet, nachdem er feststellen durfte, dass die beiden auch zur Gattung der Graskonsumenten zählen, und Trudi ihm natürlich gleich anbot, mit ihnen noch einen durchzuziehen. Ich hatte inzwischen schon die tiefgreifende Erkenntnis gehabt, dass stoned Ryk in etwa das Goldigste ist, das mir je unter die Augen gekommen ist, und war glücklich, dass er die Gelegenheit hatte, noch mehr von dem Zeug zu inhalieren. Wirklich, ich kam mir fast selbst vor wie auf Drogen, solche Lachflashs hatte ich gestern. Was für wunderbaren Schwachsinn er einfach redet. "Leg dich andersrum, bitte, mich überfordert dein Gesicht aus dieser Perspektive. Wirklich jetzt, du solltest dich umlegen. Also, ich will dich nicht umlegen, und du sollst dich auch nicht umlegen, aber bitte leg dich um!"

    Was ist noch passiert, abgesehen davon, dass ich augenscheinlich anfange, mich in meinen Freund zu verlieben, und das auf Basis von Gras? Hm. Vorhin rief mich Peruaner-Pedro an, um zu fragen, wann er bei mir vorbeikommen soll, und ich war todesverwirrt, weil wir überhaupt nichts ausgemacht hatten und er mir aber einreden wollte, wir hätten etwas ausgemacht, und da mein Verstand noch nicht wirklich dawar, habe ich sogar wirklich gezweifelt. Jedenfalls muss ich noch Maialens Probeklausur machen und herausfinden, was ich heute Abend tue, um Ryk bescheidsagen zu können, ob ich nach der Uni zu ihm komme. Daran sollte ich mich jetzt wirklich mal machen, bevor Pedro hier aufkreuzt.

    Das Nesselfieber ist immer noch da. Und es tut weh. Trudi hat mit ihrer Mutter geredet und mir etliche Ratschläge von ihr übermittelt, mir Medikamente aus Harz und Heilpflanzen zur Verfügung gestellt und mir Shea-Butter zum Einreiben gegeben, was wirklich lieb von ihr war.

    Und ich muss jetzt ganz dringend aufstehen und mein Kokosöl ausspucken, und das eigentlich schon seit mindestens zehn Minuten.

  • Klarkommen. Irgendwie.

    Wie durch ein Wunder hat mein Instinkt den Weg zu meinem fast vergessenen Allheilmittel gefunden. Ich sitze also Artwork hörend im Bett, bei geschlossenen Fensterläden - schon wieder einer dieser Menschen, die von Licht aufwachen und es daher vorziehen, in komplett dunklen Räumen zu schlafen. Nur dass Kepa letztendlich doch immer sagte, ich solle nicht extra noch rausgehen und die Dinger zumachen - damit hatte Ryk dagegen kein Problem.

    Ich habe das furchtbarste Nesselfieber seit vorgestern Abend. Das ist stressbedingt und ich hatte es davor nur ein einziges Mal, an meinem neunten Geburtstag nämlich. Damals, weil ich so aufgeregt war, dass ich Geburtstag hatte. Am Ende musste meine Mutter meine Gäste nach Hause schicken, weil ich in schrecklichen, juckenden Pusteln gebadet war.

    Panik, Panik. Und müde. Artwork macht mich ruhig, und die verbleibende Panik macht mich müde - ich will schlafen.

    Klausuren. In einer Woche. In einer Woche. WARUM?

    Okay. Haha, es wird immer noch absurder. Moritz, mit dem Sarah und ich Musik machen, hat mich grad spontan zu sich eingeladen, nachdem ich ihm sehr ungeplanterweise von meinem verwirrten Zustand berichtet habe (selber schuld, wenn er fragt, was ich treibe.. nicht wirklich, natürlich) - ein Mensch, den ich fast nicht kenne. Auf einmal tut er das. Das ist.. Gowai, das ist so unfassbar lieb von ihm. Ich seh's kommen, ich fang an zu heulen, wenn ich dabin. Oder so. Vielleicht ja nicht, zu hoffen wär's.

    Jetzt habe ich Artwork durch und somit Motivation, aufzustehen und mich fertigzumachen und zu Moritz zu fahren. Ja, dann werde ich das wohl jetzt mal tun. Peruaner-Pedro hab' ich gerade noch geschrieben, ob er immer noch heute mit zur Tafel will - das hatte er mir angeboten letzte Woche, da er ja gerade Urlaub hat und irgendwann auf die Idee kam, wir könnten doch mit dem Auto fahren, dann müsste ich mich nicht so kolossal abschleppen.

    PANIK. Ich will weiter Artwork hören. Aber ich kann ja mein Leben schlecht ab jetzt Artwork hörend im Bett verbringen. Auch wenn es wenig gibt, das ich lieber täte.

  • Sobrecargada. Pt. 2

    Und wie meistens, wenn dann tatsächlich mal was passiert bei mir im Leben, bin ich wieder zu überfordert, um überhaupt davon zu berichten.

    Aber das Überfordertsein dürfte man verstehen, wenn man bedenkt, dass ich mit einem polyamorösen, radikalen, hochintelligenten, Menschen wie offene Bücher lesenden, komplett zerstörten, manipulativen, eloquenten, lebenserfahrenen, charismatischen libertären Kommunisten geschlafen habe, der mich heute Mittag fragte, ob wir nun sowas wie zusammenseien, und natürlich nichts Besseres zu tun habe, als ihm das mehr oder weniger zu bejahen und mir seither den Kopf zu zermartern, wie ich es schaffe, da unbeschadet wieder rauszukommen.

    YAY.

    Natürlich muss der erste Mensch, der in meinem Leben ernsthaft die Absicht an den Tag legt, eine Beziehung mit mir einzugehen, ein polyamoröser, radikaler, hochintelligenter, Menschen wie offene Bücher lesender, komplett zerstörter, manipulativer, eloquenter, lebenserfahrener, charismatischer libertärer Kommunist sein. Natürlich muss er das. Was auch sonst. Das Leben scheint mir viel zuzutrauen, wenn es es nichtmal für sinnvoll erachtet, dass ich erstmal mit einer konventionelleren Beziehung anfange, mich an das Konzept zu gewöhnen. Nein, es schmeißt mich ins kalte Wasser. Ich glaube, das wird noch interessant.

    Angefangen schon damit, dass es durchaus hätte sein können, dass er genau heute Abend mit einer was hat, die vor zwei Wochen noch meinte, er wäre ihr zu alt, aber nun wohl doch nicht mehr. (Sie hat nun aber heute Abend doch keine Zeit, also wird das wohl heute nichts mehr.) Das wirklich Abstruse ist, wie egal mir das ist. Was in erster Linie daran liegen dürfte, dass mein Hirn mit der Gesamtsituation überfordert ist und einfach einen auf Vakuum macht, sowie daran, dass ich Ryk gegenüber, glücklicherweise, zumindest momentan keine Gefühle whatsoever hege, die über die Zuneigung einer Katze gegenüber ihrem Menschen auch nur in Ansätzen hinausgehen. Danke, Leben, danke dafür. Ich danke dir aus ganzer Seele.

    Jetzt höre ich mein Summer, fummele an den leicht schmerzenden Spuren von seinen Killerbartstoppeln auf meinem Gesicht herum und finde das Leben abstrus.

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Hier übrigens mein anderer Blog, "Save the lettuce" - für Verwendung und gegen Verschwendung: http://aspestie.blog.de/

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